Zwei Jahre nach Rückkehr der Wölfe: Erstmals Nachwuchs in NRW gesichtet

Tiere

Die Nachweise von Wölfen nehmen zu. Nun gibt es aus NRW erstmals Bilder, die Junge zeigen. Wo genau die Fotos gemacht wurden, wird nicht gesagt. Denn Menschen sollen sich unbedingt fernhalten.

Eitorf

22.07.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Im Süden von NRW wurden erstmals seit der Rückkehr der Wölfe ins Land Junge gesichtet. (Symbolbild)

Im Süden von NRW wurden erstmals seit der Rückkehr der Wölfe ins Land Junge gesichtet. (Symbolbild) © picture alliance / Enzo Franchin

Zwei Jahre nachdem sich einzelne Wölfe in Nordrhein-Westfalen angesiedelt haben, gibt es erstmals Wolfsnachwuchs. Junge Wölfe seien in der Gemeinde Eitorf im Rhein-Sieg-Kreis mit einer Kamera aufgenommen worden, teilte das Landesumweltamt Lanuv am Dienstag mit. Es gebe von dort auch das Foto einer Wölfin mit Zitzen, die wohl die Mutter der jungen Wölfin ist. Damit sei der erste Wolfsnachwuchs in Nordrhein-Westfalen im Rhein-Sieg-Kreis im Süden von NRW bestätigt.

Die Region liegt in einem Ende 2019 ausgewiesenen Wolfsverdachtsgebiet. Wo und von wem die Bilder der jungen Wölfe und der Mutter aufgenommen wurde, wollte das Landesumweltamt ausdrücklich nicht mitteilen. Auch die Fotos wurden nicht veröffentlicht. Aus Artenschutzgründen solle jede Art von Tourismus zu den streng geschützten Tieren vermieden werden. „Der Kontakt zu Menschen muss so gering wie möglich gehalten werden“, sagte Lanuv-Sprecher Wilhelm Deitermann.

Die Gemeinde Eitorf liegt im bewaldeten Süden des Bergischen Lands an der Landesgrenze zu Rheinland-Pfalz. „Es wird ein weiteres Wolfsgebiet dort geben“, kündigte der Sprecher an. Trotz der dichten Besiedelung und der vergleichsweise ungünstigen Lebensbedingungen in Nordrhein-Westfalen hat sich das streng geschützte Wildtier seit dem ersten Nachweis im Jahr 2009 immer öfter blicken lassen.

In diesem Jahr zählte das Lanuv bereits 24 gesicherte Nachweise

Bislang gibt es in NRW drei Gebiete mit standorttreuen Wölfen. Sie liegen weit voneinander entfernt in der Region Schermbeck im Norden des Ruhrgebiets, dem Hohen Venn in der Eifel und in der Senne bei Bielefeld. Ein Anzeichen für die Ausbreitung sind die zahlreichen Belege für die Anwesenheit der wild lebenden Tiere. In diesem Jahr zählte das Lanuv bereits 24 gesicherte Nachweise, unter anderem am Niederrhein, im Kreis Minden-Lübbecke, in Bottrop und im Münsterland.

Darunter sind Spuren, die ortsfeste Wölfe hinterlassen haben, aber auch solche von unbekannten, durchziehenden Tieren. Denn junge Wölfe wandern aus ihrem Rudel ab und müssen alleine zurechtkommen. Beim Nachweis aus dem Rhein-Sieg-Kreis fehlt ein gemeinsames Foto von Mutter und Jungen, auch gibt es noch kein Hinweis auf den Rüden. „Aktuell werden durch das Lanuv weitere Hinweise aus dem Rhein-Sieg-Kreis überprüft und bewertet“, erklärte das Landesumweltamt. Dann könnte auch eine Verbindung zum benachbarten Rheinland-Pfalz ins Spiel kommen.

Nabu fordert noch mehr Unterstützung der Weidetierhalter

Dort lebt im Landkreis Neuwied eine Wölfin mit Jungen. Nach Ansicht von Katharina Stenglein, der Wolfsexpertin des Naturschutzbundes Nabu, könnte es eine Verbindung geben: Es könnte sein, dass der „Rendezvousplatz“, an dem die Welpen großgezogen werden, in NRW liegt, es sich aber um die Wölfin aus Rheinland-Pfalz handelt. „Das sind aber alles Spekulationen. Es ist auch möglich, dass es sich um ganz andere Elterntiere handelt“, schränkte Stenglein ein. Das Monitoring des Landes und eine Analyse der DNA sollen Klarheit bringen.

Das Auftauchen des Wolfs könnte auch Konflikte bringen. Vor allem die Wölfin in der Region Schermbeck hat immer wieder zum Unmut von Bauern und Schäfern Tiere auf Weiden getötet. Einen Antrag auf Entnahme - also Abschuss - hat der Kreis Wesel abgelehnt. Im Frühjahr jagte die Wölfin zusammen mit einem männlichen Wolf einen Rothirsch. Inzwischen hat eine DNA-Analyse gezeigt, dass beide Wölfe aus dem gleichen Rudel aus Niedersachsen stammen, also Geschwister sind. Der Nabu forderte noch mehr Unterstützung der Weidetierhalter, unter anderem durch eine Finanzierung der Arbeitskosten für den aufwendigen Bau von Zäunen, die Wölfe nicht überwinden können.

dpa

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