Warum ich nur noch mit Emojis schreiben kann

Welt-Emoji-Tag

Einmal mit Emojis angefangen, ist es schwierig davon loszukommen. Redakteur Nils Oehlschläger berichtet, dass es für ihn keinen Weg mehr zurück aus der Welt der Bildsymbole gibt.

17.07.2020, 15:32 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der 17. Juli ist Welt-Emoji-Tag.

Der 17. Juli ist Welt-Emoji-Tag. © picture alliance/dpa

Ich könnte jeden Satz in diesem Text mit einem Emoji beenden . Immerhin schreibe ich privat genau so ☝️. Kaum eine Textnachricht verlässt mein Smartphone ohne mindestens eine emotionale Einordnung ihres Inhalts . Deshalb mache ich das in diesem Artikel jetzt einfach auch so . Kommen Sie damit klar? ‍♂️ Schön, dann los .

Die kleinen Grinsebacken haben sich still und heimlich in meinen Sprachgebrauch eingeschlichen . Noch vor 15 Jahren gab es da deutlich weniger Vielfalt als heute . Als ich mein erstes Handy bekam, war noch nicht daran zu denken, eine Nachricht mit einem , einem oder einem zu beenden .

Wir hatten ja nicht viel – außer :-) oder :-* oder 8-). Ziemlich retro ¯\_(ツ)_/¯. Es waren schwere Zeiten .

Sie waren bestimmt auch schon mal dankbar für Emojis . Zum Beispiel dann, wenn sie Ihnen geholfen haben, Missverständnisse zu vermeiden . Worte allein lassen dem Kopf reichlich Raum für Interpretationen . Und da kann es schon mal zu einer Fehlleistung kommen . Allen voran kann Ironie leicht ein falscher Freund sein ‍‍.

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Ein Beispiel: Sie erhalten folgende Nachricht :

Schicker Pullover. Ist der neu?

Hmmm… Wie könnte das gemeint gewesen sein?

So? „Schicker Pullover Ist der neu? ✨“

Klarer Fall eines Kompliments, Sie dürfen sich freuen .

Oder so? „Schicker Pullover Ist der neu? “

Unwahrscheinlich, dass Sie das gute Stück am nächsten Tag noch einmal anziehen . Oder jemals wieder .

Gefühle auf dem Touchscreen

Emojis füllen einen Raum in unserer Kommunikation, der ohne sie frei bleiben würde . Sie können Dinge klarstellen oder veranschaulichen, einfach unterhalten oder Empfindungen aufdecken, die ohne sie unbemerkt geblieben wären . Manche meiner Bekannten setzen sie so treffend ein, dass sie mich damit ehrlich zum Lachen bringen oder betroffen machen .

Emojis stumpfen unsere Sprache aber auch ab . Sie nehmen dem Leser ein Stück weit das Denken vorweg – den Teil, der beim Lesen besonders Spaß machen kann . Es bleibt weniger Platz für das eigene Fühlen – die Empfindungen bekommt man direkt mit der Nachricht geliefert .


Bin ich nicht , bin ich wohl ☹️

Inzwischen sind die kleinen Symbole längst über die Gefühlswelt hinausgewachsen – und ihre Zahl nimmt jedes Jahr zu . Es gibt gesundes und fettiges Essen , Nebensächlichkeiten und wichtige Dinge ☮️ und sogar solche, die längst ausgestorben sind . Man kann sie fast alle ohne Vokabeln verstehen, egal aus welchem Teil der Erde man kommt . Bei anderen Zeichen weiß ich allerdings bis heute nicht, was sie bedeuten sollen 〰️.

Seit ich die Smartphones meiner Kontakte mit Emojis getränkten Nachrichten flute, stecke ich ein bisschen in der Smiley-Klemme . Das heißt: Schreibe ich einmal keinen , denken viele ich wäre ☹️. Dabei bin ich in Wahrheit vielleicht oder nach der Arbeit eher so .

Ich habe schon öfter versucht, wieder auf Smileys zu verzichten ❌. Das Fazit ist schnell erzählt: . Da es inzwischen von mir erwartet wird, meine Sätze für den Empfänger vorzudeuten, sorgt es für Irritation, wenn ich sie weg lasse ‍♂️. Deshalb verwende ich sicherheitshalber auch da Smileys, wo eigentlich keine notwendig sind .

Dabei ist mir aufgefallen: Mein Lückenfüller ist meistens der glückliche Smiley . Warum eigentlich? Ich grinse schließlich auch nicht permanent vor mich hin, während ich auf meinem Handy herumtippe . Keine Ahnung, wie es Ihnen geht – aber eigentlich gucke ich so oder so und auch nicht selten so .

Ich schreibe nämlich nicht so gerne Kurznachrichten . Erstens verschwende ich damit viel zu viel Zeit ⏱. Und außerdem werde ich nach wie vor viel zu oft missverstanden . Trotz Emoji-Flut .

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