Werner Reisebüros in der Krise: Urlaubsflaute hält trotz Corona-Lockerungen an

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Urlaub auf Mallorca, in Kroatien oder Griechenland - das ist inzwischen trotz Corona-Krise wieder möglich. Zumindest theoretisch. Denn wer glaubt, die Leute würden jetzt die Reisebüros stürmen, liegt völlig daneben.

Werne

, 03.07.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Die Grenzen sind geöffnet, das auswärtige Amt hat die Reisewarnungen für viele europäische Länder aufgehoben und inzwischen sind sogar die Probe-Touristen vom Ballermann wieder zurück in der Heimat. Und dann wäre da ja noch das vom Bundestag und Bundesrat frisch beschlossene Konjunkturprogramm, das unter anderem von der Corona-Krise besonders stark betroffenen Branchen Überbrückungshilfen in Höhe von 25 Milliarden Euro verspricht. Zu diesen Branchen gehören auch Reisebüros.

Das scheint doch fast schon so, als könnten deren Inhaber jetzt erst einmal durchatmen - oder etwa nicht? Heidrun Wagner-Peters vom Reisebüro Wagner in Werne klingt nicht gerade begeistert, wenn es um den Stand der Dinge in ihrer Branche geht - erst recht nicht mit Blick auf die Kunden-Nachfrage. Die sei nämlich nach wie vor bescheiden. „Und ich kann das auch nachvollziehen. Die Verunsicherung ist immer noch groß. Auch weil ja nicht in allen Ländern die gleichen Regelungen gelten“, sagt Wagner-Peters.

Reiseveranstalter sind zwar kulant - aber nur schwer zu erreichen

Hinzu komme, dass sich die Kommunikation mit den Reiseveranstaltern derzeit schwierig gestalte. „Ich habe eine Kundin, die am Montag nach Barcelona fliegt, aber bis heute noch keine Reiseunterlagen vom Veranstalter erhalten hat“, sagt Wagner-Peters. Nach vielen Versuchen habe sie den Veranstalter inzwischen allerdings erreicht - und der habe zugesichert, dass die Unterlagen noch rechtzeitig eintreffen. Es sei denn, der Flug wird verschoben, was in diesem Fall nicht das erste Mal wäre.

Wie schlecht es um die Nachfrage steht, zeigt sich unter anderem in den stark verkürzten Öffnungszeiten des Reisebüros: Montags und dienstags von 10 bis 12 Uhr, donnerstags von 15 bis 18 Uhr und freitags von 9 bis 12 Uhr. Die restliche Zeit arbeitet Wagner-Peters im Home Office. Ihre Mitarbeiterin ist in Kurzarbeit.

Aktuell gebe es ein paar Buchungen für den Herbst und Weihnachten, etwa für Griechenland oder die Kanaren. Für die diesjährigen Sommerferien sieht es hingegen mau aus.

Werner Reisebüros in der Krise: Urlaubsflaute hält trotz Corona-Lockerungen an
„Die meisten Leute verbringen ihren Sommerurlaub in diesem Jahr in Deutschland. Und dafür gehen sie nicht unbedingt ins Reisebüro.“
Heidrun Wagner-Peters

Stornierungen und Umbuchungen gehören mehr denn je zum Tagesgeschäft der Reisebüros. „Die meisten Leute verbringen ihren Sommerurlaub in diesem Jahr in Deutschland. Und dafür gehen sie nicht unbedingt ins Reisebüro“, erklärt Wagner-Peters, die im Vergleich zum Vorjahr mit Umsatzeinbußen von 70 Prozent rechnet und darauf hofft, dass die staatliche Hilfe auch wirklich bei den lokalen Unternehmern ankommt.

Darauf hofft auch Dorothee Wiewel vom gleichnamigen Reisebüro, die in den vergangenen drei Monaten Umsatzeinbußen in sechsstelliger Höhe verzeichnet hat. „Man muss da trotzdem optimistisch bleiben. Wir können aber nicht nur auf finanzielle Hilfen bauen, sondern müssen auch die Kunden motivieren, neu zu buchen oder zumindest weiter umzubuchen“, sagt sie. Zum Beispiel mit besonderen Angeboten - etwa Sonderreisen, die sich bis 14 Tage vor Reiseantritt kostenfrei und ohne Angaben von Gründen stornieren lassen.

Angebot ist da - nur die Nachfrage nicht

Die Veranstalter seien mit Blick auf solche Konditionen durchaus kulant - ähnlich wie bei der Kostenerstattung, Umbuchungen oder dem Ausstellen von Gutscheinen. „Allerdings sind die Veranstalter wirklich schlecht zu erreichen. Da muss man Geduld aufbringen und hartnäckig sein. Dann funktioniert es in der Regel auch“, so Wiewel.

Dennoch gilt auch in ihrem Reisebüro: Die Nachfrage ist derzeit verhalten, das Angebot aber durchaus vorhanden. Viele Kunden haben ihre für den Sommer geplanten „großen Reisen“ auf das kommende Jahr verlegt. Den Sommerurlaub - so der aktuelle Trend - verbringe man eher in Deutschland oder Österreich. Einige Bestandskunden hätte ihren Urlaub zwar auf den diesjährigen Herbst umgebucht, die Zahl der Neukunden kann Wiewel jedoch an einer Hand abzählen.

Türkei und Spanien sind 2021 beliebte Urlaubsziele

Bei denjenigen, die erst im Sommer 2021 ins Ausland fliegen wollen, sind nach wie vor Spanien oder die Türkei beliebte Urlaubsziele. Die Skepsis, dass es durch die Corona-Krise auch dann noch erhebliche Einschränkungen geben könnte, hält sich anscheinend in Grenzen.

„Die Angst ist nicht mehr so groß wie noch vor ein paar Wochen“, sagt Iris Droste vom Reisebüro Schulze, die ebenfalls von einer „verhaltenen Nachfrage“ berichtet - aller immerhin schon für den diesjährigen Herbst Flugreisen nach Griechenland verbuchen konnte. Mehr Sorgen als die Urlauber scheinen sich gerade definitiv die Reisebüros machen zu müssen. Zumindest in diesem Sommer. Denn da herrscht eher Flaute als ein Urlaubs-Boom.

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