Korrupter Ex-BLB-Chef muss 2,1 Millionen Euro an Land zahlen

Ferdinand Tiggemann soll zehn Jahre nach Bekanntwerden des Korruptionsskandals beim landeseigenen Baukonzern BLB mehr als zwei Millionen Euro Schadenersatz zahlen - das ist ein Bruchteil der geforderten Summe.

02.07.2020, 03:02 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der wegen Korruption verurteilte Ex-Chef des landeseigenen Baubetriebs BLB, Ferdinand Tiggemann, ist zu 2,1 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt worden. Das Landgericht Düsseldorf gab damit am Donnerstag einem Teil der Schadenersatzklage des Landes und des BLB über insgesamt 10,2 Millionen Euro statt (Az.: 3 O 344_17).

In der Summe enthalten sind auch 138 000 Euro Schmiergeld, die Tiggemann laut Strafurteil kassiert hatte. Der 70-Jährige war rechtskräftig zu siebeneinhalb Jahren Gefängnis verurteilt worden und soll den Steuerzahler um viele Millionen Euro gebracht haben. Das Schadenersatzurteil im Zivilverfahren ist noch nicht rechtskräftig.

Die Staatsanwaltschaft war nach jahrelangen Ermittlungen von einem viel höheren Schaden ausgegangen. Mehrere Korruptionskomplexe in dem Fall waren aber nach der Verurteilung Tiggemanns eingestellt worden. Begründung damals: Ein weiterer Schuldspruch hätte die Strafe für ihn nicht mehr nennenswert erhöht.

Zivilrichter Thomas Brüggemann verurteilte den nach wie vor inhaftierten Baumanager am Donnerstag wegen eines Grundstücksdeals in Düsseldorf zu zwei Millionen Euro Schadenersatz: Auf dem Gelände einer ehemaligen Altbier-Brauerei steht inzwischen der Campus der Fachhochschule Düsseldorf.

Obwohl der Verkäufer des Geländes damals bereit gewesen wäre, 15 Millionen Euro als Preis zu akzeptieren, soll der BLB unter der Federführung Tiggemanns 17 Millionen bezahlt haben. Der damalige BLB-Chef hätte nachverhandeln müssen, habe es aber nicht gewollt und nicht getan, weil er 138 000 Euro Schmiergeld kassiert habe, befand das Gericht. Auch das Schmiergeld soll er nun zurückzahlen - an das Land Nordrhein-Westfalen.

Zudem verpflichtete das Gericht den Baumanager zur Auskunft über jeden geldwerten Vorteil im Wert von über 50 Euro, den er angenommen habe. Tiggemanns Anwalt Stefan Meurer hatte sich bereits vor Prozessbeginn zuversichtlich gezeigt, mindestens einen Teilerfolg erzielen zu können, wie nun geschehen.

Das Düsseldorfer Landgericht hatte Tiggemann 2017 wegen Bestechlichkeit verurteilt. Der Baumanager hatte laut Urteil die Pläne des Landes verraten und dafür Schmiergeld kassiert. Daraufhin hatten Zwischenkäufer die benötigten Grundstücke erworben und die Preise in die Höhe getrieben.

Zur mündlichen Verhandlung war der Baumanager aus der Haft vorgeführt worden. Er bestritt abermals, Schmiergeld angenommen zu haben. Im Strafprozess gegen Tiggemann vor drei Jahren waren nur drei von fünf Tatkomplexen ausgeurteilt worden. Dazu zählten der Bau des Düsseldorfer Justizzentrums, der Neubau des Düsseldorfer Hochschulcampus und der des ehemaligen Landesbehördenhauses in Bonn.

„Einer der bestbezahlten Funktionsträger des Landes Nordrhein-Westfalen hat sich federführend an einem kriminellen Komplott zu Lasten der Steuerzahler beteiligt“, hatte der Strafrichter damals ausgeführt. Tiggemann hatte als Chef des landeseigenen Bautriebs 232 000 Euro pro Jahr verdient. Der BLB zählt zu den größten Immobilienunternehmen Europas.

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