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Vom einfachen Holzbrett bis zur Halle

Ausbildung im Zimmerer-Handwerk

Die Arbeit mit Holz steht für Zimmerer an erster Stelle, so auch für den 16-jährigen Auszubildenden Nils Wehmeier. Er hat sich jedoch eine besondere Sparte in diesem Berufszweig ausgesucht.

19.06.2020, 13:02 Uhr / Lesedauer: 2 min
An der Arbeit mit dem Werkstoff Holz hat Nils schon früh Gefallen gefunden.

An der Arbeit mit dem Werkstoff Holz hat Nils schon früh Gefallen gefunden. © Starb

Die unterschiedlichen Handgriffe sitzen gekonnt: Mit einem festen Griff packt Nils Wehmeier das Holzbrett und wuchtet es sicher auf seine Schulter. Schnell hat er die wenigen Schritte zwischen dem Lager und seinem Arbeitsplatz zurückgelegt, wo die Bretter anschließend zur Weiterverarbeitung vorbereitet werden.

Es ist diese Arbeit mit dem Werkstoff Holz, die auf Nils schon lange eine Faszination ausübte – eine Faszination, die letztendlich so groß war, dass der 16-Jährige die Arbeit mittlerweile zu seinem Beruf gemacht hat. „Ich hatte schon ein Praktikum als Tischler gemacht, wollte aber größere Dinge bauen. Da bin ich dann auf den Zimmerer-Beruf gekommen“, beschreibt Nils die ersten Schritte auf dem Weg zu seiner Ausbildung.

„Es war die richtige Entscheidung“
Nils Wehmeier, Auszubildender

Bestärkt durch ein weiteres Praktikum, diesmal dann im späteren Ausbildungsbetrieb, und Erfahrungen in der Verwandtschaft stand schnell fest, dass es der Beruf des Zimmerers werden soll. Seit gut einem Jahr ist Nils als Auszubildender bei Timmermann Hallenbau in Kamen tätig – und hat sich mit seiner Wahl für einen besonderen Bereich des Zimmereihandwerks entschieden. Denn wo die meisten Menschen den Beruf des Zimmerers mit Arbeiten am Dachstuhl oder an Fachwerkstrukturen verbinden, stehen in seiner Arbeitwelt große Hallen im Vordergrund.

Aus Brettern werden große Balken

Errichtet werden diese Hallen in der Holzleimbauweise – und das erfordert viel Vorbereitung, bevor die ersten Arbeiten auf der Baustelle überhaupt beginnen können. „In der Regel fange ich um 7 Uhr an, wenn ich hier im Betrieb arbeite. Dann stellen wir die Balken her, die wir für die Hallen brauchen“, berichtet Nils.

Herstellen bedeutet in diesem Fall ein mehrteiliges Verfahren. Die Bretter, die als Ausgangsmaterial dienen, werden zunächst gehobelt, an schließend miteinander verleimt und in einem letzten Arbeitsschritt passend für die jeweiligen Anforderungen zugeschnitten. Mit maschineller Unterstützung entsteht so aus einzelnen Brettern Schritt für Schritt Brettschichtholz, das für die Grundstruktur der späteren Hallen genutzt wird.

Was auf diese Weise möglich ist, erläutert Firmeninhaber Frank Timmermann: „Wir können hier Balken von 22 Metern Länge herstellen. Dann ist die Maximallänge unserer Halle erreicht.“

Neben der Arbeit an den Maschinen dreht sich die Ausbildung für Nils aber auch noch um einen zweiten großen Aspekt: die Montage der Hallen. Denn wo andere Betriebe beispielsweise nur das Brettschichtholz für verschiedene Zwecke fertigen, steht in seinem Ausbildungsbetrieb das Gesamtprodukt im Fokus.

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Traumberufe: Zimmerer

Und diese Gesamtprodukte dienen verschiedensten Zwecken. Da sie durch die Holzleimbauweise ohne Mittelstütze auskommen, eignen sie sich besonders gut für Reithallen, in denen jene Stützen den Sport behindern würden. Aber auch für Produktionsstätten oder Lagerhallen bietet sich diese Herangehensweise an.

Daher durfte Nils auch in dieser Hinsicht schon Erfahrungen sammeln. „In Selm habe ich mitgeholfen eine Lagerhalle zu errichten“, berichtet er. Nach knapp einem Jahr im Ausbildungsalltag hat sich seine anfängliche Begeisterung für den Beruf übrigens nicht geändert. „Es war die richtige Entscheidung“, hat Nils für sich die richtige Wahl getroffen.

Ein Beruf mit vielen Facetten

Mag der konkrete Bereich, in dem Nils nun arbeitet, auch etwas ungewöhnlicher sein, ist die Vielfalt beim Beruf des Zimmerers der Alltag. „Viele Betriebe haben sich auf einzelne Bereiche spezialisiert, die aber alle zum Berufsbild des Zimmerers gehören“, erklärt Friedrich Korte, Obermeister der Zimmerei-Innung Hellweg-Lippe.

Die Traumberufe auf Facebook

So gibt es Betriebe, die eher Dachstuhlarbeiten übernehmen, andere wiederum haben sich auf die Fertigung von Holz-Carports spezialisiert – oder eben auf den Hallenbau. „Es gibt auch Betriebe, die sich ausschließlich mit der Sanierung von Kirchendachstühlen befassen“, berichtet Korte. Auf diese Weise lässt sich innerhalb des Berufsfeldes ein Bereich finden, der den eigenen Interessen am nächsten kommt.

Das Handwerk in Zahlen und Fakten


  • Holzbauweisen werden in Deutschland immer beliebter. 2019 lag der Anteil an den Genehmigungen für Wohnneubauten bei 18,7 Prozent.
  • Im Bereich der Nichtwohngebäude war die Beliebtheit sogar noch etwas höher und lag bei 19.5 Prozent.
  • Deutschlandweit gab es Ende 2019 11.622 Betriebe im Bereich des Zimmerer- und Holzbaugewerbes.
  • Unter den 69.651 Beschäftigten waren 7606 Auszubildende. Deren Zahl stieg in den vergangenen Jahren kontinuierlich an. Rund 2000 der Auszubildenden befinden sich derzeit noch in ihrem ersten Lehrjahr.
  • Die Ausbildungsdauer für den Beruf des Zimmerers beträgt drei Jahre.
  • Die monatliche Ausbildungsvergütung beträgt im Bereich der Zimmerer-Innung Hellweg-Lippe 850 Euro im ersten Lehrjahr. Im folgenden Jahr steigt dieser auf 1200 Euro, im dritten Lehrjahr beträgt er dann 1475 Euro.
  • In den 37 Mitgliedsbetrieben der Innung Hellweg-Lippe lernen derzeit 48 Auszubildende die nötigen Handgriffe für ihren Beruf. 16 von ihnen befinden sich derzeit noch in ihrem ersten Lehrjahr.
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