Die für den 11. Mai geplanten Lockerungen der Corona-Maßnahmen in den Niederlanden werden vorerst verschoben. (Symbolbild) © picture alliance/dpa/ANP
Coronavirus

Corona in den Niederlanden: Regierung verschiebt weitere Lockerungen – was jetzt dort gilt

Corona-Lockerungen in den Niederlanden müssen wegen der hohen Fallzahlen verschoben werden. Die Stadt Venlo bereitet sich auf deutsche Tagestouristen vor. Das sind die Regeln für die Niederlande.

Die niederländische Grenzstadt Venlo sieht sich nach dem Ansturm vor allem deutscher Tagestouristen am vergangenen Sonntag für das kommende Wochenende gerüstet. „Wir sind gut vorbereitet“, sagte City-Manager Marcel Tabbers der Deutschen Presse-Agentur. Es täte der Stadt „im Herzen weh“, wenn man Besucher wieder weg schicken müsse – dies sei auch diesmal aber nur das letzte Mittel.

Am Sonntag musste die Innenstadt am Mittag gesperrt werden, nachdem der Andrang zu groß wurde. Laut Tabbers ist nicht vorher zu sehen, wie viele Menschen an diesem Wochenende kommen. So soll es am Sonntag sehr sonnig werden – vielleicht dann schon wieder zu warm für einen Ausflug nach Venlo, so der City-Manager.

An der Ortseinfahrt sollen Schilder bereits warnen, wenn die Parkplätze voll sind. Verkehrslotsen sind eingeteilt. In den Fußgängerzonen werden die Passanten darauf hingewiesen, rechts zu gehen. Die Läden weisen auf Masken und Abstandsgebote hin. „Alle Unternehmen sind sich ihrer Verantwortung bewusst“, sagte Tabbers. Venlo habe eine jahrzehntelange Tradition der Gastfreundschaft. Man wolle niemanden wegschicken. Aber wenn es zu voll werden sollte, würde man auch diesen Schritt wieder gehen müssen und die Innenstadt schlimmstenfalls sperren.

Geplante Lockerungen vorerst ausgesetzt

Die Niederlande haben angesichts anhaltend hoher Infektionszahlen geplante Lockerungen der Corona-Schutzmaßnahmen vorerst ausgesetzt. Die im Rahmen eines Öffnungsplans ab 11. Mai vorgesehenen Erleichterungen für Freiluftbereiche – darunter Zoos, Vergnügungsparks und Sporteinrichtungen – werden verschoben, beschloss die Regierung am Samstag. Wie die Nachrichtenagentur ANP berichtete, soll geprüft werden, ob sie ab dem 18. Mai möglich sind.

Die Regierung folgte damit dem Rat von Experten, die auf eine Zunahme der Corona-Patientenzahlen in den Krankenhäusern verwiesen. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag in den Niederlanden zuletzt deutlich über 300 und war damit etwa doppelt so hoch wie in Deutschland.

Lockerungen erfolgen in mehreren Schritten

Die Lockerungen in den Niederlanden erfolgen nach einem Öffnungsplan in mehreren Schritten. Der erste Öffnungsschritt ist bereits am 28. April in Kraft getreten. Seitdem dürfen Geschäfte wieder für alle Kunden ohne vorherige Terminvergabe öffnen – eine Kundenbegrenzung pro Geschäft kann es aber weiterhin geben.

Außerdem dürfen seit dem 28. April Restaurants und Cafés bis zu 50 Personen in ihrem Außenbereich bewirten. Es dürfen nicht mehr als 2 Personen an einem Tisch im Abstand von 1,5 Metern sitzen. Diese Begrenzung gilt jedoch nicht, wenn jeder am Tisch Teil desselben Haushalts ist oder wenn die Gruppe Kinder unter 13 Jahren umfasst. Die umstrittene Ausgangssperre wurde im ersten Öffnungsschritt abgeschafft.

