Vom Sauerland ins Ruhrgebiet in vier Tagen: Spaß auf dem Ruhrtalradweg

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Aus der Natur zur Industriekultur. Spannender könnte der Kontrast nicht sein, den der Ruhrtalradweg seinen Gästen bietet. Er zählt zu den drei beliebtesten Fluss-Radwegen in Deutschland.

Schwerte

, 23.07.2020, 11:30 Uhr / Lesedauer: 4 min

Wenn wieder Fahrräder mit dicken Packtaschen am Gepäckträger über das Pflaster ihres Marktplatzes rumpeln, dann wissen die Schwerter: Da sind bestimmt wieder Gäste vom Ruhrtalradweg unterwegs. Die Hansestadt an der Ruhr liegt so ziemlich in der Mitte der 240 Kilometer langen Route, die den Fluss von seiner Quelle am Ruhrkopf bei Winterberg bis zu seiner Mündung in den Rhein in Duisburg begleitet. Eine hochaufragende, mächtige Stahlbramme - „Ruhrorange“ genannt - markiert die Stelle. Und weist gleichzeitig auf den besonderen Reiz dieses Fernweges hin: Aus der unberührten Natur des Sauerlandes geht es mitten hinein ins Ruhrgebiet mit seinen Stätten der Industriekultur. Größer könnte der Kontrast nicht sein, der in wenigen Tagen zu erleben ist.

Üblicherweise wird die Strecke in vier Tagesetappen bewältigt

„Die meisten machen den Ruhrtalradweg in vier Etappen“, sagt Schwertes Touristik-Beauftragter Uwe Fuhrmann. Am ersten Tag geht es von der Ruhrquelle bis nach Arnsberg. An den nächsten Tagen folgen die Teilstrecken Arnsberg-Schwerte, Schwerte-Hattingen und Hattingen-Duisburg. „Das sind immer 50 bis 60 Kilometer pro Tagesetappe“, erklärt Uwe Fuhrmann. Das sei auch für Ungeübte gut zu bewältigen. Im Zweifel könne man die Abschnitte auch verkürzen und eine Übernachtung mehr einplanen.

In Schwerte lohnt sich ein kleiner Abstecher vom Ruhrtalradweg, um am Marktplatz die St.-Viktor-Kirche oder eines der Lokale zu besuchen.

In Schwerte lohnt sich ein kleiner Abstecher vom Ruhrtalradweg, um am Marktplatz die St.-Viktor-Kirche oder eines der Lokale zu besuchen. © Reinhard Schmitz

Auf jeden Fall - so empfiehlt der Tourismus-Profi - solle man aber Zeit einplanen für ein paar Abstecher unterwegs: „Zum Beispiel zum Fußballmuseum in Dortmund, zum Bergbaumuseum in Bochum oder zur Zeche Zollverein in Essen.“

Auch das Eisenbahnmuseum in Bochum-Dahlhausen liege an der Strecke: „Das ist nur ein Klacks.“ Im gleichen Atemzug wirbt Uwe Fuhrmann natürlich auch für die eigene Stadt. Sein Tipp: Eine Runde durch die Altstadt mit ihren Fachwerkhäuschen sowie Besuche in der Viktorkirche am Markt mit dem goldenen Schnitzaltar und der historischen Senfmühle an der Rohrmeisterei: „Wenn die geöffnet sind.“ Das ist normalerweise an den Markttagen mittwochs und samstags der Fall.

Rund 800.000 Tagesausflügler benutzen die Route im Jahr

„Der Ruhrtalradweg ist seit Jahren unter den ersten Zehn der flussbegleitenden Fernradwege in Deutschland“, berichtet Uwe Fuhrmann. Vor ihm rangierten in der Beliebtheitsskala nur noch die Verbindungen entlang der Elbe und der Weser, die aber schon viel länger am Start seien. In Zahlen kann das Jochen Schlutius von der Ruhr-Tourismus GmbH belegen. Bei der aktuellsten Erhebung für 2016 wurden auf der Route rund 800.000 Tagesauflügler und 160.000 Übernachtungen gezählt.

