Verbrechen in Werne: Wenn der erste Schein trügt

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Wie wichtig polizeiliche Ermittlungen sind, zeigt dieser Fall aus dem Frühjahr 2018. Aus einem versuchten Tötungsdelikt wurde Notwehr. An einer Szene-Kneipe war es zur Messerstecherei gekommen.

Werne

, 30.09.2020, 12:00 Uhr / Lesedauer: 1 min

Dass es sich um Notwehr gehandelt hatte, ergaben weder Zeugenaussagen noch Einlassungen von Beteiligten. Das war das Ergebnis der Auswertung von Überwachungskamera-Videos.

Was war passiert? Vor einer Disco an der Ecke Kurt-Schumacher-Straße/Kamener Straße war es in der Nacht vom 23. auf den 24. Februar 2018 zu einer Messerstecherei gekommen. Ein damals 21-jähriger Mann aus Hamm wurde schwer verletzt, zunächst ging man von Lebensgefahr aus.

Zwei weitere Hammer im Alter von 24 und 42 Jahren wurden bei der Auseinandersetzung ebenfalls verwundet. Als Tatverdächtiger galt zunächst ein 23-Jähriger, ebenfalls aus Hamm. Doch er wurde nach seiner Vernehmung wieder auf freien Fuß gesetzt.

Gerüchteküche brodelte

Die Tat hatte sich vor einer Szene-Kneipe ereignet – und die Spurensicherung machte eine mehrstündige Sperrung der Kreuzung erforderlich. All das sorgte für Aufsehen im sonst so beschaulichen Werne – und die Gerüchteküche brodelte hoch. Für die Ermittler bei Polizei und Staatsanwaltschaft, die auf verwertbare Zeugenaussagen hofften, eine schwere Ausgangslage.

Doch es gab Überwachungskameras – zum einen von der Diskothek, zum anderen vom gegenüberliegenden Autohaus – und die hatten den Vorfall aufgezeichnet. Danach schien es so, als würde sich der vermeintliche Haupttäter, der allein unterwegs war, nur gegen die Männer aus der Gruppe verteidigen. Denn ein Weglaufen scheiterte.

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Tatsächlich stellte sich dann im Laufe des Verfahrens heraus, dass sich der 23-Jährige von der größeren Gruppe bedroht gefühlt hatte und letztlich keine andere Möglichkeit sah, als das Messer zu ziehen, das er bei sich trug. Damit setzte er sich zur Wehr – und verletzte die anderen Männer dabei zwar, aber die Stichwunden waren nicht tief.

Der vermeintlich lebensgefährlich Verletzte wurde schon am Tag nach der Tat wieder aus dem Krankenhaus entlassen. Seine Wunden waren nicht so schlimm wie man zunächst angenommen hatte.

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