Wunschbaum in Selm: Weihnachtsgeschenke für 400 Kinder in Not

dzAktion startet

Corona hat die Geldsorgen vieler Familien zusätzlich verschärft. Damit 400 Selmer Kinder dennoch ein Weihnachtsgeschenk bekommen, gibt es eine Aktion, die jeder unterstützen kann.

Selm

, 15.11.2020, 13:10 Uhr / Lesedauer: 2 min

„In den alten Zeiten, in denen das Wünschen noch geholfen hat.“ Mit diesem Satz beginnt das Grimmsche Märchen vom Froschkönig: Es war einmal. Hilft es heute also nicht mehr zu wünschen? Margret Banken-Konrad vom Caritasverband widerspricht entschieden. Sie ist Initiatorin des Wunschbaum-Projekts.

Wünsche im Wert von bis zu 25 Euro

An einem Baum hängen goldene Sterne. Jeder Stern trägt auf der einen Seite eine Nummer und auf der anderen Seite einen Wunsch: Stifte für einen Achtjährigen, Puppenkleidung für eine Fünfjährige, ein Drogerie-Gutschein für einen 16-Jährigen und so weiter. Damit diese Wünsche in Erfüllung gehen - alle entsprechen einem Geldwert von etwa 20 bis 25 Euro - , braucht es allerdings keines sprechenden Frosches oder anderer märchenhafter Wesen. Jeder ist aufgerufen, dabei zu helfen. Ein Besuch im Geschäft Spielen und Träumen in der Selmer Altstadt ist der erste Schritt. Dort steht der Wunschbaum mit den goldenen Sternen.

Der Wunschbaum: 400 Sterne gibt es insgesamt. Sie werden nach und nach an den Baum gehängt und - so hoffen die Initiatoren - abgeholt.

Der Wunschbaum: 400 Sterne gibt es insgesamt. Sie werden nach und nach an den Baum gehängt und - so hoffen die Initiatoren - abgeholt. © Sylvia vom Hofe

„Wir machen das zum dritten Mal“, sagt Margret Banken-Konrad. „Wir“, damit meint sie den Caritasverband Lünen-Selm-Werne, den Verein „Ganz Selm“, der für die Betreuung der Selmer Kinder im offenen Ganztag zuständig ist. Aus ihrer täglichen Arbeit wissen sowohl die OGS-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter auch auch das Team der Caritas-Familienhilfe und die Migrationsberatung, welche Familien bedürftig sind. Wer seinen Kindern kein Weihnachtsgeschenk besorgen kann. „Ich kenne einen Fall, wo das Geschenk vom Wunschbaum im vergangenen Jahr tatsächlich das einzige Geschenk für ein Kind war“, sagt Manuela Elvhage, Sozialpädagogin beim Caritas-Verband. Aber das sei bestimmt kein Einzelfall.

Jedes fünfte Kind in Deutschland ist arm

Seit Jahren ist Kinderarmut eine der größten gesellschaftlichen Herausforderungen in ganz Deutschland. Ein Fünftel der Kinder sind nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung bundesweit betroffen. Das deckt sich mit dem Wert für den Kreis Unna. In Dortmund ist es sogar fast jedes dritten Kind. Laut Bertelsmann-Stiftung hat es damit im 2020 bundesweiten Durchschnitt keine grundlegende Verbesserung gegeben. Im Gegenteil: Die Corona-Krise drohe, das Problem der Kinderarmut zu verschärfen.

Als Lisa Sandmann vom Geschäft Spielen und Träumen 2018 davon der Aktion Wunschbaum hörte, die es damals schon seit sechs Jahren in Lünen gab, war sie gleich begeistert. Wer in ihr Geschäft an der Ludgeristraße kommt, kann einen Stern aussuchen und mitnehmen - auch ohne bei ihr etwas einzukaufen. Bis zu Beginn der Weihnachtsferien - in diesem Jahr der 18. Dezember, wegen Corona zwei Tage früher als ursprünglich geplant - seien die dort notierten Wünsche zu erfüllen.

Spender und Empfänger bleiben anonym

Die Spenderinnen und Spender würden gebeten, das Geschenk selbst zu verpacken und gerne auch mit einem Brief zu versehen. Dabei blieben die Absender aber genauso anonym wie die Empfänger, betonen die Organisatorinnen. „Noch nie“, sagt Lisa Sandmann, sei ein Stern nicht mit dem passenden Geschenk zurückgebracht worden. Im Gegenteil: „Oft wird noch mehr dazu gepackt als sich das jeweilige Kind gewünscht hat.“

400 Sterne stehen zur Auswahl

Die Bedürftigkeit wächst, die Spendenbereitschaft auch: Angefangen hat die Selmer Wunschbaum-Aktion mit 100 Sternen. Im vergangenen Jahr waren es 250. Und dieses Jahr sind es 400. Die Hälfte davon übernimmt das Selmer Unternehmen Interhydraulik, das von Anfang an die Aktion unterstützt hat.

Wie kommen Jedes Jahr die Wünsche auf die Sterne? Die Kinder in der Gruppenbetreuung zu fragen mit dem Hinweis, dass ihre Eltern bedürftig seien, kommt nicht in Frage. „Wir sprechen von einer Tombola“, sagt Birgit Kalender von der Ganztagsbetreuung von Ganz Selm. Bei der könnten eben nur die Namen einiger Kinder gezogen werden. Es sei eben Glückssache dabei zu sein. Dass dies gerade denen zuteil wird, deren Familien sonst nicht vom Glück begünstigt sind, falle dabei nicht auf.

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