Wegen besonders hoher Corona-Infektionszahlen in den Niederlanden stuft die Bundesregierung das Nachbarland als Hochinzidenzgebiet ein. Wer von dort nach Deutschland einreist, muss laut Angaben des Robert Koch-Instituts bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen können.

Die Polizei in Nordrhein-Westfalen überprüft seit Anfang April stichprobenartig Einreisende aus den Niederlanden aufgrund der Hochstufung des Landes zum Hochinzidenzgebiet. Seit dem 6. April müssen Einreisende beim Grenzübertritt einen Testnachweis vorzeigen können, der höchstens 48 Stunden alt sein darf.

Andersherum hat die Niederlande Deutschland ebenfalls als Risikogebiet eingestuft. Das hat für Einreisende besonders strenge Regeln zur Folge. Was gilt für Reisende, die in die Niederlande fahren wollen oder wieder zurück kommen? Und welche Corona-Regeln gelten vor Ort? Die wichtigsten Fragen und Antworten im Überblick.

Für welche Provinzen gelten die aktuellen Reisewarnungen?

In weiterhin allen Provinzen (Nordholland, Südholland, Utrecht, Nord Brabant, Groningen, Gelderland, Flevoland, Drenhe, Overijssel, Limburg, Zeeland und Friesland) liegen die Inzidenzen laut Auswärtigem Amt derzeit bei mehr als 50 Fällen pro 100.000 Einwohner auf sieben Tage. Das bedeutet, dass all diese Provinzen als Risikogebiet eingestuft worden sind.

Die bei Urlaubern besonders beliebte Provinz Zeeland gilt seit Mitte Oktober ebenfalls als Risikogebiet. Lange Zeit war das die einzige Provinz ohne Reisewarnung. Allerdings lässt sich ein positiver Trend feststellen, die Zahl der Neuinfektionen ist nicht mehr so hoch, wie sie es noch vor einigen Wochen war.

Durch die Einstufung der genannten Provinzen in Risikogebiete, sind auch die Großstädte Amsterdam, Den Haag und Rotterdam von den Reisewarnungen betroffen. Ebenfalls betroffen sind die Großstädte Alkmaar, Haarlem, Leiden, Dordrecht, Utrecht, Eindhoven und Nimwegen.

Ist die Einreise in die Niederlande von Deutschland aus beschränkt?

Nein, zwischen der Niederlande und Deutschland finden keine Grenzkontrollen statt. Die Einreise für Reisende aus Deutschland ist uneingeschränkt möglich. Generell gilt, dass Reisende aus Ländern, deren Gesundheitsrisiko gleich oder niedriger als das der Niederlande eingestuft ist, einreisen können. Deutschland ist als gleich eingestuft. Reisende, die mit dem Flugzeug in die Niederlande einreisen wollen, brauchen ein Gesundheitsformular der niederländischen Regierung.

Was gilt für Einreisende aus Deutschland in den Niederlanden?

Die Niederlande haben auch Deutschland zum Corona-Risikogebiet erklärt. Das hat Auswirkungen auf deutsche Touristen, die in die Niederlande einreisen wollen. In den Niederlanden angekommen, wird dringend empfohlen, sich in eine zehntägige Hausquarantäne zu begeben. Der negative Test, der für die Einreise in die Niederlande benötigt wird, ist kein Ersatz für die Quarantäne. Diese Regel gilt auch in Ferienunterkünften. Wer sich also nur zeitlich begrenzt in den Niederlanden aufhalten möchte, sollte bei der Reiseplanung die zehntägige Quarantäne einkalkulieren. Aktuell handelt es sich bei der Quarantäne um eine dringende Empfehlung, eine gesetzliche Pflicht soll aber demnächst kommen.

Am fünften Tag nach der Ankunft in den Niederlanden kann auch ohne Symptome ein Coronavirus-Test durchgeführt werden. Mit einem negativen Testergebnis kann die Selbstquarantäne beendet werden. Testtermine können telefonisch beim städtischen Gesundheitswesen (GGD) unter 0800 1202 (oder +31 850 659 063, von einem ausländischen Telefon aus) vereinbart werden. Auch online ist eine Terminvereinbarung möglich unter coronatest.nl. Der telefonische Termin kann im Voraus vereinbart werden, der Online-Termin jedoch erst am fünften Tag.

