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Coronavirus

Booster-Impfung in NRW: Was man jetzt zu Johnson & Johnson, Boostern und Co wissen muss

Die Corona-Zahlen explodieren, es gibt Impfdurchbrüche. Und zuletzt auch viele verwirrende Nachrichten. Was jetzt zum Thema Impfen und Boostern wichtig ist, erklären wir hier in 4 Punkten.

Mehr als 50.000 neue Corona-Fälle an einem Tag. Die Krankenhäuser füllen sich mit immer mehr Covid-19-Patientinnen und Patienten. Die Diskussion um wieder deutlich verschärfte Regeln für Ungeimpfte ist in vollem Gange. Doch auch bei den Impfungen gibt es große Unsicherheiten und immer neue Gerüchte. In vier Punkten liefern wir Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Die Ständige Impfkommission hat am 10. November die Empfehlung ausgesprochen, dass Menschen unter 30 Jahren grundsätzlich nur noch mit dem Biontech-Serum geimpft werden sollen und nicht mehr mit Moderna. Auch wenn zuvor ein anderer Impfstoff verwendet wurde, sollen die weiteren Impfungen mit Biontech erfolgen.

1. Ist der Impfstoff von Moderna gefährlich?

Das klingt besorgniserregend, aber: Generell können bei den mRNA-Impfstoffen in sehr seltenen Fällen Herzmuskel- oder Herzbeutelentzündungen auftreten, die in aller Regel aber mild verlaufen. Das gilt für Biontech genauso wie für Moderna. Inzwischen, so die Stiko, habe sich aber gezeigt, dass bei jüngeren Menschen eine solche Nebenwirkung nach einer Impfung mit Moderna häufiger auftritt als nach einer Impfung mit Biontech. Bei den Menschen über 30 gibt es dagegen kein erhöhtes Risiko nach einer Moderna-Impfung.

2. Wann muss ich mich nach einer Impfung mit Johnson & Johnson erneut impfen lassen und warum?

Anfang Oktober empfahl die Stiko, dass Menschen, die sich mit Johnson & Johnson haben impfen lassen, doch eine Auffrischungsimpfung benötigen. Ursprünglich war man davon ausgegangen, dass bei diesem Vakzin nur eine Impfdosis für eine vollständige Immunisierung ausreicht.

Im Laufe der Monate zeigte sich allerdings, dass die meisten Impfdurchbrüche – gemessen an der Zahl der verabreichten Impfdosen – bei Menschen zu verzeichnen waren, die das Präparat von Johnson & Johnson erhalten hatten.

Für Privatdozent Dr. Bernhard Schaaf, Chef der Lungenklinik Dortmund, war das keine Überraschung. Das Serum sei ja für den Kampf gegen den „Wildtyp“ des Coronavirus entwickelt worden. „Inzwischen gibt es aber das Deltavirus. Das ist doppelt so ansteckend. Das ist für Ungeimpfte ein Problem“, sagt Schaaf im Gespräch mit unserer Redaktion.

Es sei aber auch doppelt so gefährlich wie das Ursprungsvirus, sagt Schaaf und: „Das heißt, dass die Mortalität, die Sterblichkeit, doppelt so hoch ist.“ Und zugleich wirke die Impfung nicht so gut wie die anderen zur Verfügung stehenden Impfstoffe. Daher sei es auf jeden Fall notwendig, sich ein zweites Mal mit einem mRNA-Impfstoff, also Biontech oder Moderna, impfen zu lassen.

Dabei stellte die Stiko klar, dass man nicht sechs Monate nach der Erstimpfung mit Johnson & Johnson auf die Zweitimpfung mit Biontech oder Moderna warten müsse, sondern diese bereits nach vier Wochen verabreicht werden könne. Dieser Hinweis ist wichtig, weil sich diese verkürzte Frist noch nicht bis zu allen Ärztinnen und Ärzten herumgesprochen hat.