Idyllische Rastplätze finden sich immer wieder entlang des Ruhrtalradwegs - wie hier in Schwerte-Mitte unterhalb der Rohrmeisterei.

Idyllische Rastplätze finden sich immer wieder entlang des Ruhrtalradwegs - wie hier in Schwerte-Mitte unterhalb der Rohrmeisterei. © Reinhard Schmitz

Der Ruhrtalradweg wurde im Jahre 2006 auf der Zeche Nachtigall im Wittener Muttental mit einem Festakt eröffnet. „Da war ich dabei gewesen“, erzählt Uwe Fuhrmann. Entstanden sei das touristische Highlight in Zusammenarbeit von Sauerland-Tourismus e.V. und Ruhr-Tourismus GmbH. Es seien „viele dicke Bretter zu bohren“ gewesen, bis es Wirklichkeit werden konnte. Denn immerhin mussten rund 20 Städte, Gemeinden und Kreise mitspielen, die entlang der Route berührt werden. Ab Neheim-Hüsten und Wickede wandelt die sich zu einer Flachetappe, die höchsten Erhebungen sind dann vom Kaliber des Ochsenhügels in Schwerte-Wandhofen, der ein paar Meter über das Flussufer hinausschaut.

Nur 15 Prozent der Gesamtstrecke führen an Straßen entlang

Nicht nur an dieser Stelle können die Radfahrer ungestört vom Autoverkehr ihren Tag genießen. Das ist eigentlich typisch für den Ruhrtalradweg. „Circa 50 Prozent der Gesamtstrecke sind reine Radwege“, berichtet Uwe Fuhrmann. Auf weiteren 35 Prozent würden Wirtschaftswege benutzt. Und nur 15 Prozent der Route führten entlang von Straßen - in Schwerte sogar nirgendwo auf den 11,32 Kilometern durch die Stadt. Von Iserlohn kommend, erreicht man sie am Restaurant Gutshof Wellenbad im Ortsteil Geisecke. Achtung: Der schnurgerade Wasserlauf zur Linken ist dann nicht der Fluss, sondern der Ruhrfeldgraben, eine Anlage der Wasserwerke Westfalen.

Das Türmchen-Café am Bootshaus in Schwerte lockt direkt am Ruhrtalradweg zu einer Rast.

Das Türmchen-Café am Bootshaus in Schwerte lockt direkt am Ruhrtalradweg zu einer Rast. © Reinhard Schmitz

An der Altstadt und dem Wasserschlösschen Haus Ruhr (heute eine Kunstakademie) vorbei geht es dann zum Ortsteil Westhofen, wo man unter der Autobahn A1 hindurch auf Dortmunder Gebiet wechselt, nicht weit entfernt vom Hengsteysee. Unterwegs werden die Bundesstraße B236, die Autobahn A45 und die Eisenbahnlinie nach Hagen bequem mit Unterführungen gekreuzt.

Aus dem grünen Sauerland zur Industriekultur: In Hattingen führt der Ruhrtalradweg vor der Kulisse der Henrichshütte vorbei.

Aus dem grünen Sauerland zur Industriekultur: In Hattingen führt der Ruhrtalradweg vor der Kulisse der Henrichshütte vorbei. © RuhrtalRadweg/Dennis Stratmann

Wer Hunger oder Durst verspürt und es eilig hat, braucht nicht einmal unbedingt einen Schwenker zu den Gastronomien in der Innenstadt zu machen. Direkt am Wege liegen der Gutshof Wellenbad (geöffnet dienstags bis samstags von 18 bis 23 Uhr, sonntags von 12 bis 15 und 18 bis 23 Uhr) und das Bootshaus in Schwerte-Mitte (täglich außer montags ab 11 Uhr). Auf der Terrasse vor dem markanten Türmchen serviert Wirtin Susan Klemt dort Kuchen und Waffeln, Pommes und Currywurst oder den legendären Toast Hawaii. Außerdem gibt es Eis aus der Truhe.

