Vor dem Landgericht Bochum muss sich ein Mann aus Recklinghausen verantworten, der bereits zwei Mal von der Polizei mit Waffen und Drogen erwischt worden war. © Werner von Braunschweig
Prozess

Dealer nach Verfolgungsjagd mit Waffen und Drogen erwischt – drastische Strafe droht

Bereits zum zweiten Mal wurde ein Dealer von der Polizei mit Drogen und Waffen erwischt. Einmal lieferte er sich sogar eine Verfolgungsjagd. Die Haftstrafe könnte nun sehr hoch ausfallen.

Obwohl bereits vorgewarnt durch einen ähnlichen Vorfall soll sich ein vorbestrafter Drogendealer aus Recklinghausen vor sechs Wochen eine wilde Verfolgungsjagd mit der Polizei geliefert haben. Seit Montag steht der 36-Jährige in Bochum vor Gericht und weiß: Es könnte für ihn knüppeldick kommen. Denn im Raum steht eine drastische Strafe von zehn Jahren Haft und mehr.

Es war am 14. Januar gegen 17 Uhr, als der Angeklagte in Herne in einem weißen BMW X 70 ins Visier eines Funkstreifenwagens geraten war. Die Polizeibeamten hefteten sich laut Anklage an die Stoßstange, gaben optische und akustische Anhaltesignale, die von dem BMW-Fahrer jedoch ignoriert wurden. Stattdessen soll der Recklinghäuser Gas gegeben, versucht haben, zu flüchten und das Fahrzeug dabei auf bis zu Tempo 120 beschleunigt haben.

Sporttasche mit verschiedenen Drogen im Wagen

Bei der Fluchtfahrt wurden drei parkende Autos demoliert. Warum der 36-Jährige es so eilig hatte, wegzukommen, erblickten die Beamten laut Anklage bei der späteren Festnahme durch einen Blick ins Wageninnere: Dort fanden sie neben einem „Kriegshammer“ und einem Springmesser eine Sporttasche mit verschiedenen Drogen (unter anderem Amphetamine sowie hochreines Kokain).

Besonders dreist: Der Angeklagte besaß offenbar nicht nur keinen Führerschein, sondern er hätte eigentlich auch bereits vorgewarnt gewesen sein müssen. Denn am 28. Februar 2020 soll er in Recklinghausen bereits schon einmal – diesmal mit einem weißen Mercedes – einer Polizeistreife aufgefallen und dabei ebenfalls mit Rauschgift und Waffen erwischt worden sein.

Erstes Mal ebenfalls mit Drogen und Waffen aufgeflogen

Dass der 36-Jährige danach im Anschluss an einen Haftprüfungstermin überhaupt wieder auf freien Fuß gekommen war, stieß bei den Bochumer Richtern auf Unverständnis. Polizeibeamte waren seinerzeit über ein gestohlenes Kennzeichen auf den später kontrollierten, weißen Mercedes aufmerksam geworden. Auch in diesem Fahrzeug hatten die Polizisten Drogen (unter anderem einen Eimer mit 5,3 Kilo Amphetaminen) und eine griffbereite Waffe (ein Einhandmesser mit einem Schlagring-Griff) entdeckt.

Richter Volker Talarowski mahnte am Montag beim Prozessauftakt, dass der Drogendealer derzeit nach Aktenlage durchaus auf eine zweistellige Haftstrafe zusteuere: „Sie sollten unbedingt versuchen, Schadensbegrenzung zu betreiben.“ Der Angeklagte und seine Verteidigerin Berrit Lobeck kündigten für den kommenden Verhandlungstag eine voraussichtlich geständige Erklärung an.

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