Wiedlich verteidigt Vorgehen im Fall Saibou

Der Präsident des Bundesligisten Telekom Baskets Bonn, Wolfgang Wiedlich, hat die strikte Linie im Fall seines gekündigten Basketball-Profis Joshiko Saibou verteidigt. „Meinungsfreiheit bedeutet nicht Handlungsfreiheit. Er verwechselt da etwas. Saibou übersieht auch seine besondere Vorbildfunktion als deutscher Nationalspieler, aber das ist nicht unser Terrain, sondern das des Deutschen Basketball Bundes. Wir übersehen jedenfalls nicht unsere Fürsorgepflicht als Arbeitgeber für viele Angestellte und das Risiko für unsere Existenz“, sagte Wiedlich in einem Interview des „Münchner Merkur“ und der „TZ“ (Donnerstag).

12.08.2020, 16:52 Uhr / Lesedauer: 1 min

Der Beschluss, dem Spieler nach dessen Teilnahme an einer Demonstration gegen die Corona-Schutzmaßnahmen in Berlin in der vergangenen Woche zu kündigen, sei nach kurzer Diskussion im Verein einhellig gefallen, so Wiedlich. Man habe man „keinen anderen Ausweg“ gesehen.

Der Club sei in dieser Hinsicht „ein gebranntes Kind“, so der Clubchef weiter: „Ende März hatten wir fünf Infizierte, davon waren drei erkrankt, eine Person lag wochenlang auf der Intensivstation und wurde künstlich beatmet. Da kann es uns niemand verdenken, dass wir für unsere Fürsorgepflicht gegenüber allen Mitarbeitern in hohem Maße sensibilisiert sind.“

Schon zuvor habe es ein Gespräch des Baskets-Sportmanagers mit Saibou gegeben, nachdem sich dieser Anfang Mai in einem Instagram-Video deutlich gegen die Corona-Schutzmaßnahmen ausgesprochen hatte. Laut Wiedlich war der Tenor der Unterredung: „Du tust weder Dir selbst noch uns einen Gefallen damit, wenn Du mit diesem Thema weiter so umgehst. Bitte ernsthaft drüber nachdenken. Das Thema Corona wird für uns alle von entscheidender Bedeutung sein in Hinblick auf die kommende Saison.“

Saibou habe „nicht aus Vergesslichkeit mal eine Maske nicht getragen, sondern aus Überzeugung“. Dabei habe er wie andere Demo-Teilnehmer auch gegen Auflagen verstoßen, weshalb die Demonstration schließlich von der Polizei aufgelöst worden sei. „Wir glauben nicht, dass ein Verschwörungstheoretiker sich durch weitere Gespräche von „seinem Weg“ abbringen lässt.“ Tatsächlich ginge es darum: „Bei Saibou wurde aus Meinung Handlung.“

Die Baskets hatten Saibou wegen „Verstößen gegen Vorgaben des laufenden Arbeitsvertrags als Profisportler“ fristlos gekündigt. Bei der Demo in Berlin war auch Saibous Freundin, die Weitspringerin Alexandra Wester, dabei gewesen.

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