Wie geht es weiter mit der Corona-Warn-App?

Coronavirus

Bund und Länder haben sich bei ihrer Konferenz am Montag auch darauf geeinigt, die Corona-Warn-App zu überarbeiten. Warum ist ein Update nötig? Ein Überblick.

Berlin

von Tim Szent-Ivanyi

, 18.11.2020, 04:50 Uhr / Lesedauer: 2 min
Die Bundesregierung will auch die Corona-Warnapp überarbeiten.

Die Bundesregierung will auch die Corona-Warnapp überarbeiten. © picture alliance/dpa

Die Corona-Warn-App wurde bislang rund 22,5 Millionen Mal heruntergeladen. Sie ist damit eine der erfolgreichsten Anwendungen dieser Art weltweit.

Welche Probleme bestehen bei der Corona-Warn-App?

Nach Angaben der Bundesregierung melden täglich bis zu 3000 Nutzer in der App, dass sie positiv auf Corona getestet wurden. Nur dann kann die App andere Nutzer vor einer Risikobegegnung warnen. Angesichts der aktuellen Infektionszahlen von bis zu 15.000 Fällen am Tag muss davon ausgegangen werden, dass viele Betroffene das positive Testergebnis jedoch nicht melden. Nach Schätzungen des Gesundheitsministeriums liegt diese Rate bei rund 40 Prozent. Auch deshalb plant die Bundesregierung mehrere Updates für die App.

Was soll konkret geändert werden?

Künftig sollen die Risikokontakte nicht nur einmal am Tag aktualisiert werden, sondern bis zu sechsmal. „Somit sind wir in der Lage, die Zeit zwischen dem Melden eines positiven Testergebnisses und dem Warnen anderer Nutzer deutlich zu reduzieren und Infektionsketten deutlich früher zu unterbrechen“, heißt es dazu in einem Bericht des Gesundheitsministeriums, der Gegenstand der Beratungen der Bundesregierung mit den Länderchefs am Montag war.

Zudem soll eine „Erinnerungsfunktion“ in die Anwendung eingebaut werden. Zwei Stunden nach dem Anzeigen des positiven Testergebnisses soll der Nutzer durch eine Benachrichtigung darüber informiert werden, dass er das Ergebnis noch nicht geteilt hat. Nach vier Stunden soll es eine weitere Erinnerung geben. Außerdem ist geplant, die Benutzeroberfläche zu vereinfachen, um das Eintragen des Testergebnisses zu erleichtern.

Welche Updates soll es noch geben?

Die Abstandsmessung per Bluetooth ist bisher nicht sonderlich genau. Die von Apple und Google dafür zur Verfügung gestellte Schnittstelle wurde inzwischen aber weiterentwickelt und soll nun in die App eingebaut werden. „Es werden dort mehr pseudonyme Informationen über Begegnungen zur Verfügung gestellt“, heißt es in dem Papier des Gesundheitsministeriums. Damit erhöhe sich die Genauigkeit der Risikoermittlung deutlich, so das Ministerium.

Zudem sollen die Nutzer animiert werden, sich öfter als bisher mit der App zu beschäftigen. Dazu sollen mehr Informationen zur Verfügung gestellt werden, etwa über den Verlauf der Pandemie und aktuelle Kennzahlen zur Warn-App. Geprüft wird zudem, ob ein freiwilliges Kontakttagebuch in die App integriert werden kann.

Was soll nicht geändert werden?

Um die Akzeptanz der App in der Bevölkerung nicht zu gefährden, will die Bundesregierung nicht an deren Grundstruktur rütteln, die aufgrund einer heftigen Debatte vor der Einführung im Frühjahr auf maximalen Datenschutz setzt. Zur Erinnerung: Die App nutzt zufällig generierte Zahlencodes, die bei einer Begegnung zwischen den Smartphones der Nutzer ausgetauscht werden. Persönliche Daten oder Standortinformationen sind nicht Bestandteil der Codes.

Das Zusammentreffen von zwei App-Nutzern wird registriert, in dem die Zahlencodes in Kontaktlisten abgespeichert werden. Diese Listen liegen nicht auf einem zentralen Server, sondern nur in den jeweiligen Handys. Die Regierung will zudem an der freiwilligen Meldung eines positiven Testergebnisses festhalten.

App soll Infektionsherde besser anzeigen – mit Standortinfos?

Nicht unbedingt. Es könnte auch möglich sein ohne eine zentrale Datensammlung darüber, wer wen wann wo getroffen hat. Nach Ansicht der Experten vom Chaos Computer Club (CCC) könnte dazu ein zufällig generierter QR-Code genutzt werden, der allen Teilnehmern eines spontanen Treffens oder eines Meetings zum Scannen zur Verfügung gestellt oder auch dauerhaft von Restaurants oder kulturellen Einrichtungen genutzt wird. Die Information, dass eine Person Teil einer Zusammenkunft war, wird ebenfalls nur auf dem eigenen Gerät gespeichert.

Die Alarmierung erfolgt dann wie gehabt über die App. Mit dieser Methode ließe sich also ermitteln, dass man Teil eines gefährlichen Clusters war. Wo dieses Zusammentreffen stattgefunden hat, wird nicht registriert. Gesundheitsminister Spahn will prüfen lassen, ob diese Methode im Rahmen der App-Architektur umsetzbar ist. Das Ministerium verweist allerdings darauf, dass das Risiko von „signifikant erhöhten Falsch-Positiv-Meldungen“ beherrschbar sein müsse.

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