Verschwörungstheorien – das Mittel der Wahl gegen das Coronavirus

dzKommentar Klare Kante

Maskenpflicht, Kontaktsperre, kein Klopapier: Die Menschheit steckt in der Krise - und Corona-Philosophen versuchen mit ihren Verschwörungstheorien, den Karren aus dem Dreck zu ziehen. Ein Kommentar.

Werne

, 29.04.2020, 14:00 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es gibt Gegebenheiten, bei denen Menschen auf die abstrusesten Ideen kommen, um sie zu erklären. Das ist häufig der Fall, wenn ihnen ein Thema sehr nahe geht, wenn es sie besonders betrifft und wenn sie die Erklärungen anderer für den aus ihrer Sicht völlig inakzeptablen Zustand einfach nicht nachvollziehen können oder wollen.

Sobald auch nur der zarte Duft von „Diskussionssprengstoff“ in der Luft liegt, geht manch‘ ein Verschwörungstheoretiker und Wutbürger direkt auf die Barrikaden. Das Credo: Die Welt ist schlecht. Ich bin nicht dran schuld. Aber ich weiß, wer es ist - und dem haue ich jetzt mindestens verbal ordentlich einen vor den Latz!

Natürlich lockt auch die Corona-Krise immer mehr solcher hochintellektueller Besserwisser aus der Ecke hervor - und dazu gehören allem Anschein nach nicht nur AfD-Leute.

Gäbe es keine Kontaktsperre, würde man sie vielleicht sogar auf dem Marktplatz ihre Ansichten rausposaunen hören. Eine Menschenmenge hätte sich um sie geschart und würde entweder mit dem Kopf schütteln oder dem empörten Rhetoriker auf dem Podest zujubeln - in etwa so, wie bei den Philosophen um den guten Sokrates im Alten Griechenland: „Endlich sagt‘s mal einer so wie es ist!“, hallte es dann über den Platz.

Nun gibt es glücklicherweise eine Kontaktsperre, die solche Ansammlungen untersagt. Aber blöderweise gilt die in dieser Form nicht für die Sozialen Medien. Also: Feuer frei, liebe Weltenversteher!

Alles nur, damit die Reichen reicher werden?

Bei dem, was man dort inzwischen so liest, stockt einem bisweilen der Atem - auch ohne Mundschutz. Die Corona-Krise ließe sich aktuell beispielsweise so zusammenfassen: Alles fing an mit Bill Gates, dem reichen Sack! Der hatte die geniale Idee, ein Virus zu züchten, um sich nun mit einem patentierten Impfstoff die Taschen noch voller zu machen. Die Regierungen wussten natürlich davon, fanden die Idee aber eigentlich ganz prickelnd. So konnten sie endlich mal wieder alle Bürger entmündigen und in ihren Grundrechten einschränken.

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Die Lage ist doch offensichtlich: Erst werden Veranstaltungen abgesagt, dann Geschäfte geschlossen, dann darf keiner mehr vor die Tür. Und wenn doch, dann nur mit Maske, um ihn seiner Individualität zu berauben. Und passenderweise lassen sich in diesem Zuge auch noch die Big Player der Pharma-Industrie unterstützen. Mehr Masken, mehr Beatmungsgeräte, mehr Medikamente. Das erklärt doch, warum ausgerechnet Apotheken in der Corona-Krise nie schließen mussten! Alles übertriebene Maßnahmen - damit die Reichen noch reicher werden!

Krisen-Logik als Corona-Impfstoff?

All das ist natürlich grober Unfug. Und er lässt sich auch relativ einfach entlarven: Warum sollte eine Regierung beispielsweise wider besseren Wissens in eine Wirtschaftskrise hineinrutschen wollen, indem sie den Kundenverkehr in Geschäften, Kneipen und Co. einschränkt oder untersagt?

Weil die Steuern, die sie sonst einnehmen würde, ihr egal sind? Weil sie vergessen hat, dass steigende Arbeitslosenzahlen auch eine immense Belastung für den Haushalt bedeuten? Weil sie nicht auf dem Schirm hatte, dass die Pharma-Industrie ihre Produkte ja irgendwie auch langfristig an den Mann bringen muss und das freilich nur funktioniert, wenn die Kunden auch das nötige Geld im Portemonnaie haben?

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Die Liste solcher Fragen lässt sich gefühlt bis ins Unendliche erweitern. Was hingegen endlich sein sollte, ist die Erkenntnis, dass all diese Theorien wenig plausibel erscheinen. Wenn es schon keinen Impfstoff gibt, dann greifen die Philosophen der Neuzeit allem Anschein nach auf das zurück, was ihnen als Mittel der Wahl am passendsten erscheint, um ihrem Unmut Ausdruck zu verleihen: Verschwörungstheorien - bei denen sich Sokrates im Grabe umdrehen würde.

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