Umweltministerin Schulze will 30 Prozent der Erde unter Naturschutz stellen

Umweltschutz

Das Naturbewusstsein der Deutschen steigt. Das geht aus den Ergebnissen der Naturbewusstseinsstudie 2019 hervor. Umweltministerin Schulze sieht die Zahlen als Auftrag – und will 30 Prozent der Erde zu Schutzgebieten machen.

Berlin

15.08.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Nationalpark Wattenmeer mit praktizierter Energiewende am Horizont: Das Naturbewusstsein der Deutschen wächst einer aktuellen Studie zufolge.

Nationalpark Wattenmeer mit praktizierter Energiewende am Horizont: Das Naturbewusstsein der Deutschen wächst einer aktuellen Studie zufolge. © picture alliance/dpa

Eine größere Wertschätzung, gestiegenes Interesse, mehr Engagement – für die Natur in Deutschland scheinen die Ergebnisse der Naturbewusstseinsstudie 2019 des Bundesumweltministeriums und des Bundesamtes für Naturschutz eine gute Nachricht zu sein. Bei der Vorstellung der Umfrage am Freitag in Berlin erklärten Umweltministerin Svenja Schulze (SPD), Beate Jessel, Präsidentin des Bundesamtes für Naturschutz (BfN), und Peter Südbeck, Vorstandsvorsitzender der Nationalen Naturlandschaften, die Ergebnisse zum Auftrag für die Umweltpolitik. Der Umweltverband BUND zeigte sich erfreut – und fordert nun politische Konsequenzen.

Immer mehr Deutsche sorgen sich um die Natur

Die Zahlen lesen sich zunächst erfreulich: Schutzgebiete sind der repräsentativen Umfrage zufolge für 77 Prozent der Deutschen wichtiger Teil ihrer Heimat, 93 Prozent glauben, dass sie wichtig im Kampf gegen den Klimawandel sind. 63 Prozent ärgern sich sehr über einen zu sorglosen Umgang mit der Natur – noch vor zwei Jahren waren es weniger als die Hälfte.

Drei Viertel der Befragten sprachen sich für einen Einsatz Deutschlands für mehr Naturschutz weltweit aus. Nur noch jeder Vierte befürwortet Wirtschaftswachstum zulasten der Natur – 2017 war es noch jeder Dritte.

Zahlen als weltweiter Wählerauftrag

Die Zahlen bewertete Umweltministerin Schulze als Wählerauftrag. Der Rückhalt in der Bevölkerung für eine weitere Verstärkung des Engagements für den Naturschutz sei da – und notwendig: „Vieles ist aus dem Gleichgewicht geraten“, mahnte Schulze. Schäden an der Natur trügen auch zu Pandemien wie Corona bei.

Die Ministerin kündigte ein zweigeteiltes Vorgehen an: Einerseits müssten die bestehenden Schutzgebiete in Deutschland weiter unterstützt werden, andererseits werde Deutschland sich dafür einsetzen, dass weltweit mehr Gebiete unter Naturschutz gestellt werden – 30 Prozent aller Land- und Wasserflächen bis 2030. In Deutschland müssten die Schutzgebiete etwa durch strenge Regeln für Pestizide wie Glyphosat gestärkt werden – und durch das Vorantreiben der Energiewende.

Die Ergebnisse der Studie zeigten außerdem, dass neue Möglichkeiten zur Vermittlung von Naturschutz geschaffen werden müssten, so BfN-Präsidentin Jessel. Mehr als die Hälfte der Deutschen wünscht sich der Studie zufolge mehr Wissen über die Natur – vor allem junge Menschen: „Wir sollten den Leuten die Möglichkeit geben, diesem Wunsch nachzukommen.“

BUND will umweltgerechte Politik noch in dieser Legislaturperiode

„Konkrete Arbeitsaufträge für die Politik“ sieht auch der Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in den Umfrageergebnissen. Die Wünsche der Menschen dürften nicht ignoriert werden, erklärte der BUND-Vorsitzende Olaf Brandt. Eine Politik, „welche die planetaren Grenzen ernst nimmt und Natur und Umwelt schützt“, sei noch in der aktuellen Legislaturperiode umzusetzen und müsse auch darüber hinaus Leitlinie sein.

Die angekündigte Fokussierung auf In- und Ausland sei der richtige Weg, sagte die BUND-Geschäftsführerin für Politik und Kommunikation, Antje von Broock, dem RedaktionsNetzwerk Deutschland (RND): „Naturschutz macht vor Grenzen nicht halt.“ Für nachhaltig erfolgreichen Natur- und Klimaschutz müssten die Anstrengungen aber einheitlicher gestaltet werden: „Noch gibt es widersprüchliche Regeln und Förderungslücken.“ Hier bedürfe es einer Harmonisierung und eines konsequenten Managements.

Schutzgebiete in Deutschland in der Corona-Krise im Fokus

Es bedürfe jetzt konkreter Vorschläge, wie man die Menschen gezielt für den Naturschutz vor Ort begeistern könne, forderte der Naturlandschaften-Verbandsvorsitzende Südbeck. Ein gesteigertes Interesse bemerke man auch vor Ort in den Schutzgebieten.

2020 sei ein doppelt richtungsweisendes Jahr für den Naturschutz in Deutschland, so Südbeck: Die Anfangsmonate der Corona-Epidemie hätten eine merkliche Ruhepause für Tiere und Pflanzen gebracht, doch mit den Sommerferien sei die Belastung durch Touristen vielerorts umso stärker gestiegen.

RND

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