Weitgehender Impf-Stopp in NRW wegen Lieferverzögerungen

Die Kommunen stehen mit den Impfzentren in den Startlöchern und in den Krankenhäusern warten viele Ärzte und Pfleger auf ihre Impfung. Lieferverzögerungen beim Impfstoff-Hersteller machen die Planungen zu Nichte. Mit Moderna-Impfstoff kann das nicht ausgeglichen werden.
Eine Corona-Schutzimpfung wird in einem Impfzentrum vorbereitet. Foto: Patrick Pleul/dpa-Zentralbild/dpa

Die Impfungen gegen Corona müssen wegen Lieferverzögerungen des Herstellers Biontech in Nordrhein-Westfalen vorerst weitgehend pausieren. Das bevölkerungsreichste Bundesland bekommt nach Angaben von Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) in den kommenden Tagen 100 000 Impfdosen weniger als von Biontech zugesagt. Bei der üblichen Rücklage der Hälfte der Lieferungen für die spätere zweite Impfung der Empfänger entspricht das rein rechnerisch eine erst spätere Impfmöglichkeit für 50 000 Menschen.

Das Gesundheitsministerium hat am Mittwoch einen Stopp für die zu Wochenbeginn gestartete Impfaktion an den Krankenhäusern verhängt, die den Biontech-Impfstoff bekommen sollten. Auch in Altenheimen können demnach vorerst keine weiteren Erstimpfungen von Bewohnern und Mitarbeitern mit dem Impfstoff von Biontech stattfinden. Die SPD im Landtag wirft Laumann vor, mit den „klammheimlich“ eingestellten Erstimpfungen das Vertrauen in die Impfstrategie des Landes zu gefährden. Angesichts der Kehrtwende sei der „großangelegte PR-Termin zum Start der Impfkampagne“ in Kliniken irreführend gewesen.

Wegen der Lieferverzögerung verschiebt NRW nach Angaben vom Mittwoch auch den Impf-Start für zu Hause lebende Über-80-Jährige. Die 53 Impfzentren sollen ihren Betrieb nun erst am 8. Februar aufnehmen – eine Woche später als geplant. „Die Menge des Impfstoffes bestimmt das Tempo“, erklärte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) am Mittwochabend im Landtag in einer mehrstündigen Ausschuss-Anhörung.

Gesundheitsstaatssekretär Edmund Heller geht davon aus, dass die Lieferverzögerungen beim Impfstoff-Hersteller Biontech bis zum Ende des ersten Quartals wieder aufgeholt sein werden. Ab etwa Mitte Februar werde von mehr Biontech-Impfstoff ausgegangen, erklärte er.

Die relativ kleinen Impfstoff-Lieferungen von Moderna könnten die Verzögerungen bei Biontech nicht ausgleichen, schilderte Laumann. Nach der ersten Tranche von rund 13 000 Dosen würden in der nächsten Woche weitere 19 000 Dosen von Moderna im Bundesland erwartet. Um Verwechslungen auszuschließen, gehe der Moderna-Impfstoff vorerst weiter nur an die Mitarbeiter der Unikliniken. Für die Unikliniken gilt der Impfstopp nach Darstellung des Ministeriums derzeit nicht.

Der Gesundheitsminister geht davon aus, dass der weitere Biontech-Impfstoff in der ersten Februar-Woche für übrige Erstimpfungen in den Altenheimen und für Mitarbeiter der Krankenhäuser von NRW vergeben werden könne. Die Zweitimpfungen in den Altenheimen mit dem Biontech-Impfstoff gingen hingegen weiter, weil die zweite Impfdosis in der Regel zurückgelegt worden sei.

Die Vergabe der Impftermine an die Über-80-Jährigen, die zu Hause wohnen, soll wie geplant am 25. Januar starten und das mit einer hohen Termin-Anzahl. Laumann sprach von 420 000 Terminen ab dem 8. Februar. Auch der Buchungszeitraum sei mit acht Wochen für die Impfungen groß. Der Minister appellierte nach den Erfahrungen in anderen Bundesländern, dabei möglichst den Online-Weg zu wählen.

Ein Teil der Termine werde für die Vergabe an den Telefon-Hotlines reserviert, bei denen es bei vielen Anrufen zu Engpässen kommen könne. 1000 Mitarbeiter in Call-Centern stünden zur Verfügung.

In der Debatte um bessere Fahrmöglichkeiten zu den Impfzentren und Taxi-Gutscheine für ältere Menschen setzt Laumann auf kommunale Lösungen wie auf Hilfe aus dem Familienkreis. Die Frage, wie man das in der Region löst, sei mit vertretbaren Kosten nicht durch das Land zu beantworten. „Das ist nicht nur eine Aufgabe von staatlichen Organisationen“, sagte er mit Verweis auch auf die Familien.

Um schneller an Erkenntnisse über eine mögliche Ausbreitung von Virusmutationen zu kommen, wies Laumann die Gesundheitsämter an, positive Corona-Tests auf der deutschen Seite der Grenze zu den Niederlanden entsprechend zu untersuchen. In dem Nachbarland sei bei zehn Prozent der Corona-Infizierten das mutierte Coronavirus nachgewiesen worden. Die in England oder Südafrika nachgewiesenen Mutationen gelten Experten zufolge als infektiöser als bisherige Formen. Laut Laumann gibt es bislang in NRW 15 nachgewiesene Fälle.

Lesen Sie jetzt