Zwei Selmer wegen Corona-Ausbruch bei Tönnies in Quarantäne

Coronavirus

Zwei Menschen aus Selm befinden sich wegen des Corona-Ausbruchs beim Fleischbetrieb Tönnies in Quarantäne, im gesamten Kreis sind es derzeit 29. Erste Auswirkungen hat das schon.

Selm

, 23.06.2020, 15:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Eigentlich sind Selm und Rheda-Wiedenbrück mehr als 70 Kilometer voneinander entfernt. Die Ereignisse bei Tönnies haben nun aber auch Auswirkungen auf Selmer Bürger.

Eigentlich sind Selm und Rheda-Wiedenbrück mehr als 70 Kilometer voneinander entfernt. Die Ereignisse bei Tönnies haben nun aber auch Auswirkungen auf Selmer Bürger. © Grafik: Martin Klose

So fern und doch so nah. Etwa 75 Kilometer liegen zwischen Selm und der Stadt Rheda-Wiedenbrück, wo die Fleischfirma Tönnies ihren Sitz hat. Und doch hat der massive Corona-Ausbruch dort auch Konsequenzen für Bürger aus Selm und weitere Menschen aus dem Kreis Unna.

Mehr als 1550 Beschäftigte von Tönnies haben sich bisher mit dem Virus infiziert. Wie der Kreis am Dienstag mitteilt sind aus Selm mindestens zwei Tönnies-Mitarbeiter betroffen.

Zwei Ordnungsverfügungen zugestellt

Die Stadt Selm hat bislang zwei Ordnungsverfügungen für die Quarantäne zugestellt, wie Stadtsprecher Malte Woesmann auf Anfrage sagt. Das ist auch die Zahl der Mitarbeiter, die dem Kreis aktuell bekannt sind, wie Kreissprecherin Constanze Rauert auf Anfrage mitteilt. Für die Kontrolle, ob die Quarantäne-Auflagen erfüllt werden, ist ebenfalls die Stadt zuständig. „Dies wird in der Regel stichprobenartig kontrolliert“, erklärt Woesmann.

Für die Mitarbeiter wurde eine 14-tägige Quarantäne verhängt. Für Kontaktpersonen, die im selben Haushalt leben, gilt eine freiwillige Quarantäne, die aber „dringend empfohlen wird“, wie Uwe Hasche, Krisenstabs-Leiter und Gesundheitsdezernent beim Kreis, bereits am Montag sagte. Zudem hatte der Kreis Mitarbeiter aufgerufen, sich auch selbstständig zu melden, da die Listen, die aus Rheda-Wiedenbrück übermittelt worden seien, teilweise unvollständig oder gar fehlerhaft gewesen seien. Laut aktuellen Erkenntnissen wohnen 33 Beschäftigte von Tönnies im Kreis Unna, wie der Kreis am Dienstag mitteilte. 29 von ihnen stehen unter Quarantäne.

„Eine höchstgefährliche Geschichte“

Es sei „höchst bedenklich, dass wir verschiedenste Neuinfektionen zu verzeichnen haben“, sagte Hache. Er habe durchaus die Sorge, dass auch der ein oder andere schon geplante Sommerurlaub deshalb ins Wasser fallen könne. „Das Coronavirus ist eine höchstgefährliche Geschichte“, so der Dezernent. Aus diesem Grund rief er die Menschen im Kreis auf, sich weiterhin an die bestehenden Regeln: Abstand halten, Hygieneregeln beachten und Mund-Nasenschutz Tragen zu halten.

Mit Stand vom Dienstag sind seit dem 1. März 2020 insgesamt 737 Menschen im Kreis Unna positiv getestet worden. Davon sind 38 verstorben. Im Vergleich zum Montag sind also noch einmal fünf neue Infektionen hinzugekommen. Aus Selm ist keine neue Infizierung bekannt, damit bleibt es für die Stadt bei 57 Infektionen.

Konsequente Einhaltung

In Bezug auf den gesamten Kreis ist sich der Landrat Michael Makiolla aber sicher: „Hätten sich die Menschen in den vergangenen Wochen nicht so diszipliniert an die vorgeschriebenen Kontaktbeschränkungen und Hygieneregeln gehalten, dann läge die Anzahl der schwer Erkrankten und der Todesfälle mit Sicherheit deutlich höher“, so Michael Makiolla in einer Rede vor dem Kreistag am Dienstag.

Konsequenzen zieht der Kreis aus den neuen Infektionen aber trotzdem: Die Krankenhäuser im Kreis werden in Abstimmung mit der Gesundheitsbehörde ihre Türen für Besucher bis einschließlich 31. August grundsätzlich weiter geschlossen halten. Eigentlich sollte ab 30. Juni eine vorsichtige Öffnung beginnen.

Selbst für Güterslohs Nachbarkreis Warendorf hat der Ausbruch nun Konsequenzen. Die Behörden verhängten dort am Dienstag weitere Einschränkungen. Selbst im Kreis Gütersloh hat das Land NRW erst am Dienstag einen Lockdown angekündigt. Er gilt ab Mittwoch für eine Woche.

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