Unternehmer in Lünen und die Coronakrise: Hotel statt Büro, Fleischer startet Lieferservice

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Ein Hotelzimmer als Alternative zum Büro. Ein Lieferservice für Fleisch und Wurst. Auch Unternehmen in Lünen versuchen positiv mit der Coronakrise umzugehen. Lob gibt es auch für die Kunden.

Lünen

, 18.03.2020, 18:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Weil das öffentliche Leben in der Coronakrise mehr und mehr zum Erliegen kommt, werden auch Geschäftsleute in Lünen kreativer. So bietet das Hotel an der Persiluhr seine Zimmer seit Montag (16.3.) als „Einzelarbeitsplatz mit eigener Toilette“ an und die Fleischerei Scharbaum hat seit Mittwoch (18.3.) einen Lieferservice für ihre Kunden.

Lieferservice für Fleisch und Wurst

Außergewöhnliche Zeiten - und anders lässt sich die Lage in der Coronakrise nicht beschreiben - erfordern eben außergewöhnliche Maßnahmen. „Das läuft jetzt langsam an“, sagt Inhaber Wilhelm Scharbaum am Mittwoch im Gespräch mit unserer Redaktion. Die ersten Bestellungen gingen am Dienstag ein, die erste Lieferung geht am Mittwoch raus.

Lieferservice

So bestellt man frische Fleisch und Wurst bei Scharbaum

  • Kunden können ihre Bestellung entweder per Telefon (02306) 2 41 70 oder via Email über die Homepage (www.fleischereischarbaum.de/kontakt/) an die Fleischerei schicken.
  • Ab 30 Euro Bestellwert erfolgt die Lieferung frei Haus. Ansonsten kostet die Lieferung 5 Euro.
  • Wichtig: Die Bestellung sollte genau formuliert werden, um möglichst wenig Rückläufe zu verursachen. Kunden müssen sich also vorher überlegen, ob die Bratwurt „grob“ oder „fein“ sein soll.
  • Eine Lieferadresse und Rückrufnummer sollte jeder Kunde angeben.
  • Die Lieferung erfolgt einen Tag nach Bestellung, Dienstags bis Samstag von 8 bis 12 Uhr. Es muss gewährleistet werden, dass die Lieferung vom Kunden angenommen werden kann.
  • Die Bezahlung ist derzeit noch ausschließlich in bar möglich. An bargeldloser Bezahlung per EC-Karte werde gearbeitet.
  • Scharbaum liefert im Umkreis von 10 Kilometern um das Geschäft in der Lüner Innenstadt, Roggenmarkt 16.

„Wir werden auch für Wechselgeld sorgen und arbeiten an einem mobilen EC-Gerät“, so Scharbaum. Geliefert wird die Ware mit einem hauseigenen Kühlfahrzeug.

Hotelzimmer statt Großraumbüro

Auch das Hotel an der Persiluhr in der Lüner Innenstadt, Münsterstraße 25 - 27, muss neue Wege finden, mit der Coronakrise umzugehen. Für Restaurants und Hotels gelten seit Dienstag strenge Auflagen.

Einzelzimmer bietet Inhaberin Carola Deinhart-Auferoth seit Montag als Alternative zum Großraumbüro an. Inklusive eigener Toilette und Internetzugang. Kostenlos ist das Angebot zwar nicht, aber die Zimmer sind günstiger als zu normalen Tarifen, wenn man die Preise auf der Internetseite des Hotels vergleicht.

50 Euro kostet ein Tag, 170 Euro die Woche (Montag bis Freitag), 300 Euro für 20 Tage. Aufgrund der bestehenden Regelungen ist die Besucherzahl im Haus auf 30 Gäste limitiert. „Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen“, sagt Deinhart-Auferoth. Besucher werden registriert, im eingeschränkten Restaurantbetrieb ein Mindestabstand der Tische von zwei Metern eingehalten, Hinweise zu Hygienemaßnahmen ausgehängt.

Fokus auf Hygiene und Vermeidung von persönlichem Kontakt

Betroffen sind in beiden Betrieben natürlich auch die Mitarbeiter. Für sie gelten ebenfalls verschärfte Hygiene- und Kontaktregeln. Vom Wechselgeld, dass die Mitarbeiter bei Scharbaum nur noch mit Handschuhen annehmen dürfen, bis zum getrennten Schichtwechsel in der Produktion.

„Wenn ich den Laden abschließe, gehe ich nach Hause und bleibe möglichst auch da“, sagt Wilhelm Scharbaum. Auch wenn er das aktuell schöne Wetter vielleicht lieber anders nutzen würde: „Wir haben eine Verantwortung gegenüber der Bevölkerung.“ Dazu seien auch alle Mitarbeiter angewiesen.

„Schön finde ich, dass unsere Kunden bisher sehr vernünftig mit der Lage umgehen.“ Zur Zeit dürfen nur fünf Kunden gleichzeitig das Geschäft in der Lüner Innenstadt betreten. „Die Leute halten sich daran. Vor einer Woche noch, wäre das kaum vorstellbar gewesen“, sagt Scharbaum.

Bitte um mehrsprachige Hinweise

Auch die Reinigungskräfte im Hotel an der Persiluhr sind laut Deinhart-Auferoth auf die Hygieneregeln in Bezug auf das Coronavirus eingestellt. Die Hotelinhaberin äußert allerdings auch noch einen Wunsch an die Behörden:

Im Hotel an der Persiluhr kann man sich ein Einzelzimmer als Büro nehmen, um während der Coronakrise isoliert arbeiten zu können.

Im Hotel an der Persiluhr kann man sich ein Einzelzimmer als Büro nehmen, um während der Coronakrise isoliert arbeiten zu können. © Stachelhaus

„Ich vermisse bisher Hinweise auf das Coronavirus in fremden Sprachen.“ Das sei ihr als Arbeitgeberin von Menschen mit Migrationshintergrund aufgefallen. Ihre Mitarbeiter verstünden den Ernst der Lage durchaus und würden sich entsprechend verhalten, wenn sie es Ihnen erkläre.

Die komplizierten Texte der behördlichen Anordnungen könnten manche von Ihnen auf Deutsch aber nicht verstehen. Eine Anregung, die die Stadt am Dienstag dankend entgegennahm.

In eigener Sache

Seien sie ein gutes Beispiel!

  • Die Coronakrise verlangt ein Umdenken von uns allen. Homeoffice, Videokonferenzen oder Bedienung der Kunden aus der Ferne.
  • Wie geht ihr Unternehmen damit um? Welche neuen Wege geht ihr Unternehmen? Was können andere davon lernen oder es selbst praktizieren?
  • Sagen sie es uns! Wir berichten gerne darüber.
  • Kontakt: lokalredaktion.luenen@ruhrnachrichten.de
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