Totschlag am Ebertplatz: Sechseinhalb Jahre Haft für Täter

Im Prozess um einen tödlichen Streit auf dem Kölner Ebertplatz hat das Landgericht Köln den Angeklagten zu sechseinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Die Richter sprachen den 24-Jährigen am Dienstag wegen Totschlags schuldig. Der Vorsitzende Richter stellte gleich zu Beginn der Urteilsbegründung aber fest, dass es sich nicht - wie zunächst von der Polizei angenommen - um eine Tat im Drogendealer-Milieu gehandelt habe.

18.08.2020, 01:21 Uhr / Lesedauer: 1 min

Hintergrund des Vorfalls im August 2019 war laut Urteil ein Streit zwischen dem aus Somalia stammenden Angeklagten und einem Landsmann. Zwischen den beiden Männern kam es zu einer körperlichen Auseinandersetzung, in die sich das spätere, ebenfalls aus Somalia stammende, 25 Jahre alte Opfer einmischte. Nachdem die erste Auseinandersetzung zwischen den drei Männern durch Zeugen beendet worden war, griff der 25-Jährige den Angeklagten erneut an. Es folgte ein Kampf mit bloßen Händen. Dabei habe der 25-Jährige „Familie und Religion des Angeklagten durch den Schmutz“ gezogen, sagte der Richter. Aus Zorn habe der Angeklagte dann eine Bierflasche zerschlagen und ohne Vorwarnung in den Hals des Opfers gestochen.

Die Beleidigungen und wiederholten Angriffe des Opfers wertete das Gericht strafmildernd. „Der Geschädigte hat vollkommen grundlos den Streit mit dem Angeklagten gesucht“, stellte es fest. Der tödliche Stich sei dann aus „Rache“ geführt worden.

Bereits 2017 war der Kölner Ebertplatz nach einem tödlichen Konflikt in den Fokus der Öffentlichkeit geraten. Der Platz wurde daraufhin durch eine Umgestaltung und kulturelle Wiederbelebung aufgewertet. Zeitweise war sogar die Rede vom „Wunder vom Ebertplatz“. Als Folge der nun verhandelten Gewalttat wird der Platz seit Oktober 2019 von der Polizei mit Videokameras überwacht.

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