Union will Fans „ganze Saison schenken“

Die erste Bundesliga-Saison von Union Berlin war ausgerechnet die Corona-Saison. Auch deshalb wollten sich die Eisernen unbedingt noch ein weiteres, möglichst normales Erstliga-Jahr verdienen. Sie sind fast am Ziel. Schon am Dienstag können sie „den Sack zumachen“.

13.06.2020, 15:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die Party am Dienstag würde in Corona-Zeiten natürlich ganz anders aussehen als die überschäumende Aufstiegs-Fete vor einem Jahr. Der sportliche Erfolg aber ist sogar noch höher einzustufen, wenn die Eisernen sich und ihren Fans eine weitere Erstliga-Saison sichern. Noch aber sieht Trainer Urs Fischer sein Team nicht gerettet, auch wenn nach dem wertvollen 2:1-Sieg beim 1. FC Köln der Vorsprung des 1. FC Union auf den Abstiegs-Relegationsplatz sieben Punkte beträgt - bei nur noch drei ausstehenden Spielen. „Nein. Es ist ja rechnerisch noch nicht klar“, betonte der Schweizer, der mit seiner ruhigen Art im zweiten Union-Jahr dicht davor ist, zum zweiten Mal das große Ziel zu erreichen.

„Am Schluss gilt es für uns, den Sack zuzumachen. Das ist die Herausforderung“, sagte Fischer zur Aufgabe am Dienstag (20.30 Uhr) gegen den abgeschlagenen Tabellen-Letzten Paderborn. Gerade die schwierigen Bedingungen in der Corona-Saison rücken den Klassenerhalt noch in ein anderes Licht. Es gab kein Stadt-Derby im ausverkauften Olympiastadion, kein Heimspiel an der vollgepackten Alten Försterei gegen die Bayern. „Wir konnten den Leuten diesmal leider keine ganze Saison schenken“, sagte Routinier Christian Gentner: „Deshalb wollen wir unbedingt in der Liga bleiben. Und in der kommenden Saison wieder in einer vollen Hütte spielen.“

Ob sich die „volle Hütte“ schon zu Beginn der kommenden Saison verwirklichen lässt, ist zwar höchst fraglich. Doch dass die Eisernen erstklassig bleiben, daran besteht kaum noch ein Zweifel. Der fehlende Sieg gegen die fast sicher abgestiegenen Paderborner scheint Formsache. Was Chance und Gefahr gleichzeitig ist. „Das Spiel wollen wir natürlich gewinnen. So lange es rechnerisch möglich ist, müssen wir hart arbeiten“, betonte Abwehrspieler Marvin Friedrich, der mit seinem Tor die Berliner in Köln auf die Siegerstraße gebracht hatte.

Am Samstag herrschte aber erst einmal Feier-Verbot bei den Eisernen. Torhüter Rafal Gikiewicz wollte seine Mitspieler animieren, symbolisch in die leere Gästekurve des Kölner Stadions zu gehen. Doch niemand kam mit. „Rechnerisch sind wir noch nicht durch“, mahnte Gentner, der gegen seinen persönlichen Lieblingsgegner das vorentscheidende 2:0 erzielt hatte: „Wir können am Dienstag den letzten Schritt gehen. Und so lange können wir nun auch noch warten.“

Von Köln ist der Union-Tross sofort nach Bad Saarow gereist, um die Vorbereitung auf den angestrebten letzten Schritt zum Klassenerhalt aufzunehmen. Am Sonntag stand am Scharmützelsee in Brandenburg die Regeneration an. Am Montag kehrt die Mannschaft nach Berlin zurück und bestreitet An der Alten Försterei das Abschlusstraining für das Heimspiel gegen die Ostwestfalen. Offensivspieler Marcus Ingvartsen möchte dann ausgelassen jubeln. „Es gibt keine leichten Spiele“, sagte der Däne: „Aber zu Hause gegen Paderborn müssen wir es zu Ende bringen. Und dann werden wir auch feiern.“

Er habe in seiner langen Karriere „schon ziemlich verrückte Sachen erlebt“, mahnte Gentner, der im Vorjahr mit dem VfB Stuttgart in der Relegation gegen Union abgestiegen und dann zu den Eisernen gewechselt war. Einen erneuten Abstieg möchte er nicht erleben. „Es war ein großer, wichtiger Schritt“, sagte der 34-Jährige zum Sieg in Köln: „Und es fühlt sich auch so an.“

Rätselhaft blieb nach dem Spiel nur der besondere Torjubel des starken Abwehrchefs Friedrich nach dem 1:0 (39.). Die gezeigte 3 sei „an meinen Bruder gerichtet“, sagte der 24-Jährige, der die Geste aber nicht erklären wollte: „Ich verrate das nicht. Das ist ein Geheimnis zwischen meinem Bruder und mir. Er weiß Bescheid.“

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