Udo Edelmeier hat seine Fahrschule verkauft – und ein neues Projekt

dz37 Jahre Fahrlehrer

Die Fahrschule in Schwerte heißt noch Udo Edelmeier. Chef ist aber ein anderer. Und Edelmeier? Der Mann, der rund 12.000 Menschen das Autofahren beibrachte, hat ein ganz neues Projekt.

Geisecke

, 26.09.2020, 05:00 Uhr

Ein Termin mit ihm und seinem Nachfolger, also mit dem Namensgeber der Fahrschule neben der St.-Viktor-Kirche in Schwerte und mit dem neuen Chef, Thomas Quante?

Udo Edelmeier hat spontan eine bessere Idee: „Komm steig‘ ein. Wir fahren mal rum und ich zeige dir, wie jetzt ein Tag im Leben von Udo Edelmeier aussieht.“

Die Brückstraße herunter, raus aus der Innenstadt, nach Geisecke, wo Edelmeier auch lebt. 12.000 Fahrschüler habe er in all den Jahren gehabt, überschlägt er. Von 1983, als er mit 26 Jahren seine erste Fahrschule in Westhofen gründete, bis 2020, als er als 62-Jähriger das Unternehmen mit weiteren Standorten in Schwerte-Mitte, Dortmund-Holzen und Holzwickede verließ.

Schon im März 2018 die Fahrschule verkauft, aber noch geblieben

Verkauft habe er schon im März 2018, wie Edelmeier auf dem Weg nach Geisecke verrät. „Ich habe immer gehört, wie schwer es für Leute war, einen Nachfolger zu finden. Und dann hab ich ganz vorsichtig gestreut, dass Udo Edelmeier verkaufen möchte.“

Die Resonanz habe ihn überrascht. Drei, vier ernsthafte Bewerber hätten sich gemeldet. Den Zuschlag erhielt Thomas Quante, „aber ich habe ihm versprochen, ich mache noch zwei Jahre mit.“

Dann sei es höchste Zeit gewesen zu gehen. Es sei doch so: „Wenn jemand in die Fahrschule kommt und Udo Edelmeier läuft noch rum, dann will auch jeder mit Udo Edelmeier sprechen. Wenn du jetzt aber selbst Chef bist, dann ist das... hach....lange Rede, kurzer Sinn: Du musst irgendwann raus.“

Unnaer Straße, rechts in die Dorfstraße, parken, Motor aus: „Ich hab in meinem Leben viel Glück gehabt. Ich bin von schweren Krankheiten verschont geblieben. Ich habe eine tolle Familie. Der Laden läuft und alles ist gut. Da hab ich gedacht: ich müsste auch ein bisschen was zurückgeben.“

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Kein Fahrlehrer mehr: Was macht Udo Edelmeier?

„Die Bäume so weit freigeschnitten, dass man ernten kann“

Edelmeier geht voran ins Dickicht, die sein neuer Arbeitsplatz sind. „Das waren verwilderte Flächen. Dann hab ich ganz klassisch mit der Kettensäge angefangen, hab die Bäume freigeschnitten mit einem Freischneider und mit einer Motorsense. So weit, dass man auch Obst ernten kann.“

Das Grün zwischen Dorfstraße, Unnaer Straße, Bahnlinie und dem Gewerbegebiet Zwischen den Wegen ist eine Ausgleichsfläche. Die mussten die Firmen schaffen, als sie ihre Gewerbeflächen errichteten. Nach Gesprächen mit der Stadt weiß Edelmeier: „Ein Gartenbaubetrieb hat die Bäume gepflanzt und wohl einmal geschnitten und dann nie wieder.“

Die Fläche geriet in Vergessenheit, wucherte Jahr für Jahr mehr zu, obwohl in der Mitte viele Äpfel und Birnen wuchsen, die keiner haben wollte.

Viel zu viele Triebe im Baum. Udo Edelmeier schaut schon einmal, wo bald etwas abgesägt werden muss.

Viel zu viele Triebe im Baum. Udo Edelmeier schaut schon einmal, wo bald etwas abgesägt werden muss. © Björn Althoff

Besitzer der Fläche hatten nichts gegen die Patenschaft

Keiner der Firmen hatte etwas dagegen, dass Edelmeier nun die Patenschaft für die Fläche übernahm. Zusammen mit Peter Molczyk und Grassa de Oliveria greift er seitdem zu Astschere und Kettensäge, seit Corona-Beginn im März schon. Das Gartencenter Pötschke habe dabei einige Tipps geben können.

Einige Wege sind jetzt, Ende September, schon frei. In den Bäumen wuchern die Äste allerdings noch recht wild. Das wird Edelmeiers Projekt für den Winter – und wahrscheinlich auch für die nächsten Jahre.

Denn eigentlich müsse ein Obstbaum ja so licht sein, „dass man einen Hut durchwerfen kann“.

1,2 Tonnen Äpfel habe man schon geerntet: „Wenn ich ernte, pflücke ich das nicht. Ich lege eine Plane drunter und schüttele den Baum.“ Die Früchte kommen nach Unna zum Stockumer Hofmarkt und werden zu Apfelsaft und lande in Fünf-Liter-Kanistern zum Zapfen.

Elf Fünf-Liter-Pakete Apfelsaft brachte Udo Edelmeier am Donnerstag zur Schwerter Tafel.

Elf Fünf-Liter-Pakete Apfelsaft brachte Udo Edelmeier am Donnerstag zur Schwerter Tafel. © Björn Althoff

Eine Lieferung für den Kindergarten in Geisecke

21 davon hat Edelmeier im Kofferraum, als er nach einer halben Stunde auf der Streuobstwiese wieder ins Auto steigt. Nächstes Ziel: der Kindergarten An der Ulme im Geisecker Oberdorf, dessen Förderverein das Projekt über Spenden unterstützt. „Wie heißt du?“, will ein Junge wissen. Edelmeier beugt sich herunter: „Ich bin der Udo.“

Ohnehin: „Herr Edelmeier“ ist er ja nie. Udo duzt jeden, Kinder wie Erwachsene, und lächelt viel, auch im Gespräch mit dem Jungen. Das mit dem Duzen habe sich früher irgendwann so ergeben, sagt er. Und irgendwie sei es ja auch schön, weil es Nähe zu so vielen Menschen erzeuge und Vieles leichter mache.

Lieferung für die Kita An der Ulme in Geisecke: Udo Edelmeier mit dem, was aus den geernteten Äpfeln geworden ist.

Lieferung für die Kita An der Ulme in Geisecke: Udo Edelmeier mit dem, was aus den geernteten Äpfeln geworden ist. © Björn Althoff

Ein letzter Stopp an der Schwerter Tafel

Zurück in die Innenstadt, fast zum Ausgangsort, seiner alten Fahrschule. Vorher aber der Stopp an der Schwerter Tafel. Hier lädt Udo die anderen elf Kanister aus, nachdem er die nächsten Fragen beantwortet hat: „Sie sind doch Fahrlehrer, oder? Dann möchte ich mal was wissen...“

Udo weiß auch: Auf der Streuobstwiese in Geisecke spricht ihn keiner an. Da hat er Ruhe: „Wir machen das peu à peu. Ich habe Zeit. Und nicht den Anspruch, das in einem halben oder Dreiviertel-Jahr alles geschafft zu haben.“

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