Virologe kritisiert Aussagen von Lauterbach zu Covid-19: „Können zu einer Corona-Müdigkeit führen“

Coronavirus

Der Virologe Schmidt-Chanasit übt scharfe Kritik an Karl Lauterbach. Dessen Aussagen seien zum Teil falsch. Auch die Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle hält der Virologe für unbegründet.

09.07.2020, 22:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit übt scharfe Kritik an Karl Lauterbach.

Der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit übt scharfe Kritik an Karl Lauterbach. © picture alliance/dpa

Immer häufiger äußert sich der SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach in den Medien oder den sozialen Netzwerken zu aktuellen Entwicklungen der Corona-Pandemie. So hatte er vor wenigen Tagen auf Twitter davor gewarnt, dass Sars-CoV-2-Infizierte ohne Mundschutz in der Lage seien, Waren im Supermarkt zu kontaminieren.

Diese und andere Aussagen des SPD-Politikers kritisierte der Virologe Prof. Jonas Schmidt-Chanasit vom Hamburger Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin im Interview mit dem „Hamburger Abendblatt“ scharf. Lauterbach betreibe derzeit eine „dysfunktionale Dramatisierung“. „Solche Äußerungen führen zu einer Daueraufgeregtheit und können zu einer Corona-Müdigkeit führen“, sagte Schmidt-Chanasit. „Und das ist hochgefährlich.“

Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle unangemessen

Der Virologe verweist hinsichtlich der Corona-Übertragung durch Lebensmittel auf das Bundesinstitut für Risikobewertung. Dieses schließt eine Schmierinfektion aus: „Für eine Übertragung des Virus durch Kontakt zu kontaminierten Gegenständen oder über kontaminierte Oberflächen, wodurch nachfolgend Infektionen beim Menschen aufgetreten wären, gibt es derzeit keine belastbaren Belege.“

Auch Lauterbachs Warnungen vor einer zweiten Corona-Welle hält Schmidt-Chanasit für unangemessen. „Ich halte es für falsch, immer mit dieser zweiten Welle zu drohen“, sagte er. „Das macht die Leute verrückt, wie gesagt, so etwas sorgt für Corona-Müdigkeit.“ Derzeit hält der Virologe eine zweite Welle für unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich.

Maskenpflicht im Einzelhandel teilweise berechtigt

Zu Lauterbachs Forderungen, die Maskenpflicht im Einzelhandel noch beizubehalten, merkte Schmidt-Chanasit an: „Wenn ich den Zugang so regele, dass entsprechend wenig Leute im Geschäft sind, die die Abstände dann einhalten, ist eine Maske auch nicht sinnvoll.“

Auch eine allgemeine flächendeckende Maskenpflicht lehnt der Virologe ab. „Es ist nur dort sinnvoll, Masken zu verwenden, wo der Abstand nicht eingehalten werden kann“, sagte er. „Daher kann ich auch die Diskussion, die jetzt gerade geführt wird, ein Stück weit nachvollziehen.“

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