Wie geht es am Freischütz weiter? Pächter waren kurz davor aufzugeben

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Eine siebenstellige Investition vor der Brust und keine Einnahmen mehr. Die neuen Freischütz-Pächter traf die Corona-Krise hart. Dennoch haben sie einen Plan, wie es weiter gehen soll.

Schwerte

, 09.04.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Corona-Krise hat die Muto-Heimatgastronomie wie alle Gastronomen unerwartet und mit voller Wucht getroffen. „Ehrlicherweise waren auch wir kurz davor, aufzugeben. Das hätte allerdings auch bedeutet, dass unsere etwa 100 Mitarbeiter, davon 30 am Freischütz, von heute auf morgen ihren Job verloren hätten“, berichtet Jan Möller, einer der beiden Geschäftsführer, des Dortmunder Gastronomie-Unternehmens.

Doch die gute Botschaft vorab: Am Freischütz geht es weiter, auch wenn alle Veranstaltungen im Festsaal abgesagt sind und die anderen Betriebe von Muto, Daddy Blatzheim, Schürmanns im Park, Schürmanns Hafenkantine, Balke, Zum Schlips, derzeit komplett geschlossen sind.

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Siebenstellige Summe sollte in den Umbau investiert werden

„Das alles kam für uns zur Unzeit – gerade erst hatten wir den Freischütz übernommen und waren dabei, eine siebenstellige Summe in den Umbau zu investieren“, erklärt Jan Möller. Doch man versuche alles, um die Zukunftsperspektive zu erhalten. Freischütz-Inhaber Peter Cremer sicherte seinen neuen Pächtern Unterstützung zu.

Allerdings wird der Umbau des Freischütz nun nicht ganz so üppig ausfallen, wie man es geplant hatte. Die Sanierung der Küche war ohnehin schon in großen Teilen abgeschlossen und wird auch fertig gestellt. Ab Mitte April solle das Herzstück des Betriebs fertig gestellt sein.

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Auch die Umgestaltung des Restaurants war schon im vollen Gange, die Wände sind bereits gestrichen, die neuen Stühle angeliefert. Alles Angefangene wird nun fertiggestellt, um im Falle des Falles bereit für die Wiederaufnahme des Betriebs zu sein.

Viele Investitionen wurden zusammengestrichen

Alle übrigen Investitionen wurden auf das Nötigste zusammengestrichen. So werden die neue Buffet-Ausgabe im Festsaal und die Hebebühne zur Speisen-Anlieferung vorerst nicht umgesetzt. Die neu bestellten Leuchten wurden wieder abbestellt. Jetzt werden die alten Lampen wieder aus dem Keller geholt.

Der Freischütz am 7. Februar 2020, kurz bevor die Wetterfahne den Turm schmückte.

Der Freischütz am 7. Februar 2020, kurz bevor die Wetterfahne den Turm schmückte. © Dennis Görlich

Auch der Biergarten sollte komplett neu gestaltet werden. Geplant war unter anderem ein neuer Anbau mit Ausschank, Kühlhaus und Toilettenanlage. Diese Maßnahmen wurden nur vorerst komplett vertagt. „Wenn es optimal läuft, können wir diesen Schritt im nächsten Jahr vollziehen. Bis dahin werden wir kreativ sein und improvisieren müssen, beispielsweise mit mobilen Containern und der noch vorhandenen Bestuhlung“, so Möller.

Auf jedem Fall sollen noch in diesem Jahr das erste Spaten Bräu aus dem Hahn laufen und die erste Weißwurst gebrüht werden. Alles unter dem Vorbehalt, dass die behördlichen Auflagen einen solchen Betrieb irgendwann zulassen.

Der Saal wird für Abiprüfung der Gesamtschule genutzt

Besonders schmerzhaft für die Freischützpächter: Die großen Veranstaltungen im Festsaal werden wohl noch länger nicht erlaubt sein. Das ist betriebswirtschaftlich schmerzhaft. Aber um den denkmalgeschützten Saal nicht komplett leerstehen zu lassen, hat man sich ein paar Übergangslösungen einfallen lassen.

Als Corona noch nicht absehbar war: Jan Möller, Ex-Pächter Jörg Prüser, Peter Cremer und Philip Winterkamp vor dem Freischütz.

Als Corona noch nicht absehbar war: Jan Möller, Ex-Pächter Jörg Prüser, Peter Cremer und Philip Winterkamp vor dem Freischütz. © Heiko Mühlbauer (Archiv)

So rief man das Projekt „Radio Freischütz“ ins Leben – gemeinsam mit der Dortmunder Agentur Neovaude.Live. Bis zu drei Mal die Woche sollen Kultur- und Musikformate live aus dem Festsaal gestreamt werden und den Zuschauern zuhause so ein wenig Abwechslung in den Quarantäne-Alltag bringen. Den Anfang machte am Sonntag der Cellist und Komponist Daniel Brandl mit einem einstündigen Konzert.

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Einzigartig ist wohl die Kooperation mit der Gesamtschule Gänsewinkel. Die wird nämlich im Mai ihre Abiprüfungen im Festsaal durchführen. So hat man genug Abstand. Ein entsprechend großer Raum war in der Schule zu diesem Termin nicht verfügbar.

Mit Fensterverkauf Gehälter für Personal gesichert

Und dann gibt es ja noch das Essen zum Mitnehmen. „Als Erstes entschieden wir uns Mitte März dazu, einfach weiter zu kochen“, berichtet Möller. Vier Tonnen Ware habe man bestellt und zunächst im Restaurant Schürmanns im Park im Westfalenpark Mahlzeiten zusammengestellt, die dann in den Restaurants zum Mitnehmen verkauft wurden.

Später machte man in Kooperation mit der Westfalenhalle und weiteren Gastronomen wie Jörg Prüser und Günther Overkamp in der Zentralküche der Westfalenhallen weiter. Im Namen der „Gastro-Initiative Dortmund“ werden die Gerichte gekocht, vakuumiert und im „Fensterverkauf“ angeboten oder mit dem Lieferdienst ausgeliefert.

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„Von den Erlösen konnten wir weiterhin unsere Mitarbeiter bezahlen und zusätzlich seit Ende März sogar täglich 300 Lunchtüten für Obdachlose an den Verein „Gast-Haus“ und die Diakonie liefern“, so Möller.

Und auch hier erwies sich der Freischütz für die Gastronomen als ein Gewinn. „Wir haben beim Fensterverkauf im Freischütz von Anfang die meisten Gerichte verkauft. Die Schwerter haben das Angebot gut angenommen.“

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