Wohnungen für Polizeischüler: Wie lässt sich das Problem lösen in Bork?

dzKommunalwahl 2020

Von Politik und Verwaltung im Stich gelassen fühlen sich die Familien, die gegen das Wohnraumproblem in Bork kämpfen. Die Bewerber ums Bürgermeisteramt signalisieren Hilfsbereitschaft.

Bork

, 14.08.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

„Vollmöblierte Wohnung auf Zeit, Handtücher und Bettwäsche inklusive.“ Solche Angebote für Bork gibt es viele auf den Immobilienportalen. Die Ferienwohnungen richten sich an Menschen, die arbeiten und sich weiter bilden: Kommissaranwärterinnen und -anwärter der LAFP.

Den Polizeischülern bieten sie Unterkunft während ihrer Schulungsphasen im Landesamt für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten der Polizei (LAFP), den Vermietern ein lukratives Einkommen, denn die Wohnungen werden für rund 15 Euro pro Tag vermietet. Mit normalem Wohnen habe das nichts mehr zu tun, meinen die Mitglieder der Interessengemeinschaft Am Alten Teich. Mit einem Wohngebiet auch nicht.

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Ideen der sechs Bewerber fürs das Bürgermeisteramt

Sowohl die Stadtverwaltung Selm als auch das Verwaltungsgericht Gelsenkirchen sehen das anders. Die sechs Bewerber um das Bürgermeisteramt signalisierten dagegen während der Kandidatenrunde der Ruhr Nachrichten am Mittwoch (12. 8.) Verständnis und Hilfsbereitschaft - und unterschiedlich Ideen.

Der Vermieter entscheide nach den möglichen Einnahmen, sagte Ralf Piekenbrock (Familienpartei). „Wenn pro Person pro Tag 15 Euro gezahlt werden, und ich habe vier Leute untergebracht, sind das 60 Euro am Tag“: unschlagbar. Man könne zwar nicht reglementierend in den Markt eingreifen, „aber dafür sorgen, dass Leute, die ihren Wohnraum normal vermieten, anders gefördert werden“.

„Es fehlt nicht nur der Wohnraum, sondern es fehlen auch die Parkplätze“, sagte FDP-Bürgermeisterkandidat Robin Zimmermann, selbst Borker. Es gebe Appelle, dass die Polizeischüler nur zum Ein- und Ausladen zu den Häusern kommen und ihre Autos eigentlich am LAFP abstellen sollten. Für ihn steht fest: „Wir müssen schon von einem Gewerbe reden.“ Und das sei im Wohngebiet schwierig.

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Die Bürgermeister-Kandidaten zum Thema Wohnungen in Bork

Wohnsituation so wie in Ostsee-Dörfern

Der parteilose Wilhelm Gryczan-Wiese fühte sich an Ostsee-Dörfer erinnert. Dort würden die vielen Ferienunterkünfte die normale Wohnsituation „völlig ad absurdum“ führen. Festsetzungen im Bebauungsplan könnten das Problem nicht lösen: „Man muss das Problem der Unterkunft für die Polizeischüler lösen.“

Vielleicht durch einen runden Tisch, den Michael Zolda (CDU) und Marion Küpper vorschlugen. Wenn so ein Gespräch mit allen Beteiligten nicht helfe, müssen gegebenenfalls satzungsrechtlich gehandelt werden. „Aber das ist die allerletzte Möglichkeit“, die Küpper lieber ganz vermeiden möchte.

Thomas Orlowski (SPD) schlug vor, mit der UKBS, der Kreis- Bau- und Siedlungsgesellschaft aus Unna, über die Schaffung von kleinen Wohnungen im neuen Baugebiet am Lidl zu schaffen: ein Angebot, das sich an Polizeischüler richtet, aber nicht in gewachsenen Wohngebieten stört.

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