Von Auto angefahren: Lüner Jäger muss schwer verletztes Rehkitz erlösen

dz„Das ist eine Riesen-Sauerei“

Neben der Dortmunder Straße hat ein Lüner Jäger am Freitag (21.) ein Reh gefunden. Es lebte, war aber schwer verletzt. Er musste es erschießen - und klagt über rücksichtslose Autofahrer.

Lünen

, 21.08.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ein paar Monate alt war das Rehkitz schon, von der Größe her gar nicht mehr von einem ausgewachsenen Tier zu unterscheiden. Als der Lüner Jäger es in den Sonnenblumen an der Dortmunder Straße auf Höhe des Buchenbergs fand, war ihm aber schnell klar, dass es nicht mehr lange leben würde. Es bewegte sich nicht mehr, lag nur rund 50 Zentimeter neben dem Weg und schaffte es offenbar nicht durch die dichten Blumen. Der Grund war schnell klar: Es hatte eine tiefe Wunde im hinteren Bereich.

Kuhne brachte seinen Hund weg, holte das Gewehr - und erlöste das Tier schließlich von seinem Leid. Er musste es erschießen: „Das Tier war schwer krank und quälte sich sicher schon wochenlang mit dieser Verletzung.“ Er ist sich sicher, dass das Reh von einem Auto angefahren worden sein muss.

Ein humpelndes Reh ist noch unterwegs

Diese Fälle gebe es immer wieder. Und immer wieder meldeten die Autofahrer diese Unfälle nicht. In Brambauer sei es vergangenes Jahr das gleiche gewesen. Und immer noch läuft momentan ein Reh durch Lünens Wälder, das durch eine Verletzung am Vorderlauf humpelt. Das scheint dieses Reh aber nicht am Weiterleben zu hindern.

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In dem aktuellen Fall ist das anders: „Manche Verletzungen heilen aus, diese hier nicht. Das war bis auf die Knochen.“ Dass Autofahrer diese Kollisionen nicht meldeten, findet er eine „Riesen-Sauerei, die Tiere quälen sich herum und gehen kaputt. Gerade jetzt im Sommer, da werden die von Maden aufgefressen.“ Rehe in diesem Alter wiegen normalerweise rund neun Kilo, dieses Exemplar schätzt er auf noch sechs.

Unfälle oft in der Nacht

In der Regel geschehen diese Unfälle nachts, sagt Kuhne, dann wechselt das Wild häufig die Straße. Im vergangenen Jahr habe es auch einen gemeldeten Wildunfall gegeben, als ein Tier die Dortmunder Straße vom Feld zum Wäldchen am Buchenberg queren wollte. Wissen die Jäger Bescheid, können sie die häufig schwer verletzten Tiere aktiv suchen und wenn nötig erlösen. So müssen die Tiere nicht, wie im aktuellen Fall, unnötig lange leiden. „Wir gehen allerdings davon aus, dass ein Großteil dieser Fälle eben nicht gemeldet werden.“

Dass Autofahrer solche Unfälle nicht melden, ist Kuhne auch deshalb unverständlich, weil mögliche Schäden am Auto durch die Versicherung nur bei Nachweis einer Meldung beglichen würden.

Die eigentliche Hochzeit solcher Unfälle beginnt übrigens erst noch: Im Herbst, wenn die Tage kürzer werden, die Tiere auf Nahrungssuche sind oder in ihre Ruhezonen zurückkehren. Jährlich werden in Deutschland deutlich über 200.000 Wildunfälle gemeldet, der Großteil davon mit Rehen.

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