Der erste Tag mit Kontaktverbot: Leere Plätze und Straßen

Das von der Landesregierung verfügte Kontaktverbot zeigt in NRW Wirkung: Zum Start der neuen Woche waren nur wenige Menschen auf den Plätzen und Straßen zu sehen. Die Krankenhäuser richten mit Hochdruck neue Intensivbetten ein. Die Zahl der Toten stieg auf 40.

23.03.2020, 09:00 Uhr / Lesedauer: 3 min

Leere Plätze, Straßen und Parks: Nach dem erlassenen Kontaktverbot in der Corona-Krise waren am Montag kaum noch Menschen in den sonst stark besuchten Innenstädten Nordrhein-Westfalens zu sehen. Wo Berufstätige normalerweise in die Bahnen strömen und Cafés bei strahlendem Himmel Besucher begrüßen, herrschte gähnende Leere, wie dpa-Reporter am ersten Tag der verschärften Einschränkungen des öffentlichen Lebens berichteten. Auch auf den Autobahnen und Straßen der Großstädte waren nur noch wenige unterwegs. Kein Vergleich zu den hunderte Kilometer langen Staus, die sich sonst an einem Montagmorgen bilden.

Die Appelle von Politikern, Ärzten, Krankenschwestern und Pflegern, nach Möglichkeit zuhause zu bleiben, zeigen offenbar Wirkung: „Die Leute halten sich weitestgehend an die Vorgaben. Insgesamt kann man feststellen, dass die Leute von Tag zu Tag sensibler geworden sind in Hinblick auf die Vorkehrungen gegen das Coronavirus“, sagte ein Sprecher der Stadt Düsseldorf. In der Kölner Südstadt bestimmten am Montagmorgen Mitarbeiter der Müllabfuhr in orangefarbenen Jacken das menschenleere Straßenbild. Ab und zu waren Anwohner mit ihren Hunden unterwegs. Vielerorts saßen kaum noch Fahrgäste in den Bahnen. Die wenigen hielten mehrere Reihen Abstand.

Die Zahl der mit Coronavirus-Infizierten hat unterdessen die Marke von 8000 überschritten. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums (Stand: Montag, 16.00 Uhr) gab es im bevölkerungsreichsten Bundesland 8224 nachgewiesene Fälle und damit 863 mehr Fälle als am Tag zuvor. Die Zahl der gemeldeten Todesfälle erhöhte sich dieser Statistik um acht auf 40 in NRW. Die Kommunen berichteten unterdessen von weiteren Fällen. So vermeldete der Kreis Wesel am Montag zwei Tote im Zusammenhang mit dem Coronavirus, die in der Landesstatistik noch nicht erfasst waren. Der Kreis Heinsberg sprach von über 1000 Infizierten.

In NRW werden mindestens 443 Menschen mit einer Covid-19-Erkrankung im Krankenhaus behandelt. Davon seien 146 auf einer Intensivstation, sagte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU). Von diesen müssten 121 per Beatmungsgerät versorgt werden. Die Zahlen beruhten auf Angaben von zwei Dritteln der Kliniken. Die Krankenhäuser bekämen Hilfe, um ihre Behandlungskapazitäten zu erweitern. „Es ist wichtig, dass wir in den nächsten Tagen und Wochen möglichst viele Beatmungsplätze schaffen“, sagte Laumann. Die Krankenhäuser hätten 6148 Intensivbetten, davon 4223 mit Beatmungsmöglichkeit. Aus ihren Beständen könnten sie weitere 2600 Beatmungsplätze schaffen. Etwa ein Prozent der Erkrankten benötige bislang eine Versorgung auf der Intensivstation, hieß es.

Im Kampf gegen die rasante Ausbreitung des Coronavirus hatte die Landesregierung noch härtere Einschränkungen des öffentlichen Lebens beschlossen. Alle Ansammlungen ab drei Personen in der Öffentlichkeit sind seit Montag verboten. Ausgenommen sind Familien sowie in einem Haushalt lebende Personen - sie dürfen weiterhin gemeinsam in der Öffentlichkeit unterwegs sein. Der Vorsitzende des NRW-Städtetags, Hamms Oberbürgermeister Thomas Hunsteger-Petermann (CDU), nannte die Beschränkungen notwendig und verhältnismäßig. „Wer sich darüber hinwegsetzt und unsolidarisch verhält, muss mit Konsequenzen rechnen“, erklärte er. Viele Millionen Menschen hätten bereits am vergangenen Wochenende gezeigt, dass sie sich an die Regeln halten.

Nach strengeren Vorschriften für den Handel haben Supermarktketten am Montag begonnen, den Einlass in ihre Filialen zu reglementieren. In Nordrhein-Westfalen schreibt der Erlass der Landesregierung nun vor, lediglich einen Kunden pro zehn Quadratmeter Ladenfläche zuzulassen, um die Ansteckungsgefahr mit dem Coronavirus zu verringern.

Seit Montag gilt auch für Restaurants und Gaststätten eine neue Rechtsverordnung. Sie werden bis zum Ende der Osterferien am 19. April grundsätzlich geschlossen: Nur Außer-Haus-Verkauf und Lieferungen sind weiterhin möglich. Bei anderen Dienstleistungsbetrieben, wo beim Kontakt mit den Kunden ein Mindestabstand von 1,5 Metern nicht eingehalten werden kann, muss die Arbeit eingestellt werden. Das gilt unter anderem für Friseure, Massagesalons und Tattoo-Studios. Außerdem verfügte die NRW-Regierung, Besuche in stationären Pflegeheimen jetzt grundsätzlich zu unterlassen.

Der Landrat des besonders betroffenen Kreis Heinsberg, Stephan Pusch (CDU), hat derweil China um Unterstützung bei Schutzmaterialien gebeten. Die im Kreis verfügbaren Masken oder Schutzkittel reichten nur noch für ein paar Tage, schrieb Push am Montag in einem offenen Brief an den chinesischen Staats- und Parteichef Xi Jinping. „Soweit der Krisenstab und die Krankenhäuser hier vor Ort nicht ausreichend Schutzmaterialien besorgen können - was mehr als schwierig ist - hätte das weitreichende schwere Folgen für das Gesundheitssystem im Kreis Heinsberg und für die Menschen hier. In meiner Funktion als Landrat bitte ich daher die Volksrepublik China um Unterstützung.“

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