Razzia gegen Clankriminalität: Haftbefehle

Die Polizei geht gegen vermutete Clankriminalität vor. Spezialkräfte nehmen in NRW vier Männer fest. In einem zweiten Fall in Essen geht es um eine Drogenbande. Der zuständige Minister sagt, NRW solle eine „No-Go-Area“ für kriminelle Clanmitglieder sein.

23.07.2020, 07:51 Uhr / Lesedauer: 2 min

Bei einer Razzia gegen Clankriminalität hat die Polizei in Nordrhein-Westfalen Haftbefehle gegen vier Männer im Alter zwischen 24 und 57 Jahren vollstreckt. Bei den Durchsuchungen am frühen Donnerstagmorgen seien außerdem mehrere hochwertige Autos beschlagnahmt worden, teilten Landeskriminalamt (LKA) und Staatsanwaltschaft Düsseldorf mit.

An dem Einsatz in Wuppertal, Solingen, Essen, Bielefeld und Düsseldorf waren Spezialeinheiten der Polizei beteiligt. Auch Spürhunde waren einem LKA-Sprecher zufolge im Einsatz. Die Ermittler fanden mehrere Mobiltelefone und eine geringe Menge Bargeld. Waffen wurden nach ersten Angaben nicht entdeckt.

Gegen die festgenommenen Männer lagen Haftbefehle wegen des Verdachts auf erpresserischen Menschenraub, gefährliche Körperverletzung und Betrug vor. Die Beschuldigten sollen einem türkisch-arabischstämmigen Familienclan angehören. Wie der LKA-Sprecher am Morgen sagte, seien die Männer „hinreichend polizeibekannt“, unter anderem wegen verschiedenster Gewaltdelikte.

NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) erklärte, harte Polizeiarbeit und monatelange Ermittlungen hätten zu den Festnahmen und Durchsuchungen geführt. Das sei aufwendig, aber nötig, um kriminellen Clans das Wasser abzugraben. Alle Möglichkeiten würden genutzt: von der Großrazzia bis zum gezielten, punktuellen Schlag. „NRW ist nicht nur ungemütlich für diese Leute, Nordrhein-Westfalen soll eine No-Go-Area für kriminelle Clanmitglieder sein“, so der Minister.

Die Bekämpfung der Clankriminalität gehört zu den Ermittlungsschwerpunkten der Polizei. Dabei geht es um verschiedene Straftaten, vor allem Gewaltdelikte. Zu typischen Verhaltensweisen gehören laut einem Lagebericht des LKA die bedingungslose Loyalität innerhalb der Familie und das Verneinen hoheitlicher Autorität.

Laut LKA und Staatsanwaltschaft war der Auslöser für die Ermittlungen gegen die Männer die Entführung eines niederländischen Autohändlers im Jahr 2017. Der Mann habe ein Auto von den Beschuldigten kaufen wollen. Statt wie geplant den Wagen in Empfang zu nehmen, sei der Händler um seine Anzahlung geprellt und anschließend nach Solingen verschleppt worden, um weiteres Geld zu erpressen.

In einem anderen Fall von Kriminalität mit Clanbezug meldete die Polizei in Essen zwei Haftbefehle gegen mutmaßliche Mitglieder einer Drogenbande. Bei 16 Durchsuchungen an zwei Tagen hatten die Ermittler diverse Drogen und Waffen gesichert. Der mutmaßliche Kopf, ein 30 Jahre alter Mann aus Essen, sitzt in Untersuchungshaft. Im Gefrierfach in der Küche eines 32-Jährigen waren 460 Gramm Amphetamin entdeckt worden. Diese Menge reichte für den zweiten Haftbefehl. Bei den Durchsuchungen waren die Beamten auf 15 Männer im Alter zwischen 21 und 61 Jahren gestoßen. Laut Polizei haben alle Verbindungen zu kriminellen Clans.

Weitere Meldungen