Zweiter toter Arbeiter nach Hauseinsturz identifiziert

Die Feuerwehr ist abgezogen, jetzt haben die Ermittler das Heft in der Hand. Eine aufwendige Beweissicherung steht bevor. Und die Staatsanwaltschaft sagt gleich: Es wird mehrere Wochen dauern.

30.07.2020, 15:11 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach dem Hauseinsturz mit zwei Toten in Düsseldorf rückt die Suche nach der Ursache des Unglücks in den Vordergrund. Der in einem Hinterhof gelegene Einsturzort sei an Polizei und Staatsanwaltschaft übergeben worden, erklärten die Ermittler am Donnerstag. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf ermittelt gegen Unbekannt wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung und Baugefährdung. Es werde nun um Beweissicherung gehen. „Das wird mit Sicherheit einige Wochen dauern“, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft. Die einzelnen Gebäudeteile würden abgetragen.

Die beiden vermissten Arbeiter waren erst am Mittwochabend aus dem Schutt des Teileinsturzes tot geborgen worden. Nach einer DNA-Analyse stand am Donnerstag fest, dass es sich bei einem der Männer um einen vermissten 39-Jährigen aus Duisburg handelte. Der zweite Tote war bereits am Mittwoch als 35-Jähriger aus Wuppertal identifiziert worden.

Die Feuerwehr, die an vier Einsatztagen zeitweise mit 70 Mann am Unglücksort gewesen war, baute am Donnerstag ihre Gerätschaften ab. Die zunächst evakuierten Nachbarhäuser und das angrenzende Parkhaus seien wieder freigegeben, erklärte die Staatsanwaltschaft. 40 Menschen hatte ihre Wohnungen verlassen müssen.

Das leerstehende Haus in einem Hinterhof in der Nähe der Königsallee war am Montagmittag bei Sanierungsarbeiten teilweise eingestürzt. Im Innenhof türmte sich ein meterhoher Berg aus Mauerstücken, Gerüstteilen, Holz und Geröll, in dem auch mit Hilfe eines Krans und technischem Gerät fieberhaft nach den Vermissten gesucht worden war.

„Es sind umfangreiche Ermittlungen durchzuführen“, erklärte die Staatsanwaltschaft. Bei der Stadt seien Unterlagen sichergestellt worden, die das Genehmigungsverfahren für die Bauarbeiten betreffen. Bereits einen Tag nach dem Unglück hatte die Stadt Düsseldorf mitgeteilt, dass es für Arbeiten an dem eingestürzten Haus noch keine Baufreigabe gegeben habe. Die Baugenehmigung sei zwar am Montag - das war auch der Tag des Einsturzes - erteilt worden, damit sei aber noch keine Freigabe der Bauarbeiten verbunden gewesen. Es fehlte nämlich noch ein Standsicherheitsnachweis vom Bauherrn.

Der Antrag für die Sanierung des fünfstöckigen Anbaus sei im Februar 2020 eingereicht worden, berichtete die Stadt. Dabei sei es auch um den Umbau einer tragenden Wand gegangen. Dem Architekturbüro sei im Genehmigungsverfahren „mehrfach die Gelegenheit zu Nachbesserungen der Pläne gegeben“ worden, betonte die Stadt.

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