Vorwurf in Internet-Video: Sexueller Missbrauch an Kindern

dzPolizei Unna

Eine Person schlägt einen Autofahrer und beschuldigt ihn, er habe versucht, Kinder sexuell zu missbrauchen. Das ist auf einem Video zu sehen, das tausende Male geteilt wurde.

Kreis Unna

, 02.06.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Auf der Facebook-Seite der Kreispolizeibehörde Unna wurde am Donnerstag, 28. Mai, ein Aufruf gepostet: „(...)in den letzten Stunden wurde, insbesondere im Kreis Unna, ein Video geteilt, das eventuell einen strafrechtlichen Hintergrund hat. Wir sind über diesen Sachverhalt informiert und die Ermittlungen laufen. Bitte helfen Sie uns und teilen Sie dieses Video nicht weiter (...).“

In dem Video war eine Person zu sehen, die einen Autofahrer schlug und ihn des sexuellen Missbrauchs an Kindern beschuldigte. Das Video wurde laut Polizeipressesprecher Bernd Pentrop in Wuppertal aufgenommen und – so weit möglich – aus dem Internet entfernt. Bis es aus dem Netz verschwunden war, ist es allerdings bereits tausende Male in den Sozialen Medien geteilt worden. So war es beispielsweise auch in einer Bergkamener Facebook-Gruppe aufgetaucht und geteilt worden.

Facebook-Community sieht Verbindungen in eine bestimmte Stadt

Einzelne Leser des Facebook-Posts auf der Seite der Kreispolizei Unna scheinen bei dem angegriffenen Autofahrer, der des versuchten sexuellen Missbrauchs an Kindern bezichtigt wurde, eine Verbindung nach Werne zu sehen.

Bestätigen könne die Polizei dies jedoch nicht, so ihr Sprecher. Bei dem beschuldigten Autofahrer handelt es sich um eine Person aus dem Kreis Unna – aus welcher Stadt genau, dazu könne die Polizei derzeit keine weiteren Angaben machen, da es sich um laufende Ermittlungen handele. „Das Video ist Bestandteil der Ermittlungen des verantwortlichen Fachkommissariates in Unna und dieses steht in engem Austausch mit den Kollegen der Polizei in Wuppertal“, so Bernd Pentrop.

Doch nicht nur der Mann, der in dem Video beschuldigt wird – auch der, der es aufgenommen hat, muss mit Konsequenzen rechnen. In dem beschriebenen Fall wird wegen versuchten sexuellen Missbrauchs an Kindern, wegen Körperverletzung, wegen des Verstoßes am Recht am Bild und wegen Beleidigung ermittelt.

Das Teilen des Videos hilft nur dem Täter

Die Polizei sei immer für Hinweise dankbar und bittet darum, bei Beobachten einer kriminellen Handlung die zuständigen Behörden zu informieren, betont Pentrop.

Aber grundsätzlich erschwere das Teilen solcher Videos die Arbeit der Polizei. „Es ist kontraproduktiv, denn so werden Täter über die Sozialen Medien informiert“, sagt Bernd Pentrop.

Unter dem Facebook-Eintrag der Kreispolizei ist eine hitzige Diskussion über die Veröffentlichung des Videos entstanden. Zu Beweiszwecken seien Bildaufnahmen legitim, allerdings sollten sie keinesfalls veröffentlicht werden. Die Polizei ermuntert jedoch nicht dazu, Beobachtungen zu filmen oder zu fotografieren. Wenn Menschen Beobachter einer kriminellen Handlung werden, sollten sie lieber sofort die Polizei rufen, sich das Kfz-Kennzeichen merken und sich nicht selbst in Gefahr bringen.

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