Westfalen-Lippe bleibt Schlusslicht bei Hausarzt-Dichte

Ärztemangel auf dem Land wird seit Jahren beklagt. Eine Datenauswertung zeigt: Gerade in ländlichen Regionen von Westfalen und Lippe ist die Arztdichte weiter geringer als in der Stadt - nicht nur, aber vor allem bei Hausärzten.

28.04.2020, 06:51 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zwei Stethoskope liegen in einer Hausarztpraxis in einem Behandlungszimmer auf einer Liege. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Zwei Stethoskope liegen in einer Hausarztpraxis in einem Behandlungszimmer auf einer Liege. Foto: Marijan Murat/dpa/Archivbild

Das Ärztenetz in der Region Westfalen-Lippe zählt zu den dünnsten in Deutschland. Zwar ist die Zahl der niedergelassenen Mediziner und Psychotherapeuten dort genauso wie auch bundesweit gestiegen. Gerade bei der Hausärzteversorgung bleibt die Region aber Schlusslicht. Das geht aus Daten des Bundesarztregisters mit Daten zum Ende des vergangenen Jahres hervor, die die Deutsche Presse-Agentur ausgewertet hat.

Das Ärztenetz ist demnach zwar insgesamt im Vergleich zu 2018 sowohl im Osten als auch im Westen des Bundeslandes dichter geworden. Mit 194 Ärzten und Psychotherapeuten je 100 000 Einwohner sind Patienten in Westfalen-Lippe aber vergleichsweise gering versorgt. Schlechter stehen Patienten nur in Brandenburg (188,3) da. Besonders wenige Ärzte pro 100 000 Einwohner gibt es demnach in den ländlichen Kreisen Gütersloh (124,8) und Lippe (133,8) sowie dem Hochsauerlandkreis (135,7).

Zum Vergleich: In den Stadtstaaten Hamburg und Bremen ist das Verhältnis mit Werten um die 300 deutlich besser, ähnliches gilt für die westfälische Großstadt Münster mit einem Spitzenschlüssel von 314,1.

Auch die Region Nordrhein kann mit knapp 227,6 niedergelassenen Medizinern pro 100 000 Einwohner ein enger geknüpftes Netz an Praxis-Ärzten vorweisen - mit unterschiedlicher Verteilung zwischen Stadt und Land. So ist die Dichte im Kreis Kleve am Niederrhein besonders gering (131,1), in den Kreisen Mönchengladbach (223,5) und Krefeld (237,8), sowie den Städten Bonn (326), Köln (267,1), Leverkusen (253,7), Düsseldorf (233,4) sowie Remscheid (233,3) aber überdurchschnittlich.

Vor allem Hausärzte gibt es in Westfalen und Lippe zum Teil erheblich weniger als anderswo: Mit nur 59,6 Hausärzten pro 100 000 Einwohner ist das Verhältnis in keiner der bundesweit 17 der kassenärztlichen Regionen schlechter. Seit 2018 ging die Zahl zudem leicht zurück. Die Kreise Herford (49,7), Gütersloh (50,4) sowie die Stadt Hamm (54,7) zählen nun zu den zehn Kommunen und Kreisen mit den schlechtesten Werten bei diesem Aspekt. Auf 100 000 Einwohner in Hamburg kommen beispielsweise 72,9 Hausärzte. Auch Baden-Württemberg, Bayern oder Mecklenburg-Vorpommern können ähnliche Werte verzeichnen. Mit 65,9 Hausärzten sieht es im Rheinland besser aus, auch hier ging die Dichte seit 2018 zurück. Duisburg etwa zählt mit 54 Hausärzten je 100 000 Einwohnern zu den zehn Schlusslichtern.

Bundesweit waren zum Stichtag 31. Dezember 2019 rund 149 700 Ärzte und 28 000 Psychotherapeuten mit einer Zulassung für die Versorgung gesetzlich versicherter Patienten tätig. Das war insgesamt ein Plus von 1,4 Prozent im Vergleich zu 2018. Weil Ärzte zusehends Teilzeit arbeiten oder Angestellte statt Praxisinhaber sein wollen, bedeutet dies laut Kassenärztlicher Bundesvereinigung (KBV) aber nur einen Zuwachs der Kapazitäten von 0,2 Prozent. KBV-Chef Andreas Gassen sagte der dpa: „Die Arztzeit ist und bleibt knapp.“

Zur Gesundheitsversorgung in den jeweiligen Regionen tragen die Praxen der Kassenärzte nicht alleine bei - dazu kommen Ärzte in Krankenhäusern sowie etwa auch Physiotherapeuten, Logopäden und andere Heilberufler. Zudem nutzen Patienten aus eher dünn besiedelten Umlandregionen oft Praxen in angrenzenden Ballungsräumen.

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