Weniger häusliche Gewalt trotz Corona-Krise in NRW

Entgegen den Erwartungen von Experten deuten erste Zahlen auf einen deutlichen Rückgang der häuslichen Gewalt in der Corona-Krise hin. Während im März vergangenen Jahres (1.3.-29.3.) noch 3003 Polizeieinsätze wegen häuslicher Gewalt registriert wurden, waren es im Vergleichszeitraum dieses Jahres lediglich 2112 Einsätze. Das hat das NRW-Innenministerium am Montagabend auf dpa-Anfrage mitgeteilt. Das entspricht einem Rückgang um 30 Prozent.

30.03.2020, 19:40 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Mann droht einer Frau mit einer Faust. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa/Symbolbild

Ein Mann droht einer Frau mit einer Faust. Foto: Jan-Philipp Strobel/dpa/Symbolbild

Eine Sprecherin des NRW-Innenministeriums betonte allerdings, dass die Zahlen vorläufig seien. Oft werde ein Verfahren wegen häuslicher Gewalt zunächst als Körperverletzung geführt und erst später auch als häusliche Gewalt ausgewiesen.

„Wir müssen davon ausgehen, dass die häusliche Gewalt zunehmen wird“, hatte etwa Claudia Fritsche von der Koordinierungsstelle der Landesarbeitsgemeinschaft Autonomer Frauenhäuser NRW gesagt. Gewalttätige Männer hätten keine Möglichkeit mehr, ihre Aggressionen an anderer Stelle auszuleben und ihre Frauen seien permanent auf engstem Raum mit ihnen zusammen.

Die Opferschutzbeauftragte des Landes NRW, Elisabeth Auchter-Mainz, hatte gesagt, die Situation sei schwer einzuschätzen: „Es ist ein Ausnahmezustand, den wir alle nicht kennen und daher sind die Folgen nicht abzusehen.“ Wenn auf Dauer Existenzen und Arbeitsplätze bedroht seien, könne Gewalt zunehmen.

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