Waffelino-Prozess: Zeugen wundern sich über Grund ihrer Vorladung

dzWaffelino-Prozess fortgesetzt

Im Waffelino-Prozess, um Brandstiftung in dem ehemaligen Selmer-Café ging es am Donnerstag vor Gericht weiter. Einige Zeugen wunderten allerdings sehr über den Grund, warum sie befragt wurden.

Selm

, 14.08.2020, 08:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Dass Hamza K. im August 2017 das von ihm betriebene Café Waffelino in Selm in Brand gesteckt hat, steht auch für den 4. Strafsenat des Bundesgerichtshofs fest. Trotzdem sind in dem Verfahren noch viele Fragen offen. Die wichtigsten lauten: Wusste der Angeklagte, dass sich zum Zeitpunkt des Feuers zahlreiche Menschen in den darüber gelegenen Wohnungen aufhielten? Legte er das Feuer tatsächlich, um die Brandversicherung zur Auszahlung von 25.000 Euro zu bewegen?

Handyraub ebenfalls angeklagt

Auch abseits dieser elementaren Fragen birgt der Prozess Zündstoff. Mitangeklagt ist nämlich auch ein Vorfall, der sich vier Tage vor dem Waffelino-Feuer ereignet haben soll. Auf dem Edeka-Parkplatz in der Stadt soll Hamza K. damals einem Bekannten dessen Smartphone geraubt haben. Doch auch dazu will der 33-Jährige nichts sagen.

Jetzt lesen

Am Donnerstag wurde eine Reihe von Zeugen vernommen, die Licht in das Dunkel des angeblichen Handy-Raubes bringen sollten. Als großartige Hilfe erwiesen sich die Aussagen jedoch nicht. Während einer wenigstens ansatzweise gesehen haben will, dass es in der fraglichen Nacht Ärger um ein Smartphone gab, fielen zwei andere fast aus allen Wolken, als der Richter sie über den Grund ihres Erscheinens informierte. „Handy? Keine Ahnung. Ich dachte, ich wäre wegen der Waffelino-Sache hier“, sagte ein 21-jähriger Selmer entrüstet.

Tatort Edeka-Parkplatz

Der junge Mann konnte sich nach drei Jahren absolut nicht mehr daran erinnern, ob er am 1. August 2017 auf dem Edeka-Parkplatz war. Und den Angeklagten kenne er eh nur vom Sehen, sagte er. „Ich war ab und zu im Waffelino essen“, sagte er noch.

Auf die Frage, ob er denn alternativ etwas zu der Aufklärung der Brandstiftung sagen könne, wich der Zeuge ebenfalls aus. Nur so viel wusste er dann doch noch: „Ich stand in der Nacht mit meinem Bruder auf der Straße, als wir plötzlich sehr laut Feuerwehrsirenen hörten. Wir sind dann die vielleicht 300 Meter zum Waffelino gelaufen und haben die Löscharbeiten beobachtet.“ Als die Feuerwehr ihre Arbeit erledigt hatte, seien sie wieder nach Hause gelaufen.

Zeugen beobachteten Feuerwehreinsatz

Das Gericht wird an den kommenden Verhandlungstagen noch weitere Zeugen vernehmen. Und irgendwann könnte auch der Angeklagte seine bisherige Weigerungshaltung ablegen und doch noch eine Aussage machen.

Rechtsanwalt Ralf Bleicher, der den Angeklagten zusammen mit Michael Bonn verteidigt, hatte eine solche Erklärung eigentlich bereits für Donnerstag in den Raum gestellt. Jetzt wird es aber voraussichtlich noch bis Anfang September dauern, ehe Hamza K. eine Erklärung zu den Vorwürfen abgeben könnte.

Lesen Sie jetzt