Vorsicht angesagt: Zwei Hasen sind in Waltrop an der Hasenpest gestorben

dzHasenpest

Der Kreis Recklinghausen warnt vor der Tularämie, der Hasenpest. Durch Kontakt mit toten Nagern kann der Erreger auf den Menschen übertragen werden. Unbehandelt ist die Krankheit gefährlich.

Selm

, 27.01.2019, 06:53 Uhr / Lesedauer: 3 min

Zwei Hasen sind in der Ickerschen Heide in Waltrop an der Tularämie gestorben, der sogenannten Hasenpest oder Nagerpest. Deshalb warnt der Kreis Recklinghausen davor, tote Kaninchen oder Hasen anzufassen. Denn die Hasenpest ist auch auf den Menschen übertragbar.

Das weiß auch Bernd Möllmann. Der 68-jährige Wildmeister, der in Netteberge die Jagdaufsicht hat, erklärt, dass die Jäger des Hegerings Selm verstärkt die Augen offenhalten, wenn sie ein totes oder krankes Tier sichten. „Der Erreger ist ein Bakterium. Er kann Hasen und Kaninchen, Nutrias und Biber, Eichhörnchen und Mäuse befallen. Auch Spaziergänger sollten tote oder erkrankte Nager auf keinen Fall anfassen“, warnt er. Erkrankte Tiere seien leicht zu erkennen: „Die wirken müde und torkeln herum, laufen nicht weg und lassen sich leicht greifen. Sie zeigen gar keine Scheu mehr.“

Hundehalter sollten ihre Hunde anleinen

Weil die Erreger sich mehrere Wochen halten, auch nachdem das Tier schon verendet ist, sollten gerade auch Hunde- und Katzenhalter aufpassen: „Durch direkten Kontakt kann der Erreger auf andere Tiere übertragen werden. Wenn ein Hund an einem toten, infizierten Hasen oder Kaninchen leckt oder knabbert, kann er anschließend seinen Hundehalter anstecken“, sagt der Revierjäger. Auch wenn die Katze eine Maus nach Hause bringe, solle man die Nager vorsichtshalber nur mit Handschuhen entsorgen.

Wie der Kreis Recklinghausen informiert, handelt es sich bei der Tularämie um keine anzeigepflichtige Seuche. Der letzte Fall im Kreis Recklinghausen trat vor neun Jahren auf, in den Nachbarkreisen gab es in den letzten Jahren einige wenige Fälle. „Menschen infizieren sich selten: In NRW waren im Jahr 2017 sechs Fälle, im Jahr 2016 nur ein Fall bekannt“, heißt es in der Pressemitteilung. Wer Kontakt mit einem potentiell kranken Tier hatte und grippeähnliche Symptome bei sich feststellt, solle einem Arzt davon berichten. Mit Antibiotika lässt sich die Krankheit gut behandeln.

Hasenpest kann mit Antibiotika behandelt werden

Beim Menschen kann die Tularämie, die durch das Bakterium Francisella tualrensis ausgelöst wird, im schlimmsten Fall zu einer Blutvergiftung (Sepsis) oder zum Tode führen. Laut dem Friedrich-Löffler-Insitut (FLI) kommt es beim Menschen in erster Linie zu hohem Fieber, Unwohlsein, Kopf-, Muskel- und Gliederschmerzen. Wird der Erreger über Infektionen der Haut aufgenommen, können sich schmerzhafte Geschwüre bilden oder die Lymphknoten schwellen an. Bei Kontakt mit der Bindehaut des menschlichen Auges kann es zu Bindehautentzündungen, Lidschwellungen, Lichtscheue, Tränenfluss und Lymphknotenschwellungen kommen.

„Wird der Erreger eingeatmet, kann es zu einer Lungenentzündung mit trockenem Husten kommen. Kontaminierte Nahrung und Getränke können Geschwüre im Rachen und an den Mandeln verursachen“, so das FLI. So hatten sich etwa 2016 sechs Personen in Rheinland-Pfalz beim Verzehr von frisch gepresstem Traubenmost mit dem Erreger infiziert, teilte das Landesuntersuchungsamt damals mit.

Besonders Jäger sind gefährdet. Es gilt: Handschuhe tragen

Wie Bernd Möllmann betont, sind auch Jäger besonders gefährdet - wenn sie beim Abbalgen der erlegten Nager keine Gummihandschuhe tragen oder mit dem Gesicht zu nahe an das Tier herangehen. „Früher war es ja verpönt, Handschuhe zu tragen“, erinnert sich der Revierjäger. „Heute ist das üblich, und auch beim Hegering Selm achten wir sehr auf Hygiene.“

Kaninchenbraten sollte gerade jetzt „gut durch“ sein

Auch wenn einem beim Thema Hasenpest der Appetit auf Kaninchenbraten vergangen sein mag: Durch Erhitzen wird der Erreger unschädlich gemacht. Das bestätigen sowohl Bernd Möllmann als auch Lena Heimers vom Kreis Recklinghausen auf Anfrage. „Man sollte das Fleisch auf jeden Fall gut durchbraten, aber das gilt für Wildfleisch sowieso“, sagt Heimers. Bernd Möllmann weist aber darauf hin, dass man bei der Zubereitung von Kaninchenfleisch vorsichtshalber Handschuhe tragen sollte. „Natürlich würden wir kein Tier essen, von dem wir wissen, dass es krank war. Aber das Tier kann sich ja erst kürzlich infiziert haben, so dass man noch keine Symptome erkennen konnte“, warnt er. Auffälligkeiten bei den inneren Organen ließen sich zwar beim Ausnehmen erkennen, aber eben erst in einem späteren Stadium der Krankheit. „Grundsätzlich sollte man bei Kaninchenfleisch sowieso vorsichtig sein“, sagt Möllmann.

Das ist die Hasenpest:
  • Die Tularämie ist zum ersten Mal Anfang des 19. Jahrhunderts im kalifornischen Bezirk Tulare bei Erdhörnchen aufgetreten, erklärt Bernd Möllmann. In den 50er-Jahren seien erste Fälle auch in Deutschland bekannt geworden.
  • In NRW hat es 2017 sechs Fälle von Tularämie gegeben, 2016 ist nur ein Fall bekannt geworden.
  • Tote Tiere kann man über die App „Tierfund Kataster“ (TFK) (im Google Play Store oder im App Store) melden.
  • Befallene Tiere sollen dem Kreis Recklinghausen unter Tel. 02361/532125 oder per E-Mail an FD39@kreis-re.de gemeldet werden.
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