Angriffe auf kleine Mädchen: Sechs Jahre Haft

Er stellte kleinen Mädchen in Hausfluren und an der Wohnungstür nach, nötigte und bedrängte sie. Nun muss ein 26-Jähriger dafür hinter Gitter.

02.04.2020, 02:50 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der sogenannte Kinderfänger von Düsseldorf ist zu sechs Jahren Haft verurteilt worden. Das Landgericht sprach den 26 Jahre alten Mann am Donnerstag wegen sexueller Nötigung und Missbrauchs von Kindern schuldig. Besonders verwerflich sei es, dass er die Kinder in geschützten Räumen angegriffen habe, sagte der Vorsitzende Richter Rainer Drees. Diese seien dadurch traumatisiert worden.

Das Gericht verhängte aber keine Sicherungsverwahrung gegen den 26-Jährigen. Die Staatsanwältin hatte sieben Jahre Haft und anschließende Sicherungsverwahrung beantragt. Verteidiger Lars Horst forderte eine Strafe von höchstens drei Jahren Haft.

Zuvor hatte eine Psychiaterin den Angeklagten als nicht pädophil und nur eingeschränkt schuldfähig eingestuft. Er leide unter einer schweren, seit Jahren unbehandelten Depression, führte die renommierte Gutachterin Nahlah Saimeh im Prozess vor dem Düsseldorfer Landgericht aus.

Der 26-Jährige sei erfolglos bei Frauen und extrem einsam gewesen, sagte Saimeh. Seine Angriffe auf kleine Mädchen entsprächen daher nicht seiner Neigung, sondern seien eine Ausweichhandlung. Er habe dennoch Glück gehabt, rechtzeitig festgenommen worden zu sein, denn seine Taten hätten durchaus eskalieren können. Der Angeklagte sei dringend therapiebedürftig.

Die Übergriffe auf kleine Mädchen hatten die Düsseldorfer Polizei wochenlang in Alarmbereitschaft versetzt. Der Deutsche wurde für vier Vorfälle verurteilt, bei denen er kleine Mädchen im Alter von neun bis elf Jahren in der Innenstadt in sexueller Absicht bedrängt hatte und in Hausflure, Keller oder in die Wohnung drückte.

Weil die ersten Taten immer freitags in einem bestimmten Stadtteil stattfanden, hatte ein Großaufgebot ziviler Polizeikräfte diesen Bereich wochenlang observiert. Der Mann, der in der Nähe des Polizeipräsidiums wohnte, hatte sein Verhalten aber geändert: Fortan schlug er an anderen Wochentagen in anderen Stadtteilen zu.

Die Serie von Übergriffen endete, als der arbeitslose Arbeiter eine Zehnjährige, die ihren Hausschlüssel vergessen hatte, ansprach. Eine Nachbarin, die dies beobachtete, rief die Polizei. Der Mann wurde festgenommen.

Eine Speichelprobe im Landeskriminalamt ergab dann, dass an mindestens zwei früheren Tatorten seine DNA sichergestellt worden war. Eine Neunjährige, die er in der Wohnung überfallen hatte, hatte ihn zudem wiedererkannt. Vor Gericht hatte er zwar die Annäherungen eingeräumt, sexuelle Absichten aber bestritten.

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