Vater mit Eisenstange erschlagen - Sohn gilt trotz grausamer Tat als „schuldunfähig“

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Mit einer Eisenstange hat ein 36-Jähriger seinem Vater den Schädel zertrümmert. Am Mittwoch wurde er deswegen in Essen verurteilt. Dabei war von absoluter „Schuldunfähigkeit“ die Rede.

Essen

, 25.03.2020, 16:41 Uhr / Lesedauer: 2 min

Es müssen unfassbar brutale Szenen gewesen sein. Vor rund sechs Monaten hat ein psychisch kranker Mann aus Essen seinen Vater erschlagen. Die Tatwaffe war ein 70 Zentimeter langes Eisenrohr mit aufgeschraubter Muffe. Am Mittwoch ist der 36-Jährige verurteilt worden.

Die Richter am Essener Landgericht werteten die Tat als „Totschlag“. Bestraft werden konnte der Angeklagte jedoch nicht. Er leidet seit mindestens zehn Jahren unter paranoider Schizophrenie und Wahnvorstellungen. Im Urteil war von absoluter „Schuldunfähigkeit“ die Rede. Zum Schutz der Allgemeinheit wurde der Essener allerdings auf unbestimmte Zeit in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen.

Lebenserhaltende Maßnahmen wurden beendet

Der Vater saß im Sessel, als der Sohn mit dem Eisenrohr auf ihn zukam. Er hatte keine Chance. Auch als er schon stark blutend am Boden lag, schlug der 36-Jährige weiter zu. „Ich konnte nicht mehr aufhören“, hatte er den Richtern im Prozess erklärt.

Drei Monate lag der 60-Jährige im Krankenhaus – fast komplett gelähmt und nicht mehr fähig, zu sprechen. „Er konnte sich nur noch mit einer Hand verständlich machen“, sagte sein Schwager den Richtern. „Als er die dritte Lungenentzündung bekam, wollte er nicht mehr.“ Die lebenserhaltenden Maßnahmen wurden beendet, der Vater verstarb.

Angeklagter war schon als Teenager in Behandlung

Der Angeklagte gilt als schwer krank und gefährlich. „Es besteht keine Krankheitseinsicht und keine Behandlungsbereitschaft“, sagte Psychiaterin Marianne Miller im Prozess. Es sei möglich, dass er auch andere Menschen angreife.

Schon mit 16 war der Essener das erste Mal in Behandlung. Mit 27 erfolgte die erste Einweisung in die Psychiatrie. Damals hatte er angefangen, bei seiner Großmutter wieder mit Spielzeugautos zu spielen und stundenlang an die Decke gestarrt. Außerdem wollte er mit einer Rakete in fremde Galaxien fliegen, um die Menschheit vor dem Untergang zu retten.

Angeklagter fühlte sich vom Vater „gepiesackt“

Von seinem Vater fühlte sich der Angeklagte immer stärker verfolgt, obwohl es kaum noch Kontakt gab. Der Psychiaterin hatte er dazu gesagt: „Ich wurde und wurde ihn nicht los. Er hat vor meiner Tür herumgelungert.“ Schon seit der Kindheit habe der Vater ihn „gepiesackt“. Am Ende habe er ihm schließlich eine „Lektion“ erteilen wollen.

Im Prozess war von „Wahnvorstellungen“ und von einer „Familientragödie“ die Rede. Verteidiger Volker Schröder: „Es ist dem Angeklagten zu wünschen, dass es doch noch zu einer Krankheitseinsicht kommt und er irgendwann geheilt ist.“ So soll sich auch die Schwester gegenüber ihrem eigenen Anwalt geäußert haben: „Sehen Sie zu, dass dem Jungen geholfen wird.“

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