Matschige Abschnitte wurden mit Asphalt befestigt

„Der Ruhrtalradweg wurde in den vergangenen 14 Jahren Zug um Zug weiterentwickelt“, sagt Uwe Fuhrmann: „Das ist eine mehr als sinnvolle und ertragreiche Angelegenheit.“ In Schwerte beispielsweise hat die für die Straßenunterhaltung zuständige Stadtentwässerungs-Gesellschaft auf 4,9 Kilometern matschige Abschnitte mit Asphalt befestigt und alle sechs Holzbrücken über Bäche erneuert. Außerdem wurden an etlichen Stellen Ruhebänke und kleine Rastplätze angelegt.

Touristisches Vorzeigeprojekt für die Stadt Schwerte

Die Besucher im Sattel sollen sich wohlfühlen. „Mittlerweile ist der Ruhrtalradweg unser touristisches Vorzeigeprojekt geworden“, berichtet Uwe Fuhrmann. Die Route habe viel dazu beigetragen, Gäste in die Stadt zu locken. Manche bleiben auch für eine Nacht, um Kraft für die nächste Etappe zu tanken. „Im Moment sind die Radler der größte Anteil an Gästen, da Geschäftsreisende noch nicht kommen und Hochzeiten dieses Jahr fast alle verschoben sind“, sagt beispielsweise die Inhaberin des alt-ehrwürdigen Hotels Reichshof am Bahnhof Schwerte, Jutta Max. Ihr Haus verfügt extra über eine Fahrradgarage mit Lademöglichkeit. Das wird honoriert: „Es gibt eine Reihe von ,Wiederholungstätern´ - meist aus dem Ruhrgebiet oder Sauerland. Die machen dann mal eben einen Kurzurlaub vor der Haustür.“ Mal kämen sie mit ihren Kumpels, mal mit ihrer Ehefrau. Andere wiederum führen die Strecke für eine größere Gruppe im voraus ab. Laut Befragung der Ruhr Tourismus liegt Schwerte in der Rangliste der meistgebuchten Übernachtungsorte auf Platz 7. 13 Prozent der Radwanderer bleiben dort.

An der Rheinorange endet nach 240 Kilometern der Ruhrtalradweg am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein in Duisburg.

An der Rheinorange endet nach 240 Kilometern der Ruhrtalradweg am Zusammenfluss von Ruhr und Rhein in Duisburg. © RuhrtalRadweg/Dennis Stratmann

Gerade jetzt in Coronazeiten machen einige den Plan Ruhrtalradweg wahr, den sie schon immer vor hatten, weiß Uwe Fuhrmann. Meistens sind es dann Spontanurlauber, die in seine Touristik-Information im historischen Wuckenhof, Kötterbachstraße 2, kommen, weil sie eine Übernachtungsmöglichkeit suchen. „Ich hätte nie gedacht, dass das hier so schön grün ist“, hört er immer wieder von Menschen aus anderen Bundesländern. Auch Holländer schwingen sich an der Ruhr gern in den Sattel.

An der Burgruine Hardenstein gibt es extra eine Radfähre

Neben allerlei Broschüren und anderem Informationsmaterial hat der erfahrene Touristik-Beauftragte immer Tipps auf Lager. Welche Teilstrecke des Ruhrtalradwegs er für die schönste hält? „Ich behaupte, der Abschnitt von Schwerte nach Hattingen“, sagt er: „Da passiert hinter jeder Ecke etwas Neues.“ Es gehe am Hengsteysee und Harkortsee vorbei. Und der Höhepunkt sei die Burgruine Hardenstein, wo man mit einer eigenen Radfähre über den Fluss übersetzen kann.

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