Seit dem 29. Dezember 2020 müssen alle Flugreisenden ab einem Alter von 13 Jahren beim Einchecken einen negativen PCR-Test vorweisen, wenn sie in die Niederlande fliegen wollen. Gleiches gilt für Reisende per Zug, Bus oder Schiff, die sich weiter als 30 km in das niederländische Inland begeben. Der Test darf nicht älter als 72 Stunden alt sein. Auch mit einem Schnelltest kann eine Einreise in die Niederlande gewährt werden. Die Zeit zwischen der Entnahme der Proben und dem Einsteigen in das Flugzeug oder die Fähre darf nicht mehr als 4 Stunden betragen. Das Testergebnis muss bekannt sein, bevor man an Bord geht.

Zusätzlich zur Testpflicht besteht zudem eine Anmeldepflicht für Einreisende aus den Niederlanden. Die Anmeldung muss vor Ankunft auf www.einreiseanmeldung.de erfolgen. Von der Anmeldepflicht sind Durchreisende und Aufenthalte unter 24 Stunden ausgenommen.

Ausnahmeregeln für Pendler in NRW

Für Pendler in NRW gibt es Ausnahmeregelungen: „Für Pendler, die die Grenze wegen ihres Berufs, ihres Studiums oder ihrer Ausbildung regelmäßig überqueren müssen, ist ein negativer Test 72 Stunden gültig, so dass sie sich bis zu zwei Mal in einer Arbeitswoche testen lassen müssen“, erklärt das Land NRW zu den Ausnahme-Regeln für NRW.

Ausgenommen von der Testpflicht sind kraft Bundesrechts Durchreisende sowie Transporteure, die weniger als 72 Stunden in Deutschland bleiben. Weitere Ausnahmen können beim zuständigen Gesundheitsamt beantragt werden.

Sind Tagesausflüge in die Niederlande aktuell möglich?

Theoretisch ja, es gilt aber auch hier die dringende Empfehlung, sich in eine zehntägige Quarantäne zu begeben. Diese Empfehlung gilt auch, wenn man nur zum Einkaufen einreist oder theoretisch sogar beim Tanken. Berufspendler und Personen, die aus triftigen Gründen in die Niederlande einreisen, sind von der Quarantäne ausgenommen. Das gilt beispielsweise auch für Schülerinnen und Schüler oder Studierende. Ausnahmen hat das niederländische Gesundheitsministerium auf seiner Internetseite aufgelistet.

Was passiert, wenn während des Aufenthalts Corona-Symptome auftreten?

Wenn während des Aufenthalts Symptome auftreten, muss man sich mit den örtlichen Gesundheitsbehörden in Verbindung setzen und einen Test mit dem städtischen Gesundheitsdienst (GGD) vereinbaren. Wenn der Test positiv ausfällt, muss man in Quarantäne und darf nicht reisen. Familienmitglieder oder Reisebegleiter müssen ebenfalls unter Quarantäne gestellt werden. Die Kosten für die Selbstquarantäne müssen selbst getragen werden. Wenn eine Unterkunft nicht für die Isolation/Quarantäne geeignet ist, hilft die GGD bei der Suche nach einem geeigneten Ort.

Was müssen deutsche Reiserückkehrer beachten?

Wer aus den Niederlanden nach Deutschland einreist, muss bereits bei der Einreise einen negativen Corona-Test vorweisen können. Die Quarantänepflicht von zehn Tagen mit der Möglichkeit, sich nach fünf Tagen mit einem zweiten Test zu befreien, bleibt unverändert. Für Pendler in NRW gibt es Ausnahmeregelungen. Ein negativer Test ist für sie 72 Stunden gültig, so dass sie sich zwei Mal die Woche testen lassen müssen. Anerkannt werden auch PoC-Schnelltests, die von medizinischem Personal durchgeführt wurden.

