Stiftung Patientenschutz kritisiert zu laxe Pharma-Verträge

Nach dem Impf-Stopp in Nordrhein-Westfalen hat die Deutsche Stiftung Patientenschutz die Verträge der Politik mit der Pharmaindustrie als zu lax kritisiert. „Es geht da um ein knallhartes Geschäft“, sagte Vorstand Eugen Brysch am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Nicht nur das bevölkerungsreichste Bundesland NRW und Deutschland, sondern ganz Europa sei überrascht worden, dass der Hersteller Biontech kurzzeitig die Menge drossele.

Es habe mit der Pharmaindustrie keine Verhandlungen auf Augenhöhe gegeben. Die Politik habe mit dem Rücken zur Wand gestanden, weil sie den Menschen ein Ergebnis liefern wollte, beschrieb Brysch. Das sei zum Teil den Umständen in der Corona-Pandemie geschuldet gewesen. Es habe aber auch Möglichkeiten gegeben: „Wenn man Forschungsgelder in Höhe von mehreren Hundert Millionen Euro vergibt, da wäre die Chance gewesen, mehr Verbindlichkeit rein zu bekommen“, verdeutlichte er.

Für die Patienten, die dringend auf die Impfung warteten, sei der vorläufige Impf-Stopp in NRW ein fatales Signal. „Das ist absolut grauenhaft“, meint er. Er verwies darauf, dass bundesweit Millionen Pflegebedürftige zu Hause von ihre Angehörigen gepflegt werden.

NRW hatte am Mittwoch einen Impf-Stopp wegen Lieferverzögerungen für die Krankenhäuser verhängt, die die Biontech-Impfungen zum Schutz ihrer besonders gefährdeten Mitarbeiter erhalten sollten. Auch in den Pflegeheimen können deshalb vorerst keine weiteren Erstimpfungen erfolgen. Brysch lobte, dass in NRW weiterhin die Hälfte der Impfstoff-Lieferungen für die zweite Spritze zurückgelegt wird. Es wäre hochgefährlich, die gesamte Menge für Erstimpfungen zu nehmen.

© dpa-infocom, dpa:210121-99-116036/2

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