Von 10 auf 100 Kinder: Offenem Ganztag fehlt für neue Vorgaben Personal

dzÖffnung ab Montag

Die Öffnung von Kitas und Schulen wird heiß diskutiert. In Vergessenheit geraten dabei die Offenen Ganztagsschulen. Sie stellt die Betreuung im Klassenverband vor besondere Probleme.

Lünen

, 11.06.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Zurzeit kommen zehn Kinder in die Notbetreuung der Offenen Ganztagsschule (OGS) der Overbergschule am Standort Lünen-Süd. Am Montag (15.6.) können es 100 werden. Denn mit der Öffnung der Grundschulen für alle Klassen, muss auch die Offene Ganztagsschule komplett startklar sein. Kevin Marquardt leitet die OGS. Sie ist die einzige in Lünen, die vom Evangelischen Kirchenkreis Dortmund getragen wird. Für ihn ist die neue Situation eine große Herausforderung. Die Vorgaben des Schulministeriums sehen vor, dass die Kinder im Klassenverband bleiben müssen. In der Offenen Ganztagsschule sind die Jahrgänge aber eigentlich gemischt.

Weder Räume, noch Personal

Für eine Betreuung im Klassenverband hat Kevin Marquardt weder Räume noch Personal. Schon jetzt kann der Altbau der Overbergschule nicht genutzt werden, weil die Abstandsregel nicht eingehalten werden kann. Daher ist die OGS ins neue Schulgebäude gezogen. Vier Mitarbeiter gehören zum Team Lünen-Süd. „Da ist die Küchenkraft schon mitgezählt“, so Marquardt. Die Situation offenbart ein Dilemma, das die Politik in den vergangenen Jahren vernachlässigt hat: Es gibt keine Personalschlüssel für Offene Ganztagsschulen. Eine Situation, die Kevin Marquardt kritisiert.

Er ist zugleich verantwortlich für die OGS am Teilstandort im Gahmen. Dort sind 60 Kinder angemeldet, sie werden ebenfalls von vier Mitarbeitern betreut, „da bin ich als Leiter eingerechnet, obwohl ich im Regelbetrieb eigentlich nicht mit dabei bin. Aber ich brauche jede Kraft.“

In Klasse kein Abstand, im Laden aber doch

Als ihn die Mail aus Düsseldorf am Freitag (5.6.) erreichte, war Kevin Marquardt entsetzt. „Ich verstehe nicht, warum da jetzt so ein Fass aufgemacht wird“, sagt er. Schließlich gebe es durch den beweglichen Ferientag am Freitag (12.6.) nur drei Vorbereitungstage. „Es war alles durchgeplant, die Eltern hatten sich daran gewöhnt. Jetzt wird wieder alles verändert. Das zermürbe. Er fühlt sich unwohl mit der neuen Vorgabe. Sie passe nicht zu den anderen Regeln. „Hier sind die Kinder im Klassenverband ohne Abstand und Mundschutz. Im Geschäft nebenan sind Abstand und Mundschutz wieder Pflicht.“

Jetzt lesen

An der Overbergschule hat es am Dienstag (9.6.) eine Konferenz mit Schulleitung und Lehrerrat gegeben. Zum Glück würden Lehrer die OGS unterstützen und mithelfen. Kevin Marquardt fordert aber einen anderen Blick der Politik: „Die OGS muss als Teil der Schule wahrgenommen werden.“ Mit festem Personalschlüssel, mit dem Bildungsarbeit geleistet werden könne. „Eine gute OGS darf keine Glückssache sein.“

Lesen Sie jetzt