Tumult am Taxi: Keine Strafe für angeklagte Bochumer Polizisten

dzGerichtsprozess

Der 71-jährige Taxifahrer war den Tränen nahe, die angeklagten Polizisten wuschen ihre Hände in Unschuld. Die Richter entschieden sich am Ende für eine Art Kompromiss.

Bochum

, 12.06.2020, 17:04 Uhr / Lesedauer: 2 min

Diese Anklage hatte es in sich: Vor rund einem Jahr sollen drei Polizisten (zwei Männer und eine Frau) einen 70-jährigen Taxifahrer geschlagen und gewaltsam zu Boden gebracht haben, weil sie den Fahrpreis von fünf Euro nicht bezahlen wollten. Die Richter am Bochumer Amtsgericht sahen am Ende jedoch Widersprüche und stellten die Strafverfahren ein.

Einer der Beamten muss nun 1500 Euro an eine gemeinnützige Einrichtung zahlen, eine Kollegin 600 Euro, der dritte gar nichts. „Wir haben uns schwergetan“, so die Richterin. Zuvor hatte auch die Staatsanwältin einer Verfahrensbeendigung ohne Urteil zugestimmt.

Es war der 5. April 2019, morgens um kurz vor vier. Die drei Polizisten aus Gelsenkirchen und Münster hatten im Bochumer Bermuda-Dreieck gefeiert, wollten anschließend mit einem Taxi nach Gelsenkirchen.

Taxifahrer sollte angeblich „schwarz“ fahren

Doch kaum saßen sie im Wagen, gab es Streit. Die Beamten, die natürlich nicht im Dienst waren, bestanden auf einen Festpreis, der Taxifahrer lehnte ab. Nach seinen Angaben sollte er die Tour sogar „schwarz“ fahren. Als seine drei Fahrgäste nach wenigen hundert Metern wieder aussteigen wollten, weigerten sie sich, den bereits angefallenen Fahrpreis zu zahlen. „Das sahen wir nicht ein“, sagte einer von ihnen am Freitag vor Gericht.

Als sie dann auch noch anfingen, im Wagen eine Pizza zu essen, muss der Fahrer sauer geworden sein. Er rief nicht nur die Polizei, sondern wollte nun auch endlich alle aus dem Auto haben. Als einer sitzen blieb und sich seine Pizzahände sogar noch provokativ am Polster abgewischt haben soll - was er bestreitet - , stieg der 70-Jährige aus und wollte ihn auf die Straße ziehen.

Taxifahrer: „Ich wurde geschlagen“

Was dann passierte, ist unklar. „Ich wurde geschlagen“, sagte der Taxifahrer im Prozess und war den Tränen nahe. „Ich habe um Hilfe gerufen und gesagt, dass ich nicht atmen kann.“ Zwei hätten ihn geschlagen, einer seinen Kopf auf den Bürgersteig gedrückt. „Dabei ist auch noch meine Brille kaputt gegangen.“

Die angeklagten Beamten wollten davon jedoch nichts wissen. Sie gaben zwar zu, dass der Taxifahrer in Bauchlage auf den Boden gebracht worden ist, geschlagen hätte ihn aber niemand. Im Gegenteil. Der 70-Jährige sei es gewesen, der gewalttätig geworden sei. Er hätte zugeschlagen – eine Ohrfeige, direkt ins Gesicht. Da habe man schließlich eingreifen müssen. „Man weiß ja nie, was noch passiert“, so die angeklagte Polizistin.

Nicht mal Anzeige erstattet

Kurios: Der Taxifahrer hatte damals nicht mal Anzeige erstattet. „Ich wollte nur meine fünf Euro“, sagte er den Richtern. „Sonst hätte ich die aus eigener Tasche bezahlen müssen.“ Eine Entschuldigung, dass man möglicherweise überreagiert habe, hat er im Prozess nicht erhalten.

Die Anklage hatte auf gefährliche Körperverletzung gelautet. Mindeststrafe: sechs Monate Haft. Der Prozess ist auch von einem Vertreter der Polizei beobachtet worden.

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