Warnung vor Blutspende-Lücke in der Corona-Krise

Für viele Krebspatienten oder Unfallopfer - und jetzt auch für schwer erkrankte Covid-19-Patienten - sind Blutspenden überlebenswichtig. Viele Menschen haben aber Angst vor Ansteckung. Unbegründet, sagen Mediziner. Tatsächlich gebe es sogar einen „Wellness-Effekt“

19.11.2020, 12:32 Uhr / Lesedauer: 2 min

Nordrhein-Westfalens Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) hat gemeinsam mit Ärzten dazu aufgerufen, sich trotz Corona-Krise nicht vom Blutspenden abschrecken zu lassen. Covid-19 werde nicht durch Blut übertragen, sagte der Ärztliche Geschäftsführer des Blutspendedienstes West des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Thomas Zeiler, am Donnerstag in Düsseldorf. Die Blutspende sei für den Spender so sicher wie die Transfusion für den Empfänger. „Da ist kein Risiko“, sagte der Mediziner. Deshalb sei es auch nicht sinnvoll, bei der Blutspende auf Covid-19 zu testen.

Täglich benötige der DRK-Blutspendedienst allein in NRW etwa 3000 Blutspenden, sagte Zeiler. Infolge der Krise fielen allerdings über 15 Prozent der üblicherweise mehr als 9000 Blutspendetermine des DRK in NRW weg. Etliche Räume in Schulen und Firmen stünden aus Infektionsschutzgründen nicht mehr zur Verfügung. „Viele Firmen machen hermetisch dicht und sagen: Da kommt keiner rein“, berichtete der Arzt. Die Räume würden aber dringend gebraucht: „Die Blutspende braucht ein Dach.“

Eine DRK-Öffentlichkeitskampagne unter dem Motto „Gemeinsam Leben retten - NRW spendet Blut“ soll helfen, mehr Engagement zu wecken und Ängste zu nehmen. Insgesamt spenden den Angaben zufolge weniger als fünf Prozent der deutschen Bevölkerung regelmäßig Blut. Sechs Prozent wären gut, sagte Laumann.

Viel Blut werde nicht nur gebraucht für Krebspatienten, Unfallopfer oder Operationen am offenen Herzen, sondern jetzt zusätzlich auch für schwer erkrankte Covid-19-Patienten, deren Blut künstlich mit Sauerstoff angereichert werden müsse, erklärte die Leiterin der Transfusionsmedizin am Universitätsklinikum Köln, Birgit Gathof. Einige dieser Patienten benötigten täglich eine oder sogar zwei Blutspenden. Unfallopfer, die in der Notaufnahme landeten, benötigten in schlimmen Fällen sogar bis zu 70 Blutspenden innerhalb weniger Stunden.

Für die meisten Menschen sei die Blutspende gesund, erklärte die Transfusionsmedizinerin. Sie wirke sich günstig aus auf den Fett- und Zuckerstoffwechsel sowie Bluthochdruck. Es gebe sogar Studien über „den Wellness-Effekt der Blutspenden“. Manche beschrieben die Wirkung „wie eine kleine Fastenkur“.

95 Prozent der Menschen hätten keinerlei Probleme, Blut zu spenden, berichtete Gathof. Wenige hätten Kreislaufprobleme. Spenden können alle gesunden Menschen unter 68 Jahren - Frauen bis zu vier Mal im Jahr, Männer sogar sechs Mal. Plasma könne auch öfter gespendet werden, sagte Laumann. Termine seien unter anderem online zu buchen.

Wichtig sei es, jetzt eine neue Generation für „die Blutspende als soziales Engagement“ zu gewinnen, unterstrich Zeiler. Wenn die Babyboomer-Generation aus der Altersgruppe der Spender in die Gruppe der Blutempfänger hinein wachse, drohe andernfalls ein Versorgungsproblem.

„Jeder von uns kennt Menschen, die Blut brauchen“, betonte der Arzt. „Meine eigene Mutter würde nicht mehr leben, wenn es keine Blutspende gäbe.“

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