Wegen Chat suspendierter Polizist soll Schläge gedeckt haben

Bei den Fällen rechtsextremer WhatsApp-Chats und den mutmaßlichen Schlägen eines Polizisten gegen einen gefesselten Verdächtigen gibt es eine bisher unbekannte Querverbindung bei der Polizei in Mülheim/Ruhr: Ein Vorgesetzter, der die angeblichen Schläge gedeckt haben soll und gegen den wegen Strafvereitelung im Amt ermittelt wird, ist bereits suspendiert - weil er auch an den umstrittenen Chats beteiligt gewesen sein soll. Das bestätigte ein Sprecher des zuständigen Landesamts für Ausbildung, Fortbildung und Personalangelegenheiten (LAFP) der Deutschen Presse-Agentur.

27.10.2020, 11:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Ein Polizeifahrzeug steht mit Blaulicht auf der Straße. Foto: Patrick Seeger/dpa/Symbolbild

Ein Polizeifahrzeug steht mit Blaulicht auf der Straße. Foto: Patrick Seeger/dpa/Symbolbild

Die Polizei Essen hatte zwei leitende Beamte angezeigt, die der Strafvereitelung verdächtig sind. Einer ist laut LAFP noch im Urlaub. Nach seiner Rückkehr müsse man entscheiden, wie man weiter vorgeht. Der andere Dienstgruppenleiter war bereits suspendiert, als er Anfang Oktober vom Präsidium angezeigt wurde - wegen des Falls der WhatsApp-Chats. Er gehört nach Angaben des LAFP nicht zu den acht Beamten, die auf eine Aufhebung ihrer Suspendierung hoffen können - aber auch nicht zu den 15 Beamten, gegen die die Staatsanwaltschaft ermittelt.

In der umstrittenen Chatgruppe „Alphateam“ war auch der Polizist unterwegs, der Anfang 2019 einen Mann bei dessen Festnahme in Mülheim an der Ruhr geschlagen haben soll, als der bereits gefesselt war. Eine Kollegin meldete den Vorfall als Augenzeugin damals ihrem Vorgesetzten, der versprach, auch den Dienstgruppenleiter des Kollegen zu informieren. Letztlich taten beide Vorgesetzte aber nichts. Im Gegenteil: Das Opfer der Schläge kam sogar vor Gericht - weil der Mann den Polizisten zu Unrecht angeschwärzt habe. Von dem Vorwurf wurde das Opfer freigesprochen - da nun heraus kam, dass wohl doch alles so war.

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