Vermisster Junge im Schrank: Gericht weist Kritik zurück

Im Missbrauchsprozess um einen über zwei Jahre lang vermissten Jungen aus Duisburg hat das Gericht dem Angeklagten geschwärzte Kinderporno-Dateien mit ins Gefängnis gegeben. Das Gericht verteidigt sich nun gegen Kritik.

22.07.2020, 15:01 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Archivbild

Eine Statue der Justitia hält eine Waage in ihrer Hand. Foto: David-Wolfgang Ebener/dpa/Archivbild

Das Bochumer Landgericht hat am Mittwoch Kritik am Umgang mit Kinderporno-Dateien zurückgewiesen. Wie ein Gerichtssprecher am Mittwoch sagte, waren dem Angeklagten im Missbrauchsprozess um einen zweieinhalb Jahre lang vermissten Jungen aus Duisburg Kopien von Bildern mit ins Gefängnis gegeben worden, die bei Durchsuchungen sichergestellt worden waren. Darunter waren laut Gericht auch Abbildungen pornografischen Inhalts. Diese seien jedoch auf Minimalgröße - sogenannte Thumbnails - verkleinert und an den entscheidenden Stellen geschwärzt worden. Von Kinderpornografie könne deshalb laut Gericht und Staatsanwaltschaft keine Rede sein. Zuvor hatte die „Bild“ berichtet.

Die Kopien der Bilder waren allen Prozessbeteiligten – und damit auch dem Angeklagten - zum sogenannten Selbstleseverfahren übergeben worden. Behalten dürfe sie der 45-Jährige nicht. „Sie sind nach Abschluss des Selbstleseverfahrens zurückzugeben“, sagte Gerichtssprecher Michael Rehaag.

Dem Mann aus Recklinghausen wird vorgeworfen, einen anfangs erst 13 Jahre alten Jungen rund zweieinhalb Jahre lang bei sich versteckt und in über 400 Fällen sexuell missbraucht zu haben. Außerdem geht es im Prozess um Kinderpornografie. Der Teenager war bei einer Polizeirazzia in der Recklinghäuser Wohnung des Angeklagten im Dezember 2019 zufällig in einem Schrank gefunden worden.

Im Prozess vor dem Bochumer Landgericht hat sich 45-jährige Deutsche noch nicht zu den Vorwürfen geäußert.

Weitere Meldungen