Corona belastet Vodafone: Funkturm-Börsengang in Frankfurt

Wie viele Unternehmen wird auch Vodafone von der Corona-Krise getroffen. Doch in einem wichtigen Markt gibt es guter Neuigkeiten.

24.07.2020, 09:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der britische Telekommunikationskonzern Vodafone hat im abgelaufenen Quartal wegen der Corona-Krise in vielen europäischen Ländern deutliche Einbußen einstecken müssen. Insbesondere in den von der Pandemie schwer getroffenen Ländern Italien, Spanien und Großbritannien kam es zu teils deutlichen Rückgängen. In Deutschland, Vodafones größtem Einzelmarkt, hielten sich die Erlöse aus eigener Kraft dagegen stabil. Vodafone-Chef Nick Read will die Investoren mit dem geplanten Börsengang der europäischen Funkturmsparte im kommenden Frühjahr in Frankfurt aber bei Laune halten. Die Aktie sackte in London jedoch spürbar ab.

In Deutschland seien die Auswirkungen der Corona-Krise in Deutschland aber begrenzt gewesen, hieß es. Weil die Anzahl der Kabel-Abonnenten um 74 000 stieg und sich zunehmend mehr Kunden für schnellere Internetgeschwindigkeiten entschieden, konnte Vodafone Deutschland den organischen Rückgang der Umsätze im Mobilfunk um 3 Prozent wettmachen. Inklusive der Effekte aus der Übernahme des Kabelanbieters Unitymedia kletterte der Service-Umsatz - also ohne den Verkauf von Endgeräten wie Handys und Tablets - hierzulande gar um ein Viertel auf 2,84 Milliarden Euro.

Weltweit ging der Service-Umsatz auf vergleichbarer Basis um 1,3 Prozent zurück, wie das Unternehmen am Freitag mitteilte. In den vergangenen Quartalen hatte Vodafone noch einen starken Trend nach oben mit Wachstumsraten von zuletzt 1,6 Prozent aufzuweisen. Insgesamt rutschten die Erlöse auf Konzernebene um 1,4 Prozent auf 10,51 Milliarden Euro ab. Um Zu- und Verkäufe sowie um Wechselkursschwankungen bereinigt wäre es sogar ein Minus von 2,8 Prozent gewesen.

Bei dem seit rund einem Jahr angepeilten Börsengang der Funkturmsparte konnte sich die Frankfurter Börse gegen den Rivalen London durchsetzen. „Dass nach Siemens Energy nun auch Vodafone für Vantage Towers einen Börsengang in Frankfurt plant, ist ein starkes Signal für den deutschen Kapitalmarkt, über das ich mich sehr freue“, sagte Deutsche-Börse-Chef Theodor Weimer.

Das neue Unternehmen Vantage Towers umfasst mehr als 68 000 Masten aus neun Ländern, rund 19 400 davon in Deutschland. Die Sparte hatte den Angaben zufolge im vergangenen Geschäftsjahr (Ende März) ein bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 680 Millionen Euro aufzuweisen. Es bestehe die Möglichkeit, auch den Anteil an der britischen Funkturmfirma CTIL einzubringen, was bis zu 70 Millionen Euro operatives Ergebnis zusätzlich bedeuten würde.

Auch anhand des operativen Ergebnisses wird am Finanzmarkt eine Firma bei Verkauf oder Börsengang bewertet. Vodafone strebte laut früheren Berichten der Nachrichtenagentur Bloomberg eine Bewertung von bis zu 20 Milliarden Euro an - das könnte nun aber weniger werden.

Bei der Funkturmsparte handelt es nicht um die „aktiven“ Sendeanlagen, sondern nur um die Funkmasten an sich und deren Standorte auf Hausdächern oder Grundstücken. Der Verkauf von Standorten hilft Telekomkonzernen dabei, ihre Bilanzen zu entlasten und Geld für Investitionen etwa in das neue schnelle 5G-Mobilfunknetz einzusammeln - im Gegenzug zahlen die Netzbetreiber dann Miete an die Eigentümer der Standorte. Die Deutsche Telekom hatte ihre Funktürme schon vor vielen Jahren in eine eigene Gesellschaft eingebracht, ist aber noch alleinige Besitzerin.

Weitere Meldungen
Meistgelesen