Wie in einem Gangsterfilm: Dealer misshandelt - „Damit ich ihn in den Tod schicken kann“

dzProzess

Entführt, verprügelt und mit dem Tod bedroht: Ein Drogendealer aus Herne wurde wie in einem klassischen Gangsterfilm eingeschüchtert und misshandelt, inklusive Todesdrohung.

Bochum

, 20.03.2020, 17:35 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nach einer blutigen Auto-Irrfahrt mit einem säumigen Drogendealer ist ein 24-jähriger Mann aus Herne am Bochumer Landgericht zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt worden. Der Verurteilte war der Fahrer eines schwarzen Mercedes, in dem der Dealer im August 2018 von einem Mitangeklagten immer wieder brutal misshandelt worden ist.

Das spätere Opfer war aus einem vorherigen Rauschgift-Geschäft noch 1.000 Euro schuldig geblieben. Daraufhin hatten ihn der Angeklagte und ein 23-jähriger Komplize mit einem Miet-Mercedes abgeholt, den Pkw erst auf einen abgelegenen Feldweg und anschließend in Richtung Wanne-Eickel gelenkt.

Faustschläge und Bedrohungen während der Fahrt

Bei den Zwischenstopps und während der Fahrt war es immer wieder zu Faustschlägen und Bedrohungen gekommen. Der Mitangeklagte hatte sich auf der Rückbank neben den Dealer platziert und Handy-Fotos von dessen blutigen Verletzungen gemacht. Dabei soll es auch zu der Aufforderung an den Fahrer gekommen sein: „Gib‘ mir doch mal das Messer nach hinten, damit ich ihn jetzt in den Tod schicken kann.“

In einem Park angekommen, ging der Albtraum für den verschleppten Dealer laut Anklage weiter: Der Mann musste sich auf eine Parkbank setzen und wurde erneut massiv bedrängt, eine Sofort-Lösung für die Zahlung der offenen 1.000 Euro zu präsentieren. „Sonst setzt es nochmal Prügel“, soll der 23-jährige Angeklagte gedroht haben. Weil es dem Dealer zwischendurch gelungen war, die Polizei zu alarmieren, war eine ursprünglich geplante Geldübergabe geplatzt.

Angeklagte entschuldigt sich

Der Angeklagte hat sich in seinem letzten Wort vor der Urteilsberatung entschuldigt: „Ich habe einen großen Fehler gemacht.“ Das Urteil der 9. Strafkammer, das beim Strafmaß sechs Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft lag, lautet unter anderem auf Beihilfe zum erpresserischen Menschenraub. Weil der Angeklagte bei der Entführungsfahrt keinen gültigen Führerschein hatte, wurde außerdem eine zweijährige Sperre für die Erteilung einer Fahrerlaubnis verhängt.

Der Prozess gegen den 23-jährigen Mitangeklagten läuft am Bochumer Landgericht noch weiter. Dass er den Dealer während der Autofahrt „mit Fäusten geschlagen“ hat, hatte der 23-jährige Mitangeklagte zugegeben. Er soll nun aber noch mit Blick auf eine mögliche Unterbringung in einer geschlossenen Drogen-Entziehungsanstalt von einem Sachverständigen untersucht werden.

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