Wohnen hinter alten Mauern, aber mit modernem Komfort ist gefragt. Im Nu waren fast alle Wohnungen der Villa Bolte vermietet. Nur eine ist noch frei - für Menschen mit besonderem Geschmack.

Cappenberg

, 01.03.2020, 20:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Anfang März werden immer wieder Umzugswagen in Richtung Baltimora rollen - aus Lünen und Umgebung, aber auch aus Berlin und Norddeutschland. Ihr Ziel: die 110 Jahre alte Villa Bolte am Rand des Cappenberger Waldes. Nach 15 Monaten Bauzeit ist die herrschaftliche Jugendstilvilla, in der zuletzt das Kurzzeitpflegeheim der Caritas untergebracht war, bezugsfertig und bereit für neues Leben.

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Villa Bolte auf Cappenberg

Die 110 Jahre alte Villa Bolte ist ab März 2020 bezugsfertig. Nur eine Wohnung im Haupthaus ist Noch nicht vermietet. Wer sich dafür interessiert, muss alte Möbel lieben.
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Ein Blick vom Park aus auf die 110 Jahre alte Villa Mit ihren jüngeren Nebengebäuden.© Sylvia vom Hofe
Ein Blick In den Park.© Sylvia vom Hofe
Historische Klinken wurden erhalten.© Sylvia vom Hofe
Nahezu jede Wohnung verfügt über eiingebaute Schränke aus der Zeit Otto Boltes.© Sylvia vom Hofe
Topmodern sind die neuen Badezimmer.© Sylvia vom Hofe
Nachdem der Teich im hinteren Bereich des Grundstücks Jahre lang trocken war, steht jetzt darin wieder Wasser, den das Regenwasser wird dort eingeleitet.© Sylvia vom Hofe
Der ehemallige Bettenaufzug ist jetzt Treppenhaus.© Sylvia vom Hofe
Klemens Nottenkemper mit seinem Enkel vor dem ehemaligen Haupteingang.© Sylvia vom Hofe
Die Villa Nolte steht unter Denkmalschutz.© Sylvia vom Hofe
Im Salon des Haupthauses stehen noch alte Möbel.© Sylvia vom Hofe
Diese Wohnung im Erdgeschoss ist noch nicht vermietet. Wer sich dafür interessiert, muss slte Einrichtungsgegenstände wertschätzen.© Sylvia vom Hofe
Klemens Nottenkemper mit seinem Enkel auf einem der neuen Balkone.© Sylvia vom Hofe
Die Handwerker sind im Endspurt.© Sylvia vom Hofe
Vom Salon ist inzwischen ein Teil abgetrennt: für ein Schlaf- oder Arbeitszimmer.© Sylvia vom Hofe
Dweer Hingucker des Hauses: ein Kamin aus dem 16. Jahrhundert, den der offenbar kunstgeschichtlich interessierte Bolte besorgt hatte.© Sylvia vom Hofe
Die alte Hängebuche prägt den Park zwischen Villa und Wald.© Sylvia vom Hofe
Balkone und Dachhterrassen bieten jedem Mieter mindestens eine Möglichkeit, draußen zu sitzen.© Sylvia vom Hofe
Hier können künftig Fahrräder abgestellt und E-Bikels aufgeladen werden. Eine zusätzliche Möglichkeit besteht im Keller.© Sylvia vom Hofe
Die eingebauten Schränke, die einst Otto Bolte in Autrag gegeben hat, gibt es immer noch.© Sylvia vom Hofe
Eine Sitzecke, von der aus der Blick auf die Straße fällt: Sie ist bereits 110 Jahre alt und jetzt Teil einer der neun Wohnungen.© Sylvia vom Hofe
Typisch Denkmal: die Bögen.© Sylvia vom Hofe
Ein Blick In den Park.© Sylvia vom Hofe
Historische Klinken wurden erhalten.© Sylvia vom Hofe
Nahezu jede Wohnung verfügt über eiingebaute Schränke aus der Zeit Otto Boltes.© Sylvia vom Hofe
Topmodern sind die neuen Badezimmer.© Sylvia vom Hofe
Nachdem der Teich im hinteren Bereich des Grundstücks Jahre lang trocken war, steht jetzt darin wieder Wasser, den das Regenwasser wird dort eingeleitet.© Sylvia vom Hofe
Der ehemallige Bettenaufzug ist jetzt Treppenhaus.© Sylvia vom Hofe
Klemen Nottenkemper mit seinem Enkel vor dem ehemaligen Haupteingang.© Sylvia vom Hofe
Die Villa Nolte steht unter Denkmalschutz.© Sylvia vom Hofe
Im Salon des Haupthauses stehen noch alte Möbel.© Sylvia vom Hofe
Diese Wohnung im Erdgeschoss ist noch nicht vermietet. Wer sich dafür interessiert, muss slte Einrichtungsgegenstände wertschätzen.© Sylvia vom Hofe
Die Handwerker sind im Endspurt.© Sylvia vom Hofe
Vom Salon ist inzwischen ein Teil abgetrennt: für ein Schlaf- oder Arbeitszimmer.© Sylvia vom Hofe
Der Hingucker des Hauses: ein Kamin aus dem 16. Jahrhundert, den der offenbar kunstgeschichtlich interessierte Bolte besorgt hatte.© Sylvia vom Hofe
Ein Detail des Kamins.© Sylvia vom Hofe
Ein Detail des Kamins.© Sylvia vom Hofe
Die Kacheln zeigen zum Teil biblische Motive.© Sylvia vom Hofe
In der Villa Bolte.© Sylvia vom Hofe
Vor dem historischen Kamin sind diese Steine kunstvoll verlegt.© Sylvia vom Hofe
Noch mehr Kacheln - dieses Mmal im Friesenzimmer.© Sylvia vom Hofe
Die Bleiglasfenster sind zurzeit nich hinter Schutzfolien verborgen.© Sylvia vom Hofe
Die Kacheln geben dem Friesenzimmer seinen Namen.© Sylvia vom Hofe
Die Vertäfelung und die Sitzecke sind älter als die Villa.© Sylvia vom Hofe
Fenster im Haus.© Sylvia vom Hofe
Ein Ornament der Vertäfelung.© Sylvia vom Hofe
Hier hat der Kunsthandwerker das Datum der Fertigstellung hinterlassen.© Sylvia vom Hofe
Wieder eine der betagten Türklinken: ein Kleinod der Ausstattung.© Sylvia vom Hofe
Auch in einem dritten Zimmer des Haupthauses finden sich Feuerstelle und Platten.© Sylvia vom Hofe
Der Wächter des einstigen Haupteingangs.© Sylvia vom Hofe
So sieht die Villa von der Straße Baltimora aus.© Sylvia vom Hofe
Der Eigentümer hat Carports aufstellen lassen.© Sylvia vom Hofe