Die gleichen Regeln gelten für Menschen, die regelmäßig mehrmals pro Woche enge Familienangehörige (Verwandte 1. Grades, Ehegatte, Lebenspartner, Lebensgefährte, Kinder aufgrund geteilten Sorgerechts oder Umgangsrechts) auf der anderen Seite der Grenze besuchen. Analog zur Regelung für die Grenzpendler gilt in diesen Fällen ein negativer Test 72 Stunden, so dass in sechs Tagen zwei Tests notwendig sind.

Ausgenommen von der Testpflicht sind kraft Bundesrechts Durchreisende sowie Transporteure, die weniger als 72 Stunden in Deutschland bleiben. Weitere Ausnahmen können beim zuständigen Gesundheitsamt beantragt werden.

Welche Corona-Regeln gelten in den Niederlanden?

Seit dem 28. April gelten nicht mehr alle Regeln aus dem strengen Lockdown. Vor allem die oft kritisierte Ausgangssperre wurde wieder abgeschafft. Auch sonst gibt es an vielen Stellen Lockerungen – manche Regeln gelten aber weiterhin.

  • Kinos, Theater und Museen sind weiterhin geschlossen, ebenso wie Fitnessstudios und Schwimmbäder. Friseure sind seit dem 3. März wieder geöffnet.
  • Restaurants, Bars und Cafés dürfen Gäste im Außenbereich unter Auflagen bewirten. Sie dürfen aber nur von 12 bis 18 Uhr geöffnet sein und lediglich eine begrenzte Zahl von Gästen aufnehmen.
  • Hotels sind geöffnet, aber die Hotelrestaurants sind geschlossen und der Zimmerservice ist nicht verfügbar.
  • Bürger dürfen sich pro Tag nur mit zwei anderen Person aus einem Haushalt treffen.
  • Einkaufen in Geschäften im Einzelhandel ist wieder ohne vorherige Terminvergabe möglich. Die Anzahl der Kunden ist aber größtenteils noch begrenzt.
  • Veranstaltungen sind verboten.
  • Alkohol und Softdrugs (wie Cannabis) dürfen zwischen 20 Uhr und 7 Uhr nicht verkauft werden. Außerdem ist es nicht erlaubt, zwischen 20 Uhr und 7 Uhr Alkohol im Freien mit sich zu führen oder im öffentlichen Raum zu konsumieren.

Außerdem ist das Tragen einer Maske in öffentlichen Innenräumen und in öffentlichen Verkehrsmitteln verpflichtend. Auch überdachte Parkplätze sowie Tankstellen gehören dazu. Die Maskenpflicht gilt für alle Personen ab 13 Jahren. Bei Missachtung droht eine Geldstrafe von 95 Euro.

Können Touristen gebuchte Reisen in die Provinzen stornieren?

In der Regel schon. Ob und wie viel Geld man zurück bekommt, hängt von der Art der Reisebuchung ab. Bei Pauschalreisen in Regionen, die als Risikogebiet eingestuft worden sind, ist eine kostenfreie Stornierung möglich. Es besteht ein Anspruch auf eine Erstattung des Reisepreises.

Anders sieht es aus, wenn die Unterkünfte und Verbindungen selbst zusammengestellt und gebucht worden sind. Dann muss man auf Kulanz der Anbieter hoffen. Da auf viele Niederlande-Touristen die zweite Variante zutrifft, gestalten sich die Stornierungen generell als schwierig.

mit dpa

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Studium der Germanistik und Geschichtswissenschaften in Düsseldorf. Nach freier Mitarbeit bei verschiedenen Medien im Rheinland nun seit 2018 für die Ruhr Nachrichten im Ruhrgebiet unterwegs. Ist als Volontär für verschiedene Redaktionen tätig, immer auf der Suche nach spannenden Themen.
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