Waldexperte: „Im Harz sieht es mittlerweile verheerend aus“

Der Harz, das Sauerland, der Frankenwald und der Thüringer Wald sind nach Ansicht von Forstleuten die am stärksten bedrohten Wälder in Deutschland. „Im Harz sieht es mittlerweile verheerend aus“, sagte Ulrich Dohle vom Bund Deutscher Forstleute. Grund dafür sei der immer weiter fortschreitende Klimawandel. Durch die Dürren der letzten Jahre seien die Bäume immer trockener und instabiler geworden. Bei vermehrt auftretenden starken Stürmen würden sie deshalb schnell umkippen. Auch der schädliche Borkenkäfer habe sich immer weiter vermehrt. Deutschlandweit seien in den letzten drei Jahren rund 300 000 Hektar Wald abgestorben. Das ist eine Fläche, die größer ist als das Saarland.

25.10.2020, 08:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Blick in den Wald mit teilweise abgestorbenen Fichten im Nationalpark Harz. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Blick in den Wald mit teilweise abgestorbenen Fichten im Nationalpark Harz. Foto: Swen Pförtner/dpa/Archivbild

Von einem Betretungsverbot für Besucher hält Dohle allerdings nichts: „Das würde dem Wald nichts nützen. Besucher im Wald sind kein Problem, sonder ein Mehrwert“. Beispielsweise werden die meisten Brände in Wäldern eben durch Spaziergänger gemeldet. Liegengelassener oder illegal entsorgter Müll sowie brennende Zigaretten seien zwar ein Problem, aber kein Massenphänomen. Die Forstleute merken auch, dass sich seit einigen Monaten mehr Menschen im Wald aufhalten als vorher. „In Coronazeiten ist der Wald einer der wenigen Orte, in dem man sich frei bewegen kann“, so Dohle.

Um die Wälder zu retten, ist laut Dohle jeder Einzelne gefragt, in dem er beispielsweise sein eigenes Konsumverhalten hinterfrage. Bei einem Treffen des Bundes der Forstleute am Freitag in Göttingen wurden unter anderem Strategien besprochen, wie man die Waldkrise bewältigen kann. „Waldpflege ist eine Generationenaufgabe, das geht nicht von heute auf morgen“, so Dohle. Trotzdem sei der Klimawandel nicht komplett aufzuhalten. Deshalb müsse man sich irgendwann in den kommenden Jahren von dem Wald, den man heute kenne, verabschieden. Aus Sicht des Bundes fehle es vor allem an Forstpersonal, das die bestehenden Wälder umbauen und fit für die Zukunft machen könne.

In Deutschland gibt es derzeit rund 11,4 Millionen Hektar Wald. Damit sind etwa ein Drittel der Landesfläche mit Bäumen bedeckt.

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