„Die neuen Wohnungen waren im Nu weg“, sagt Klemens Nottenkemper aus Lünen, seit 2018 Eigentümer der historischen Villa. Naturliebhaber jeden Alters seien die künftigen Neu-Cappenberger: Alleinstehende ebenso wie Paare und junge Familien. Das Durchschnittsalter der Mieter liege bei nicht ganz 40 Jahren.

Lieber langfristige Mietverhältnisse als Spitzenmieten

Über die Höhe der Miete für die neun Wohnungen - alle haben Dachterrasse oder Balkon oder manchmal beides - will Nottenkemper nicht öffentlich reden. Sie liegt aber unter der von manchem Neubau: „Ich habe Interesse, dass die Mieter langfristig bleiben und es keinen dauernden Wechsel gibt“, sagt er.

Nottenkemper kennt sich aus in der Wohnungsbranche. Fünf Jahre ist es her, dass der gebürtige Olfener, der in Lünen lebt, mit 65 Jahren in den Ruhestand wechselte.

Ein Berufsleben für den Wohnungs- und Städtebau

Hinter ihm lag damals ein Berufsleben für den Wohn- und Stadtbau. 19 Jahre lang hatte er das gleichnamige städtische Unternehmen in Münster geleitet, zuvor war er seit Beginn der 1970er-Jahre Chef der Wohnungsgenossenschaft Lünen: eine Arbeit, die er immer geliebt hat, „insbesondere, wenn es darum ging, im Bestand umzubauen“, sagt er.

Klemens Nottenkemper mit seinem Enkel vor dem Haupteingang, der heute nur noch einer von mehreren Eingängen ist.

Klemens Nottenkemper mit seinem Enkel vor dem Haupteingang, der heute nur noch einer von mehreren Eingängen ist. © Sylvia vom Hofe

Ob die Umnutzung von ehemaligen Kirchen oder Kasernen: „Solche Projekte sind immer spannende Herausforderungen“ - so wie jetzt auch der Umbau der Villa Bolte in Cappenbergs bester Wohnlage. Etwas mehr als 110 Jahre zuvor erfüllte sich dort ein anderer Mann einen Wohn-Traum: Otto Bolte, Nagelfabrikant aus Dortmund.

