Virologe: Schulen nicht zu früh wieder öffnen

Knapp zwei Wochen lang sind die Schulen in NRW in der Corona-Krise noch geschlossen - mindestens. Ein Virologe und Berater der Landesregierung mahnt zu Geduld. Doch was bedeutet das für die Schüler?

06.04.2020, 09:20 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Virologe Hendrik Streeck warnt davor, die Schüler in der Corona-Krise zu schnell wieder in den gemeinsamen Unterricht zu schicken. „Wenn wir die Schulen zu früh wieder öffnen, schaffen wir womöglich einen Multiplikator für das Virus, der dann wieder gefährlich sein kann“, sagte der Direktor des Bonner Instituts für Virologie der „WAZ“ (Montag). Die Landeselternkonferenz sprach sich dafür aus, im Zweifel lieber die Abiturprüfungen ausfallen zu lassen und zuerst die jüngeren Schüler zurück in die Klassenräume zu holen. Diese Kinder seien auf Hilfe von Lehrern viel stärker angewiesen, argumentierte der Verband.

Streeck sagte, er könne der Politik derzeit noch keinen fundierten Rat geben, ob der angepeilte Beginn des Schulbetriebs nach den Osterferien am 20. April realistisch sei. „Es ist nicht leicht, das Risiko zu berechnen“, sagte Streeck. Vor allem fehlten sichere Erkenntnisse, „wie oft Kinder ihre Eltern und Großeltern unbemerkt anstecken“. Streeck untersucht derzeit im Auftrag der NRW-Landesregierung, wie sich das Coronavirus im besonders betroffenen Kreis Heinsberg ausgebreitet hat. Als Mitglied im „Expertenrat Corona“ berät er die nordrhein-westfälische Regierung in der Krise.

Wegen der Pandemie hat die Landesregierung alle Schulen in NRW bis zum 19. April geschlossen. Wie es nach diesem Datum weitergeht, soll am 15. April feststehen. Eine weitere Verlängerung der Schulschließungen könnte Auswirkungen auch auf die Abiturprüfungen haben.

„Sollte ein Schulstart nach den Osterferien nicht möglich sein, müssen wir neu nachdenken“, sagte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montag). Die Prüfungen weiter in den Sommer zu verschieben, sei keine Option. Der Beginn der Sommerferien lasse eine weitere Verschiebung nicht zu. Gebauer verwies zugleich darauf, dass sich die Kultusminister der Länder Ende März darauf verständigt haben, dass die Abschlussprüfungen trotz der Corona-Krise in ganz Deutschland stattfinden sollen.

Die nordrhein-westfälische Landeselternkonferenz (LEK) ist überzeugt, dass nach den Osterferien allenfalls ein Schulbetrieb mit starken Einschränkungen losgehen könne. Dann stelle sich die Frage, bei welchen Schülergruppen man die Prioritäten setze. Einen Fokus auf die Abiturprüfungen hält die LEK-Vorsitzende Anke Staar für den falschen Weg. „Vor allem muss es dann um die Jüngeren gehen. Wer jetzt nicht Schreiben, Lesen und Rechnen lernt, den verfolgt das sein ganzes Leben.“ Die Abiturienten hätten hingegen schon zwei Drittel ihrer Leistungen für die Abi-Note erbracht - die abschließende Abiturprüfung sei deshalb eher verzichtbar, sagte Staar.

Die Lehrergewerkschaft GEW mahnte hingegen, die Vereinbarungen der Kulturministerkonferenz müssten beim NRW-Abitur unbedingt eingehalten werden. Damit sei sichergestellt, dass der Abschluss auch in den anderen Bundesländern anerkannt werde. Für die Abiturprüfungen sei es auch nicht entscheidend, ob die Schulen am 20. April wieder regulär öffnen, sagte Landesgeschäftsführer Michael Schulte. „Den Abiturienten fehlt fast nichts an Unterrichtsstoff. Diese Altersgruppe ist außerdem in der Lage, selbstständig und mit Onlinehilfsmitteln zu arbeiten.“

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