Das Foto zeigt den Angeklagten neben seinem Verteidiger Dr. Iyad Nassif. © Jörn Hartwich
Prozess

Ex-Arbeitgeber ausgeraubt: Täter hätte sich kaum ungeschickter anstellen können

Nicht maskiert, das Opfer ein Ex-Arbeitskollege: Dass dieser Täter gefasst wurde, hätte er sich eigentlich selber denken können. Vor Gericht war der 21-Jährige dann auch eher kleinlaut.

Diese Tat wäre wohl ein Fall für die Kategorie „dümmste Verbrecher“: Bei einem Überfall auf eine Spielhalle in Marl hat ein 21-Jähriger nicht nur auf jegliche Maskierung verzichtet, sondern sich als Oper auch gleich noch einen Ex-Arbeitskollegen ausgesucht. Seit Dienstag beschäftigt der Raub das Essener Landgericht.

Es war die Nacht auf den 28. Juli 2020, als der Angeklagte an der Spielhalle auftauchte. Ihm selbst war drei Tage zuvor gekündigt worden, der Chef hatte außerdem ein Hausverbot verhängt. Als ihn sein Ex-Kollege daran erinnerte und ihn nicht hineinlassen wollte, zückte der 21-Jährige ein Messer.

Aufsicht in Lagerraum gesperrt

„Ich will Dir nicht wehtun. Gib mir einfach die Schlüssel.“ So oder so ähnlich soll er sich damals ausgedrückt haben.

Der 19-Jährige, der nur wenige Stunden zuvor mit der Nachtschicht begonnen hatte, wurde in einen Lagerraum gesperrt, dann machte sich der Angeklagte an der Kasse, am Getränkegeld und am Wechselgeldautomaten zu schaffen. Die Beute: etwas über 1100 Euro.

„Da hat sich ein Schalter umgelegt“

„Ich wollte eigentlich nur auf die Toilette“, sagte der 21-Jährige im Prozess. „Doch dann hat sich in meinem Kopf ein Schalter umgelegt und ich habe das Messer gezogen.“

Dass es überhaupt so weit gekommen ist, schiebt er auf seinen angeblich exzessiven Amphetamin-Konsum. Er will kaum noch geschlafen und sogar schon unter Halluzinationen und Verfolgungswahn gelitten haben.

Auf der Couch geweckt und festgenommen

Drei Tage lang hielt er sich versteckt, dann tauchte er an der Marler Adresse seiner Schwester auf, bei der er auch vorher schon wochenlang gewohnt hatte. „Ich muss endlich mal wieder schlafen“, sagte er, legte sich auf die Couch und machte die Augen zu. Geweckt hat ihn die Polizei, die einen Hinweis erhalten auf seinen Aufenthaltsort erhalten hatte.

Die Drogen haben dem 21-Jährigen schon mehrfach nach unten gezogen. Er hat sogar schon im Gefängnis gesessen. Trotzdem war es ihm zwischendurch immer wieder gelungen, Arbeit zu finden und sein Leben zu stabilisieren. Doch kaum war wieder Amphetamin im Spiel, brach alles sofort zusammen. Im Prozess drohen nun mehrere Jahre Haft.

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