Die Handschrift gefragter Architekten

Er hatte das Architekturbüro D. & K. Schulze aus Dortmund beauftragt mit dem Bau eines großzügigen Landhauses mit Reitställen und Wagenhalle. Die Brüder Schulze haben auch an anderer Stelle in der Region ihre architektonische Handschrift hinterlassen: unter anderem in Selm mit dem Amtshaus Bork, der Zeche Hermann und der Hermann-Siedlung und in Lünen mit der Victoria-Siedlung und dem Freiherr-vom Stein-Gymnasium.

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Noch bevor ihr Capppenberger Auftraggeber mit seiner Familie in die Villa einzog, stand fest, wie sie heißen sollte: Baltimora - wie die US-amerikanische Stadt, die der Industrielle kurz zuvor besucht hatte.

Historische Details in allen Wohnungen

Boltes Geschichte zu kennen, ist keine Voraussetzung, um sich in seiner Villa wohlzufühlen, aber praktisch. Denn in den zehn neuen Wohnungen mit einer Größe zwischen 60 und 190 Quadratmetern ist seine Handschrift immer noch zu finden - etwa in Form von fest verbauten Schränken, einem Tisch mit zwei Bänken unter dem halbrunden Dachfenster oder kunstvollen Türgriffen. Die Denkmalschützer hätten gefordert, solche Details in der unter Schutz stehenden Villa zu belassen, sagt Nottenkemper. Bei ihm haben sie damit offene Türen eingerannt.

Die von Nottenkemper beauftragten Architekten Weiss, Wessel und Kirchner aus Lünen - sie sind auch zuständig für den Bau der 100 Wohneinheiten auf dem Campus in Selm - haben den Spagat geschafft: Drei Meter hohe Wohnräume mit alten, lediglich abgeschliffenen Holzböden bieten modernen Wohnkomfort.

Denkmalbehörde stimmte Carports auf dem Vorplatz zu

Trotz der vielen Parteien in einem Haus brauchen sich die Mieter nicht einmal auf den Weg zu ihren Wohnungen eng auf die Pelle zu rücken - mit einem Trick: Gab es früher nur einen Haupteingang, sind es jetzt vier Eingänge.

So sieht die Villa von der Straße Baltimora aus. Links und rechts: die Carports.

So sieht die Villa von der Straße Baltimora aus. Links und rechts: die Carports. © Sylvia vom Hofe

Der einstige Bettenaufzug des Pflegeheims ist jetzt ein Treppenhaus. Und die repräsentative Vorfahrt ist inzwischen Standort für Carports, die den Blick auf die Villa verdecken. „Eine nur leichte Konstruktion“, entschuldigt der Bauherr. Sie sei mit der Denkmalbehörde abgestimmt. Wer im Pkw vorbeifahre, könne ungestört von den Dächern aufs Haus blicken - wenn nicht gerade Autos parken.

Im Haupthaus kann man Bolte noch ganz nahe sein

Die mächtige, weiße Holztür am repräsentativen Haupteingang wird noch überarbeitet. Sie öffnet sich künftig unter anderem für den Interessenten oder die Interessentin der einzigen noch freien Wohnung im Haus. Und wenn die anderen schon ungewöhnlich sind, diese ist es ganz bestimmt. Denn wer sie mietet, übernimmt auch unter Denkmalschutz stehende Einrichtungsgegenstände.

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Den Salon prägt ein mächtiger Kamin aus dem 16. Jahrundert. Die kunstvollbemalten Kacheln erzählen biblische Geschichten. Wer es schafft, seinen Blick davon zu lösen, kann hinter sich durch eine breite Glasfront in den Park schauen, der im Frühjahr wieder - wie einst bei Otto Bolte - im englischen Stil erstrahlen soll.

Bemalte Kacheln im Salon und im Friesenzimmer

Das Schmuckstück der Wohnung ist das Friesenzimmer: eine Wand besteht ganz aus bemalten Fliesen, die anderen drei sind vertäfelt. Das Herstellungsdatum ist eingeschnitzt: 1754. Im angebauten Wintergarten etwas weiter passen Computer-Arbeitsplätze genauso gut wie Sonnenliegen.

Ob zum Wohnen oder zum kreativen Arbeiten: In dieser Wohnung könne er sich viele Nutzungen vorstellen, sagt Nottenkemper. Nicht eine dicke Brieftasche sei entscheidend, sondern große Liebe zu den alten Sachen.

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