3. Wann darf und sollte ich eine Auffrischungs-, eine Booster-Impfung erhalten?

Die Stiko schreibt: „Generell schützen die Covid-19-Impfstoffe effektiv und anhaltend vor schweren Erkrankungen und Tod durch Covid-19.“ Die Impfung schütze auch gut davor, sich überhaupt mit dem Coronavirus zu infizieren. Das reduziere auch das Übertragungsrisiko von Geimpften auf deren Kontaktpersonen. „Allerdings“, so die Stiko, „zeigt sich, dass der Impfschutz mit der Zeit insbesondere in Bezug auf die Verhinderung asymptomatischer Infektionen und milder Krankheitsverläufe nachlässt.“

Zudem falle im höheren Alter die Immunantwort nach der Impfung insgesamt geringer aus und Impfdurchbrüche könnten häufiger auch zu einem schweren Krankheitsverlauf führen. Deshalb empfiehlt die Stiko bereits seit einiger Zeit Auffrischungsimpfungen für über 70-Jährige sowie für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen.

Diese Booster-Impfung solle sechs Monate nach der zweiten Impfung erfolgen. Nach dem Stand vom 11. November haben inzwischen in Deutschland 3,3 Millionen Menschen eine Auffrischungsimpfung erhalten. 9,9 Prozent der über 60-Jährigen sind dreifach geimpft.

Lungen-Spezialist Dr. Bernhard Schaaf sagt im Redaktionsgespräch zur 6-Monats-Frist, dass diese zwar richtig sei, er aber keine Probleme sehe, gerade vor dem beginnenden Winter besonders auch sehr alten Menschen schon nach vier Monaten eine Auffrischungsimpfung zu geben.

Die Booster-Impfungen erfolgen über die niedergelassenen Ärzte, die Betriebsärzte sowie die in den Kreisen und kreisfreien Städten besonders vorgehaltenen Anlaufstellen. Die Impfzentren wurden ja bis Ende September geschlossene, allerdings wurden in jedem Kreis koordinierende Impfeinheiten aufgestellt, die bei Bedarf weitere Impfangebote bereitstellen.

Die Gesundheitsminister von Bund und Länder haben sich Anfang November darauf geeinigt, dass man abseits der Stiko-Empfehlung allen Menschen Booster-Impfungen anbieten wird.

Seit dem 17. September empfiehlt die Ständige Impfkommission auch die Impfung allen noch ungeimpften Schwangeren ab dem zweiten Drittel der Schwangerschaft sowie allen Stillenden. Dabei solle nur Biontech geimpft werden. Die zweite Impfung solle drei bis sechs Wochen nach der Erstimpfung erfolgen. Ursprünglich hatte die Stiko auch eine Impfung mit Moderna empfohlen. Das aber hat sie inzwischen zurückgenommen.

4. Was ist mit schwangeren und stillenden Frauen?

Die Stiko hatte lange Zeit mit einer Empfehlung gezögert, da zunächst nicht genügend Daten vorlagen. Inzwischen steht aber fest, dass nach einer Impfung weder bei Schwangeren und Stillenden noch bei den ungeborenen Kinder beziehungsweise den Säuglingen schwere Nebenwirkungen gehäuft auftreten. Im Gegenzug steht allerdings fest, dass Schwangere und Stillende sehr schwer an Covid-19 erkranken können. In Nordrhein-Westfalen gab es gleich mehrere solcher tragischen Todesfälle.

Über den Autor
Redakteur
Ulrich Breulmann, Jahrgang 1962, ist Diplom-Theologe. Nach seinem Volontariat arbeitete er zunächst sechseinhalb Jahre in der Stadtredaktion Dortmund der Ruhr Nachrichten, bevor er als Redaktionsleiter in verschiedenen Städten des Münsterlandes und in Dortmund eingesetzt war. Seit Dezember 2019 ist er als Investigativ-Reporter im Einsatz.
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