Es gibt erstmals offizielle Zahlen, wie stark Impfungen gegen eine Infektion mit dem Coronavirus schützen und wie viele geimpfte Menschen sich dennoch infizieren. Die Daten sind höchst eindrucksvoll. © Unplash/ Mika Baumeister
Coronavirus

Erstmals exakte Daten: Mehr als 99 Prozent der Infizierten sind nicht gegen Corona geimpft

Wie sehr schützen Impfungen wirklich vor einer Corona-Infektion? Bisher gab es dazu nur Schätzungen und Prognosen. Nun gibt es erstmals offizielle, belastbare Zahlen und die haben es in sich.

Seit Ende vergangener Woche veröffentlicht das Robert-Koch-Institut (RKI) einmal in der Woche Daten und Fakten zu den sogenannten „Impfdurchbrüchen“ in Deutschland. Als „Impfdurchbruch“ gilt ein Fall, in dem sich ein Mensch mit dem Coronavirus infiziert, obwohl er vollständig gegen das Virus geimpft ist. In solchen Fällen hat also das Virus den Impfschutz „durchbrochen“, daher der Name.

In Deutschland begannen die Impfungen am 27. Dezember 2020. Bis auf das erst Mitte März zugelassene Präparat von Johnson & Jonson benötigen alle Impfstoffe eine zweifache Impfung zur vollständigen Wirksamkeit.

Vollständig gegen Corona geimpfte Menschen erst seit 1. Februar 2021

Zwischen beiden Impfungen müssen mindestens drei Wochen liegen und dann dauert es weitere zwei Wochen, eher der vollständige Impfschutz aufgebaut ist. Das bedeutet: Frühestens seit dem 1. Februar 2021 gibt es in Deutschland vollständig mit einer Impfung gegen das Coronavirus geschützte Menschen.

Seit 1. Februar waren von den rund 1.524.000 Menschen in Deutschland, die sich neu mit dem Coronavirus infiziert haben, lediglich 12.335 vollständig geimpft. Das entspricht einem Anteil von 0,8 Prozent an allen Neuinfizierten. In 99,2 Prozent der neuen Corona-Fälle handelt es sich also um ungeimpfte Menschen.

Nur 6.125 Geimpfte weisen Krankheitssymptome auf

6.210 (50,3 Prozent) von diesen geimpften Infizierten haben sich zwar angesteckt, wiesen aber keinerlei Krankheitssymptome auf. In der Statistik des RKI werden sie nicht weiter beachtet. Aber 6.125 (0,4 Prozent aller Infizierten; 49,7 Prozent der infizierten Geimpften) wiesen klinische Symptome auf.

Von den 6.125 infizierten Geimpften, die Krankheitssymptome aufweisen, waren 5.144 oder 84 Prozent mit Biontech geimpft. Zur Einordnung: Die weitaus meisten Impfungen – genau 74,3 Prozent – erfolgten bisher in Deutschland mit dem Impfstoff von Biontech.

Biontech, Astrazeneca, Moderna und Johnson & Johnson

156 Impfdurchbrüche (2,6 Prozent) erfolgten trotz eines Schutzes mit dem Vakzin von Moderna (Impfanteil: 9,2 Prozent), 211 (3,5 Prozent) mit dem Präparat von Astrazeneca (Impfanteil 10,6 Prozent) und 346 (5,7 Prozent) mit dem Serum von Johnson & Johnson (Impfanteil: 2,6 Prozent). Bei weiteren 268 Impfdurchbrüchen gibt es zum Impfstoff keine Angaben.

Bei den unter 18-Jährigen liegt die Zahl der Impfdurchbrüche bei 0,01 Prozent; bei den 18- bis 59-Jährigen liegt der Anteil bei 0,5 Prozent und bei den über 60-Jährigen beträgt der Anteil 1,5 Prozent. Das heißt: Selbst in der am meisten gefährdeten Altersklasse der über 60-Jährigen sind 98,5 Prozent der vollständig Geimpften vor einer von Symptomen begleiteten Corona-Infektion geschützt.

So viele Menschen mussten trotz Impfung wegen Corona ins Krankenhaus

Unter den von einem Impfdurchbruch betroffenen Menschen musste niemand unter 18 Jahren im Krankenhaus behandelt werden. Bei den 18- bis 59-Jährigen kamen 77 Menschen (2 Prozent) und bei den über 60-Jährigen 639 (27 Prozent) ins Krankenhaus.

Fazit laut RKI: Der bei weitem größte Teil der seit dem 1. Februar festgestellten neuen Corona-Infektionen wurde bei Patientinnen und Patienten festgestellt, die nicht geimpft waren. Durch einen Vergleich des Anteils vollständig Geimpfter unter Covid-19-Fällen mit dem Anteil vollständig Geimpfter in der Bevölkerung ist es nach Darstellung des RKI möglich, die Wirksamkeit der Impfung grob abzuschätzen. Die nach dieser Methode geschätzte Impfeffektivität liegt für 18- bis 59-Jährige bisher bei rund 89 Prozent, bei den Menschen ab 60 Jahren bei etwa 87 Prozent.

Sterbequote sank von 2,6 auf 2,2 Prozent

Am Rande noch ein Blick auf die Gesamtzahlen: Bis zu diesem Stichtag am 1. Februar 2021 infizierten sich 2.232.316 Menschen in Deutschland mit dem Coronavirus. Das sind 59,4 Prozent aller bis zum heutigen Tag infizierten 3.756.856 Menschen. Seit dem 1. Februar gab es rund 1,5 Millionen Neuinfektionen. Das bedeutet einen Anteil von 40,6 Prozent an allen Neuinfektionen.

Vom 1. Februar bis heute starben in Deutschland 33.131 Menschen (36,2 Prozent) an oder mit Corona, vorher gab es 58.796 Tote (63,8 Prozent). Bis 1. Februar lag die Sterbe-Quote von Corona-Infizierten bei 2,6 Prozent, seither liegt sie bei 2,2 Prozent.

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Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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