„Unverfroren“: Angeklagter Dealer ließ Schweigegeld bezahlen

dzGericht

Bei einem Dealer werden 2017 zu Hause eine Drogenplantage und Waffen entdeckt. Im Prozess will der Angeklagte scheinbar Schweigegeld fließen lassen – und reitet sich damit so richtig ins Verderben.

Bochum

, 17.11.2020, 18:51 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mehr als drei Jahre nach einem ersten Drogen- und Waffenfund in einer Wohnung in Wanne-Eickel ist ein 30-jähriger Dealer am Bochumer Landgericht zu sechs Jahren und zehn Monaten Haft verurteilt worden. Der Prozess vor der 9. Strafkammer war überschattet von einer zweiten Wohnungsdurchsuchung im laufenden Verfahren. Dass dabei im Juni 2020 beim Angeklagten erneut 2,5 Kilogramm Amphetamine in einem Keller entdeckt worden sind, nannte Richter Volker Talarowski beim Urteil wörtlich „unverfroren“.

Anwalt des Anklagten übergab Zeugen vor Aussage Geld

Auslöser für die zweite Wohnungsdurchsuchung war eine beobachtete Geldübergabe auf dem Gerichtsflur durch einen Anwalt des Angeklagten an den Beistand eines möglichen Belastungszeugen unmittelbar vor dessen Aussage. Laut Gericht sollte bei der daraufhin sofort angeordneten Razzia die finanzielle Situation des Angeklagten beleuchtet werden.

Gefunden wurden aber schließlich erneut Drogen. Und die machten glasklar: Der 30-Jährige hat offensichtlich einfach dreist weitergedealt. Sofortige Folge: Der 30-Jährige wurde festgenommen.

Angeklagter komm in geschlossene Erziehungsanstalt

Bereits im Juni 2017 waren in der Wohnung des Angeklagten in Wanne-Eickel an diversen Stellen und Verstecken Rauschgift entdeckt worden, im Schlafzimmer zudem eine illegale Cannabispflanzen-Aufzucht. Dass das Urteil am Ende auch auf bewaffneten Drogenhandel lautet, lag an einem Springmesser, das 2017 unter dem Sofa gefunden worden war. Weil der Angeklagte seit Jahren selber drogenabhängig ist, ordneten die Bochumer Richter parallel die Unterbringung in einer geschlossenen Entziehungsanstalt an.

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