Unna muss lernen aus Bau(m)sünden

dzKommentar der Redaktion

Die Buche muss doch fallen. Das lässt sich nicht mehr verhindern. Hätten die Stadtväter mehr Wert auf umsichtige Entwicklung gelegt, würde der Baum vermutlich noch sehr alt. Ein Kommentar.

20.12.2018, 16:49 Uhr / Lesedauer: 1 min

Keine Frage: Wenn von einem Baum Gefahr ausgeht für den Straßenverkehr, für die Gesundheit von Menschen, dann muss er gefällt werden. Den Fall eines Rollerfahrers, der von einer umstürzenden Kastanie an der Friedrich-Ebert-Straße schwer verletzt wurde, haben viele noch in Erinnerung. Baumriesen auf ihre Standsicherheit zu überprüfen, ist deswegen eine wichtige Aufgabe. Die Verantwortlichen müssen ebenso gut belegen, dass ein Baum stehen bleiben darf, wie sie belegen müssen, wenn wie jetzt im Fall der Blutbuche einer gefällt werden muss.

Aber was kann eigentlich dieser Baum dafür, dass die Unnaer in den vergangenen 200 Jahren immer mehr Stadt um ihn herum gebaut haben? Die Einschätzung des Kreises Unna, dass um den Stamm herum zu viel Fläche versiegelt wurde, dass auch Tiefbauarbeiten immer wieder seine Wurzeln geschädigt haben, ist leicht nachzuvollziehen. Die Bausünden der Vergangenheit, die offensichtlich zu nachlässige Stadtplanung vergangener Jahrzehnte sind verantwortlich dafür, dass dieses Gewächs vorzeitig verschwinden muss.

Aus diesen Fehlern müssen Stadtplaner heute lernen. Bäumen genug Platz lassen, Arten klüger auswählen, auch mit Blick auf Wasserbedarf, zu erwartenden Umfang und Anpassungsfähigkeit – das muss ebenso selbstverständlich sein bei der Planung neuer Straßen und Siedlungen wie die Statik von Gebäuden oder der Brandschutz.

Wichtig ist das nicht nur für „Ökoromantiker“, die nun diesem Baum nachtrauern. Wichtig ist das auch für Menschen, denen Bäume völlig egal sind. Denn ohne solche großen Pflanzen wird es heißer und stickiger in der Stadt. Sie filtern den Dreck aus der Luft und erzeugen Sauerstoff. Sie spenden Schatten, den wir alle in der „Heißzeit“ des Sommers 2018 schon so vermisst haben. Große Bäume bieten unzähligen anderen Pflanzen und Tieren Schutz und Lebensraum, sind also ein wichtiger Teil der biologischen Vielfalt. Dass diese inzwischen akut gefährdet ist, das verstehen nach und nach auch Nicht-Grüne. Diese Gefährdung betrifft auch den Menschen, seine Gesundheit und seinen Wohlstand.

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